Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. Juni 2009

Wie Zehnjährige in Indien leben

"Wasser ist Leben": Die Gundelfingerin Inge Dännart und BZ-Redakteurin Frauke Wolter berichten vom Leben der Kinder in Indien.

GUNDELFINGEN. Mitglieder des Gundelfinger Vereins für Indienhilfe "Wasser ist Leben" waren am Dienstag bei den Zweit-, Dritt- und Viertklässlern der Johann-Peter-Hebel-Grundschule in Gundelfingen. Frauke Wolter und Inge Dännart stellten die Arbeit des Vereins in Indien vor. Damit schloss sich ein weiteres Mal der Kreis, denn die Idee, ein in der Nähe der indischen Metropole Mumbai gelegenes Kinderdorf zu unterstützen, war vor Jahren in der Schule selbst entstanden.

Einen Raunen geht durch den Saal, als das erste Foto erscheint: Es zeigt eine Straße in einem indischen Vorort. Inge Dännart hat, um die Eindrücke rund um das Dorf Naya Jeevan in der Nähe von Mumbai zu vermitteln, eine ganze Reihe von Fotos mitgebracht. Über den Videobeamer in der Aula der Hebel-Schule können sie vergrößert auf der weißen Projektionsfläche betrachtet werden.

Die Schülerinnen und Schüler der zweiten Klasse sind sichtlich beeindruckt von den Schnappschüssen, die ihnen das Leben der gleichaltrigen Kinder in Indien näher bringen sollen. Die Fotos zeigen Menschen, wie sie ihren alltäglichen Geschäften nachgehen, wie sie Wäsche in einem Fluss waschen, wie sie zur Arbeit gehen, wie sie in den überfüllten Vororten der großen Städte leben.

Werbung


Schmunzeln und lachen ruft unter den Schülern das Bild einer Kuh hervor, die mitten auf der Straße liegt. Inge Dännart erklärt den Kindern das Phänomen der in Indien heiligen Kuh, dass sie verehrt wird und dass, wenn sie im Weg ist, ihr alle ausweichen.

Mit besonderer Aufmerksamkeit werden die Bilder vom Kinderdorf betrachtet. In Naya Jeevan wurden vier Häuser eingerichtet, die insgesamt 350 Mädchen Platz bieten, die aus Leprakolonien in Indien kommen. "Haben die Mädchen Schmerzen?" möchte eine Schülerin wissen.

Die Frage zeigt, wie sehr die Gundelfinger Schüler von dem Schicksal der Gleichaltrigen in Indien berührt sind. Auf weiteren Fotos können sie sehen, wie die Mädchen in den Häusern leben, zu essen bekommen, Wäsche waschen und zur Schule gehen. Dass die Spenden, die die Schüler in ihrer Schule sammeln, den indischen Kindern unmittelbar zugute kommen, können die Gundelfinger Schüler auf den Bildern des AIDS-Hospiz des Dorfes betrachten.

Zu sehen sind Mitglieder des Vereins, wie sie an die Kinder Kleidung und Obst verteilen. "Die Geschenke konnten wir mit den 300 Euro kaufen, die letztes Jahr mit dem Schüler-Musical hier an der Grundschule eingespielt wurden", erklärt Dännart.

Konrektor Wolfgang Gierschner spricht im Anschluss an die Präsentation Ider Fotos Inge Dännart seinen Dank aus und macht die Kinder darauf aufmerksam, wie schon ganz kleine Aktionen viel bewirken können.

Für die große Pause ist ein Kuchenverkauf der vierten Klasse geplant. Der Erlös soll dem Kinderdorf in Indien zugutekommen.

Gierschner zeigt sich über das gesamte Projekt sehr zufrieden. "Hier ist die Hilfe zur Selbsthilfe wirklich geglückt", erklärt der Pädagoge später. "Es sind wirkliche Verbesserungen über einen längeren Zeitraum da, das Projekt ist also sehr nachhaltig." Nachdem die Idee zur Indienhilfe in der Schule entstanden war, haben sich weitere Träger und Vereine angeschlossen, wie zum Beispiel die christlichen Gemeinden in Gundelfingen oder die Badische Zeitung. Eine eigene Stiftung wurde gestern gegründet.

Autor: Axel Dröber