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10. April 2010

In jeder freien Minute ans Krankenbett der Kleinsten

MENSCHEN VON NEBENAN:Rita und Baldur Bernhard kümmern sich seit rund 20 Jahren um Kinder in Kliniken.

  1. Rita und Baldur Bernhard Foto: Thomas Kunz

LANDWASSER. Wenn ein Kind für längere Zeit ins Krankenhaus muss, stellt dies nicht selten den Familienalltag auf den Kopf. Damit Eltern bei dieser oftmals schwierigen Situation nicht allein bleiben, kümmert sich in Freiburg eine Gruppe von Ehrenamtlichen um die Mitbetreuung der kleinen Patienten. Rita (56) und Baldur (69) Bernhard aus Landwasser organisieren mit Gleichgesinnten im Freiburger "Aktionskomitee Kind im Krankenhaus (AKIK)" unbürokratische Hilfestellungen.

Als Baldur Bernhard vor 20 Jahren das erste Mal in der Badischen Zeitung über AKIK las, war für ihn klar, dass er sich dort engagiert. Angesprochen fühlte er sich vor allem, weil er wegen einer angeborenen Krankheit von Kindesbeinen an viele Monate lang auf der Kinderstation der Freiburger Universitätsklinik verbringen musste. "Damals war die Besuchszeit streng geregelt. Eltern und Geschwister durften nur mittwochs, freitags und sonntags zwischen 14 bis 16 Uhr kommen. Immer dann, wenn sie sich verabschiedeten, ging das Geheule los", so eine Erinnerung, die sich tief im Gedächtnis des ehemaligen Angestellten der Fraunhofer-Gesellschaft eingeprägt hat.

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Als besondere Herausforderung entpuppte sich für das in Landwasser lebende Rentnerehepaar die Betreuung eines einjährigen Mädchens, das in der Uniklinik eine Reihe komplizierter Hüftoperationen über sich ergehen lassen musste. Da beide Elternteile in schwierigen sozialen Verhältnissen lebten und den Kontakt zur Tochter während des knapp einjährigen Krankenhausaufenthaltes abgebrochen hatten, kamen Rita und Baldur Bernhard in jeder freien Minute ans Krankenbett ihres Schützlings. "Während dieser Zeit war sie faktisch unser Kind", erinnert sich Rita Bernhard. Tägliches Spielen gehörte genauso zur Betreuung wie später sogar ein gemeinsamer Urlaub

Obwohl die Kleine mittlerweile genesen ist und ein selbstständiges Leben führen kann, sei der Kontakt nie abgebrochen. "Sie ist uns heute noch dankbar", freut sich Rita Bernhard, die sich in den zurückliegenden Jahren nicht nur im Vorstand der Freiburger Ortsgruppe, sondern auch im Landes- und Bundesverband engagiert hat. Verankert ist das "Aktionskomitee Kind im Krankenhaus" bisher außer in Freiburg lediglich noch in den Bereichen Lörrach/Schopfheim und Baden-Baden/Rastatt mit autonomen Gruppen.

Zum Alltag der knapp 40 Aktiven aus Freiburg gehört neben dem Besuchsdienst die Teilnahme an den Sommerfesten der Uni-Kinderklinik und der Kinderabteilung St. Hedwig im Josefkrankenhaus in Herdern, die Beteiligung an der Badenmesse genauso wie das Vorbeischicken des Osterhasen auf den Kinderstationen oder das Eintreten für die Rechte der Kinder auf politischer Ebene.

Damit für die Aktivisten des eingetragenen Vereins die Möglichkeit besteht, ihre oftmals auch psychisch belastende Aufgabe – zum Beispiel bei Todesfällen – zu bewältigen, legt die Organisation besonderen Wert auf die Reflexion des Erlebten durch dafür ausgebildete Supervisoren.

Weil sich der Gesundheitszustand von Rita und Baldur Bernhard, die beide gehbehindert sind, verschlechtert, werden sie sich im Mai nach 20 Jahren aus der Arbeit des örtlichen Vorstandes zurückziehen. Wer Zeit hat, Kinder im Krankenhaus zu besuchen, vorzulesen oder mit ihnen zu spielen, wird gebeten, sich mit der AKIK-Gruppe in Freiburg in Verbindung zu setzen. Vorkenntnisse von pflegerischen Tätigkeiten sind für ein solches Engagement nicht notwendig.

Kontakt: "Aktionskomitee Kind im Krankenhaus", Rita und Baldur Bernhard, Freiburg, Auwaldstrasse 3, Tel. 0761/13 33 25

Weitere Informationen gibt es im Internet unter http://www.akik.de

Autor: Andreas Peikert