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21. Dezember 2012

15 Jahre Haft für Arzt Dieter K.

Im Kalinka-Prozess hat das Gericht den Schuldspruch bestätigt.

PARIS. Die Hoffnung des deutschen Arztes Dieter Krombach auf einen Freispruch im Berufungsverfahren hat sich zerschlagen. Der zu 15 Jahren Haft verurteilte Mediziner kehrt zurück ins berüchtigte Pariser Santé-Gefängnis.

Der deutsche Arzt Dieter Krombach, der nach Frankreich entführt und im Oktober vergangenen Jahres wegen des Todes seiner Stieftochter Kalinka zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, bleibt in Haft. Ein Berufungsgericht hat Schuldspruch und Strafmaß am Donnerstag bestätigt. Der von Altersschwäche gezeichnete 77-jährige Kardiologe, der bereits während der Verhandlung weggetreten wirkte, nahm das Urteil regungslos entgegen. Seine Anwälte kündigten noch im Gerichtssaal Revision an.

Zehn Minuten nach der Injektion war Kalinka tot

Der im Pariser Santé-Gefängnis einsitzende Deutsche hatte stets seine Unschuld beteuert. Das Schöffengericht des Departements Val-de-Marne sieht es dagegen als erwiesen an, dass der Mediziner dem Mädchen am 10. Juli 1982 ein Betäubungsmittel gespritzt hat – mit tödlichen Folgen. Zehn Minuten nach der Injektion war Kalinka tot – erstickt an Erbrochenem. Ob die als kerngesund beschriebene 14-jährige Blondine sich übergeben hat, weil sie mitbekam, dass der Stiefvater sie sexuell missbrauchte, ist nach Ansicht des Gerichts 30 Jahre später nicht mehr zu klären. Nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" haben die Berufungsrichter wie schon Kollegen erster Instanz lediglich "schwere Körperverletzung mit Todesfolge" erkannt. Jean-Paul Content, der Generalstaatsanwalt, hatte den Deutschen in seinem Schlussplädoyer des versuchten sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Der deutsche Mediziner habe Kalinka ein Schlafmittel verabreicht, um sich an ihr zu vergehen, sagte der Anklagevertreter am Mittwoch.

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André Bamberski, leiblicher Vater des Mädchens und Nebenkläger, hatte zuvor eine vollzogene Vergewaltigung beklagt, die Krombach durch die tödlich wirkende Injektionen habe vertuschen wollen. Bamberski und der Staatsanwalt hatten zuvor die "fehlende Kooperationsbereitschaft der deutschen Behörden" kritisiert, die das Ermittlungsverfahren fünf Wochen nach dem Tod des Mädchens eingestellt hatten. Zur Tatzeit wohnte der von Zeugen als gutaussehend und selbstherrlich beschriebene Arzt mit Bamberskis früherer Gattin, der Mutter Kalinkas, in Lindau am Bodensee. Das beim Vater in Frankreich lebende Mädchen verbrachte bei der Mutter und deren neuem Lebensgefährten die Sommerferien.

Da sich die deutsche Justiz weigerte, Krombach strafrechtlich zu verfolgen, verübte Kalinkas Vater im Herbst 2009 Selbstjustiz. Der Buchhalter, der am Grabe der Tochter versprochen hatte, ihren Peiniger zu verfolgen, und dafür Freizeit, Freundschaften, Vermögen und Karriere geopfert hatte, ließ den mutmaßlichen Mörder seiner Tochter zusammenschlagen und nach Frankreich verschleppen.

Autor: Axel Veiel