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24. Oktober 2009

Das Geheimnis der Keller

Im 12. und 13. Jahrhundert erlebte Freiburg einen gewaltigen Aufschwung / Vortrag im BZ-Haus

  1. Frank Löbbecke beim Vortrag im BZ-Haus Foto: Thomas Kunz

Baustellen sind in Freiburg nichts Neues. Schon bald nach der Besiedlung im Jahr 1091 und dem Erhalt des Markt- und Stadtrechts 1120 setzte eine explosionsartige Entwicklung ein. Straßen wurden angelegt, manche aufgeschüttet, Grundstücke parzelliert und die Holzhäuser des 12. Jahrhunderts wichen größeren Gebäuden aus Stein. "Man kann in hochmittelalterlichen Maßen von einem Boom sprechen", erklärte der Archäologe und Architekturhistoriker Frank Löbbecke zu Beginn seines Vortrages "Boomtown im Südwesten – Freiburg im 12. und 13. Jahrhundert" im ausverkauften BZ-Haus.

Löbbecke, der an vielen archäologischen Grabungen und bauhistorischen Auswertungen in Freiburg mitgewirkt hat, zeigte in einer reichen Bilderschau die Auswirkungen dieses Booms an konkreten Beispielen. Die wunderbare Lage, die Silberminen der Region und das starke und wohlhabende Herrscherhaus der Zähringer hatten zu einem blühenden Aufschwung geführt. Typisch für Freiburg: der gewölbte Vorkeller mit zweigeschossigem Tiefkeller und Hof. Löbbecke nennt eine solche Konstruktion "das Freiburger Haus". Und trotz Kriegszerstörungen blieb einiges davon erhalten: die Fassadendetails aus dem 12. Jahrhundert am "Roten Bären", Oberlinden, oder das Steinhaus in der Salzstraße 18 mit einer der ältesten Toiletten Deutschlands – damals Erdgeschoss, heute Keller.

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Zum Schluss gab es im BZ-Haus noch eine Premiere: neu erstellte grafische Rekonstruktionen der verschiedenen Bauphasen des Freiburger Münsters – von den Anfängen im 12. Jahrhundert bis hin zum fertig gestellten Turm im Jahr 1330.

Der Vortrag bildete den Auftakt zur neunteiligen Veranstaltungsreihe "Von den Zähringern zu Salomon – Fragmente Freiburger Geschichte", die zusammen mit dem Alemannischen Institut entwickelt wurde. Gleich am ersten Abend war das Interesse groß. Zu den Überlegungen, warum es in Freiburg im 13. Jahrhundert zu Aufschüttungen von teilweise bis zu drei Metern kam, gab es mehrfach Wortmeldungen. Denn nach einer Stunde Vortrag war es Zeit für Fragen – beziehungsweise noch mehr Antworten.
Nächster Vortrag: "Freiburg – Das Herz Vorderösterreichs", Referent: Franz Quarthal, Dienstag, 17. November, 20 Uhr, BZ-Haus, Bertoldstraße 7, Eintritt 1 Euro, Karten in den Geschäftsstellen.

Autor: Ursula Thomas-Stein