Über die Route 66 ins Badnerland

Reiner Beschorner

Von Reiner Beschorner

Mo, 29. April 2013

Lahr

Der Musikverein Reichenbach hat sein Publikum zu einer Tournee rund um den Globus eingeladen.

LAHR-REICHENBACH. Mit einer musikalischen Weltreise unter dem Motto "Stand-Land-Fluss" ist der Musikverein Reichenbach unter seinem Steuermann Christian Warth am Samstagabend in der voll besetzten Geroldseckerhalle erfolgreich in die diesjährige Konzertsaison gestartet. Er hat mit einem breit gefächerten Repertoire nahtlos an die Erfolge vergangener Frühjahrskonzerte angeknüpft.

Mit der "New York-Ouvertüre" von Kees Vlak hat das Blasorchester unter der Regie von Christian Warth eine Punktlandung hingelegt und damit beim Publikum die Erwartung auf ein Konzert der gehobenen Klasse geschürt, die im Laufe des Abends auch erfüllt wurde. In mehreren Momentaufnahmen hat das Orchester das pulsierende Leben in den Geschäftsstraßen und die Stille der vielen grünen Inseln in der amerikanischen Acht-Millionen-Metropole mal hektisch-aufreizend, dann wieder einfühlsam-beschaulich musikalisch nachgezeichnet, um anschließend mit der Steven-Reinecke-Komposition "Mountain of Dragon" den 2000 Meter hohen Pilatus zu erklimmen. Ausdrucksstark wurde den Weltreisenden aus Reichenbach der manchmal vergebliche Kampf gegen die der Sage nach auf dem Luzerner Hausberg herrschenden feuerspeienden Drachen suggeriert, bis der Dämon unter den Paukenschlägen der Schlagzeuger sein Leben aushauchte.

Bei einem Streifzug durch die Filmmusik "Charles Chaplin" brauchte der Zuhörer nur wenig Fantasie, um den "Charlie" genannten Grandseigneur des Stummfilms, den unvermeidlichen Spazierstock schwingend, durch die Geroldseckerhalle watscheln zu sehen. Mit "Colonel Bogey" – besser unter dem Namen River-Kwai-Marsch bekannt – entführte das Orchester sein Publikum nach Thailand zum Brückenschlag über den Fluss Khwae Yai, der nach der Verfilmung des Bestseller-Romans "Die Brücke am Kwai" weltberühmt wurde. Pfeifend und musizierend setzten Orchester und Dirigent mit dem Vortrag dieses Marsches ein weiteres Ausrufezeichen in das anspruchsvolle Konzertprogramm.

Nach der Filmmusik "Gonna fly now" der aus den Rocky-Filmen bekannten, in der Filmstadt Hollywood erfundenen Erfolgsgeschichte eines Boxers, führte die "Route 66" das Orchester quer durch die Vereinigten Staaten. Reiseleiterin auf der abenteuerlichen Fahrt an die amerikanische Westküste war die Sängerin Linda Tang, die bei ihrem Debüt in der Geroldseckerhalle mit einer einfühlsam-emotionalen Stimme für wahre Begeisterungsstürme unter den Musikfreunden gesorgt hat, was ihr prompt eine Zugabeforderung einbrachte.

Von der Weltreise wieder ins Badische Ländle zurückgekehrt, wollten sich Orchester und Dirigent Christian Warth zusammen mit den Solisten Patrick Kindle (Posaune), Gerda Baum (Saxofon), Kathrin Ehret (Klarinette) und Clemens Tränkle (Trompete) mit dem Beitrag "Swinging Badnerland" – einer etwas außergewöhnlichen Interpretation von "Hoch Badnerland", "Die Mühle im Schwarzwälder Tal" und "Im Schwarzwaldtal" – vom dankbaren Publikum verabschieden, das das Orchester allerdings erst nach den Zugaben "We are the World" und dem "Hoch- und Deutschmeister-Regimentsmarsch" in den wohlverdienten Feierabend entließ.