Interesse an Nahwärme wächst

Ralf Morys

Von Ralf Morys

Sa, 11. Oktober 2014

Lenzkirch

Drei Varianten sind für Saig denkbar / Große Hotels spielen die Schlüsselrolle / Informationsabend im Haus des Gastes gut besucht.

LENZKIRCH-SAIG. Die Projektidee einer Nahwärmeversorgung in Saig könnte sich weiter zu einer Heizalternative nicht nur für den Kern, sondern für große Teile des Ortes vom Hotel Saigerhöh’ über den Dorfkern bis zum Sporthotel Sonnhalde entwickeln. Planer Klaus Dieter Müller fände es schade, das Projekt nur auf die Saiger Mitte zu beschränken und warb am Donnerstagabend in der Informationsveranstaltung im Haus des Gastes für Nahwärme im großen Stil.

Entscheidend für die Projektgröße wird sein, welche Großabnehmer, sprich Hotels, sich dem Nahwärmeprojekt anschließen. Zwar ist eine Nahwärme auch nur für den Ortskern mit etwa 13 Interessenten möglich, doch Planer Müller warb im gut besuchten Haus des Gastes, für eine größere Lösung. Müller hat die Nahwärmeprojekte in Löffingen, Breitnau, Grafenhausen und Ewattingen geplant.

Ortsvorsteher Mathias Brugger dankte Klaus Staub und Roland Pfisterer von der Bürger Energie Lenzkirch für die Vorarbeiten und betonte, dass die Vorplanung für das Nahwärmeprojekt Saig in die Förderung aufgenommen ist und damit die Anschubförderung für die Konzeptions- und Planungsphase steht. Ziel des Abends sei es, so Brugger, Informationen zum Projekt sowie Wünsche und Bedenken der Bürger zu hören.

DREI VARIANTEN

Für eine Nahwärmeversorgung in Saig sind drei Varianten denkbar, überraschte Planer Müller vom Büro Zelsius aus Donaueschingen, die Besucher der Informationsveranstaltung. Variante I ist der bisherige Ortskern Saig. Variante II umfasst den Ortskern Saig und ist um den Bereich Saigerhöh’ mit der Titiseestraße erweitert. Variante III erstreckt sich vom Ortskern Saig ausgehend über die Saigerhöh’ und beinhaltet auch den Hochfirstweg, an dessen Ende, das Sporthotel Sonnhalde steht. Voraussetzung für die Varianten zwei und drei ist, dass die beiden Hotels Saigerhöh’ und Sonnhalde als Großabnehmer sich beteiligen. Kaum Chancen auf Nahwärme haben die Saiger Bereiche Hiera und Steig. Hier fehlen am Ende der dann nötigen langen Versorgungsleitungen die Großabnehmer. Die Versorgungsleitungen werden in öffentlichen Straßen und Wegen verlegt.

TECHNISCHE DATEN

Holzhackschnitzel sollen Energieträger der Nahwärme sein. Angedacht ist, dass bei der "großen Lösung" drei Holzhackschnitzelkessel mit jeweils 250 kw Leistung für Wärme sorgen. Der Bedarf ist mit bis zu 3,8 Millionen Kilowattstunden hochgerechnet. Bei der kleinen Lösung nur der Ortskern würden 1,3 Millionen Kilowattstunden (kw/h) durch ein 800 Meter langes Netz fließen. Für den Ortskern und Saigerhöh’ mit Sonnhalde und Hochfirstweg rechnet Planer Müller mit 3,5 Millionen kw/h. Die größte Netzlänge veranschlagt Müller mit rund vier Kilometern, wenn alle möglichen Nutzer zusammengefasst sind. Die längste Einzelleitung würde rund 1,2 Kilometer messen. Die Leitungen sind doppelte PE isolierte Stahlrohre mit einem Überwachungskabel zur schnellen Fehlerfindung. Die Lebensdauer wird auf 80 Jahre geschätzt. In Trossingen leistet solch ein Nahwärmenetz seit 30 Jahren verlässliche Dienste. Als Standort für die Heizzentrale ist eine Fläche im Ortszentrum oder im Bereich des Sportplatzes auf der Saigerhöhe denkbar. Für Saig wäre ein Gebäude von zwölf auf zehn Meter ausreichend.

KOSTEN FÜR ABNEHMER

Der Aufwand für Bezieher der Nahwärme beläuft sich für den Kauf einer Übergabestation für bis zu 30 kw, auf rund 3200 Euro. Solch eine Station misst etwa 1,20 Meter auf 60 Zentimeter und 50 Zentimeter Tiefe auf und gewährleistet auch eine Fernüberwachung durch den Betreiber. Später wird nur die Nutzwärme abgerechnet. Die Investition für eine neue Heizungsanlage für ein Einfamilienhaus liegt weit darüber. Weiter führte Müller aus, dass auch jede Kilowattstunde aus einer Nahwärmeanlage bis zu drei Cent günstiger sei, als in einer eigenen Anlage mit Öl, Pellets oder Gas produzierten Wärme. Der erste Wärmeliefervertrag läuft über zehn Jahre und verlängert sich um fünf Jahre, wenn er nicht gekündigt wird. Für den Verbraucher bleibe der Nahwärmepreis über eine lange Zeit stabil. Anschließen kann man an die Nahwärme immer. Also auch später noch. Allerdings seien die Kosten dann eben höher.

KRITISCHE STIMMEN
In der Informationsveranstaltung waren auch kritische Stimmen zu hören. Es wurde trotz nachhaltiger Forstwirtschaft befürchtet, dass die Hackschnitzel aus der Region nicht ausreichen könnten. Andere bemängelten den Schwerverkehr durch die Anlieferung. Dieser liegt unter dem der Müllentsorgung und dafür würde noch manche Heizölanlieferung entfallen. Der Kamin störte einen anderen. Wenn der neue Kamin raucht, bedeutet dies, dass viele andere Kamine im Ort außer Dienst gestellt werden. Die Akzeptanz der Nahwärmeversorgung hänge von der Standortwahl der Heizzentrale ab, meinte ein Bürger. Im Ortskern, im Umfeld der Kirche könne er sich diese nicht vorstellen. Planer Müller schwebt vor, bei der großen Lösung auch nur eine Heizzentrale zu bauen und sieht derzeit den Bereich Saigerhöh’ als besten Standort an. Genaueres könne er aber erst nach den Rückläufen der Bürgerbefragung zur möglichen Beteiligung sagen, so Müller.

WIE GEHT ES WEITER?
Der weitere Zeitplan ist eng gestrickt. Interessierte an der Nahwärme erhalten schnell in den nächsen Tagen Besuch von Klaus Kemp vom Büro Zelsius, der berät, die Fakten aufnimmt und dann ein Angebot ausarbeitet. Bis Ende November sollen alle Angebote an interessierte Teilnehmer versandt sein. Angesichts der niedrigen Zinsen und hoher Förderung hofft man, dass viele die "historische Chance" ergreifen. Im Februar wäre aufgrund des angemeldeten Wärmebedarfs die Größe der Nahwärmeanlage festzulegen und auszuschreiben. Parallell könnte das Betreibermodell mit der Gemeinde entwickelt werden, blickte Müller voraus und versprach, dass "die Anlage im Herbst 2015 fertiggestellt sein könnte.