Neujahrsempfang

Bürgerverein Mittel- und Unterwiere zeigt Interesse am Bahnwärterhäusle

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Di, 17. Januar 2017

Freiburg Süd

Beim Neujahrsempfang für die Mittel- und Unterwiehre ging es unter anderem um fehlende Räume für ehrenamtliches Engagement.

WIEHRE (jlb). Neue Probleme durch Bauprojekte an der Erwinstraße und hinter dem Feuerwehrgerätehaus in der Kirchstraße, alte Probleme durch die Verkehrssituation im Stadtteil: Beim Neujahrsempfang des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre im Festsaal der Waldorfschule hatte Vorsitzender Justus Kampp jede Menge zu berichten. Für den Bürgerverein wünschte er sich eigene Räume – eine Möglichkeit könnte sich im ehemaligen Bahnwärterhäusle an der Lorettostraße auftun. Im Februar soll es dazu ein Gespräch mit der Stadtverwaltung geben.

Das kleine Gebäude, das der Stadt Freiburg gehört, steht seit eineinhalb Jahren leer. Seitdem ist unklar, wie es weitergeht. Denn das 1895 erbaute Bahnwärterhäuschen, das aus der Zeit stammt, als die Höllentalbahn noch quer durch die Wiehre fuhr, ist sanierungsbedürftig. 200 000 Euro hat das Rathaus für die Ertüchtigung veranschlagt. Deshalb dürfe der Bürgerverein seine Erwartungen nicht allzu hoch schrauben, sagte Kampp. Sollte es aber klappen, würde er es begrüßen, wenn auch der Nachbarverein Oberwiehre-Waldsee mit einziehen würde. Denn, so betonte der Vorsitzende: Von grundlegenden Differenzen zwischen den beiden Vereinen könne keine Rede sein, "die Zusammenarbeit ist hervorragend". Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass es in diesem Jahr erstmalig seit 2008 keinen gemeinsamen Neujahrsempfang gegeben hat. Dies hatten beide Vereinsvorsitzende gegenüber der BZ unter anderem mit Meinungsverschiedenheiten begründet. "Aber der Blick geht jetzt nach vorn", sagte Kampp.

Im Stadtteil fehlen aber nicht nur dem Bürgerverein Räumlichkeiten, auch andere Gruppierungen hätten es schwer, ihre Arbeit zu organisieren, sagte Kampp. Er begrüßte deshalb die Idee einer Initiative, die das bisherige Bürgeramt in der Basler Straße 2 in ein "Haus des Engagements" verwandeln will. Nicht glücklich zeigte sich der Vereinsvorsitzende indes über Planungen der Stadtverwaltung, einen Teil des gegenüber liegenden Johanniskirchplatzes zu bebauen.

Auch zwei andere Bauprojekte liegen dem Bürgerverein schwer im Magen. Die Stadtverwaltung will im rückwärtigen Teil des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses an der Kirchstraße Wohnungen bauen – Kampp plädierte stattdessen für ein Gesamtkonzept für das Anwesen und für einen "Runden Tisch". Den umstrittenen Neubau in der Erwinstraße 15 durch einen privaten Investor bezeichnete der Bürgervereinsvorsitzende als "ein Beispiel, wie es nicht laufen darf" (die BZ berichtete). Kampp forderte die Stadtverwaltung auf, es notfalls auf einen Prozess ankommen zu lassen, um das Projekt noch zu verhindern. Doch Baubürgermeister Martin Haag winkte in seiner Ansprache ab: Das sei nur ein großer Aufwand, sagte er, "und das Ergebnis ist am Ende wahrscheinlich dasselbe".

Dauerbrenner im Stadtteil bleibt der Verkehr. Dass die Kronenbrücke jetzt erst Ende 2018 fertig werden soll und damit ein Jahr später als geplant, "das schmerzt", sagte Kampp. Längst sei die Situation nicht mehr nur in den seit langem stark belasteten Achsen Basler Straße und Lorettostraße schwierig. Gut gefalle ihm die Neugestaltung der Kronenstraße, lobte Kampp: "Das ist eine Bereicherung für die Stadtentwicklung und macht Vorfreude auf die Zukunft."

Als positiv bezeichnete der Bürgervereinsvorsitzende auch das neue Freiburger Car-Sharing-Konzept und die dafür im Stadtteil ausgewiesenen Parkplätze. Solche und ähnliche Ansätze seien im Grunde auch die einzige Möglichkeit, die Verkehrssituation in der Wiehre dauerhaft zu entlasten, meinte Baubürgermeister Martin Haag: "Wir brauchen eine andere Art der Mobilität." Dann könne auch mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer entstehen.