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22. Januar 2009 18:55 Uhr

Die wirtschaftliche Lage in Südbaden

Zwischen Auftragseinbruch und neuen Jobs

Wie steht es um die Industrie in Südbaden? Die Messe i+e des Wirtschaftsverbandes Industrieller Unternehmen Baden gibt ein sehr differenziertes Bild.

  1. Präzision und High-Tech: Kennzeichen der auf der i+e ausgestellten Produkte. Foto: Ingo Schneider

  2. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Foto: ddp

FREIBURG. Alle reden von Krise. Doch ein kleiner Fleck im Südwesten der Republik scheint zumindest von dem größten Wirtschaftseinbruch in der Nachkriegsgeschichte unberührt. Die Messe i+e, das Schaufenster des industriellen Mittelstandes in Südbaden, verzeichnet einen neuen Rekord. Noch nie hatten die 356 Aussteller in Freiburg so viel Fläche gebucht. Ein Schwerpunkt der Veranstaltung: Wie gewinne ich gute Fachkräfte?

Das klingt in Zeit, in denen die Bundesregierung von einer halben Million mehr Arbeitslosen ausgeht, merkwürdig. Der anscheinende Widerspruch löst sich jedoch bei einem Gang über die Messe des Wirtschaftsverbandes Industrieller Unternehmen Baden (WVIB) rasch auf. Von der Krise sind einzelne Wirtschaftszweige unterschiedlich betroffen.

AUTOZULIEFERER STECKEN IN DER KRISE

Clemens Weick, der in Titisee-Neustadt Unternehmen bei der Suche nach Führungskräften berät, teilt die Wirtschaft angesichts des Einbruchs der Konjunktur in drei Lager ein. Zum einen in den Bereich, der mit Autos oder Lastwagen zusammenhängt. "Hier ist die Lage wirklich schlecht", sagt er. Manche Zulieferer hatten im Dezember einen Umsatzeinbruch zwischen 30 und 70 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnet. Für den Januar sei ähnliches zu erwarten. Die Folge: "Es wird über Sozialpläne und Entlassungen geredet." Ein schnelles Ende der Schwierigkeiten sieht Weick nicht. "Es gibt große Lagerbestände, die müssten zuerst einmal abgebaut werden. "

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Im zweiten Lager befänden sich Maschinenbauer und Elektrotechnikunternehmen. "Hier herrscht Vorsicht", sagt der Unternehmensberater. Angesichts der Unsicherheit würden Neuinvestitionen oder die Schaffung neuer Arbeitsplätze zuerst einmal zurückgestellt.

SOLARANLAGEN LIEGEN WEITERHIN IM TREND

Im dritten Lager tummelten sich Vertreter der Energie-, Pharma- und Medizintechnikbranche. Hier könne von Krise nicht gesprochen werden – eher vom Gegenteil.

Andreas Ege, Geschäftsführer des Freiburger Elektro-Großhändlers Alexander Bürkle, hat ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. So rechnet er in diesem Jahr im Industriegeschäft mit keinem Wachstum. Von Seiten des Handwerks und der Solaranlagen-Installateure sei die Nachfrage aber ungebrochen hoch. Auch vom stabilen privaten Konsum profitiert Alexander Bürkle, da das Unternehmen regionale Hifi- und Fernsehhändler beliefert.

Der Industrieversicherungsmakler Südvers in Au hat die Schwierigkeiten mancher Unternehmen schon zu spüren bekommen: "Es gab Insolvenzen im Kundenstamm", sagt Kim-André Vives. Außerdem würde gespart. Dabei sei auch der Versicherungsschutz Thema.

WALTER WARNT VOR PROTEKTIONISMUS

Auf die Frage, wie es mit der Wirtschaft weitergeht, antwortete zum Messeauftakt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter. Grund zu Optimismus gab der Ökonom allerdings nicht. Walter, der mit einem Schrumpfen der deutschen Wirtschaft um bis zu vier Prozent rechnet, sprach "von zwei extrem schwierigen Jahren, die vor uns liegen". Die in den westlichen Industrienationen geschnürten Konjunkturpakete lobte der Volkswirt. Ihn habe es überrascht, dass sich die Regierung in Berlin so handlungsfähig gezeigt habe. Gleichzeitig warnte er vor Protektionismus. Wer versuche die eigene Industrie mit Handelsbeschränkungen zu schützen, laufe Gefahr, den Ast, auf dem man sitze, abzusägen. Den mittelständischen Unternehmern empfahl er, ihre Positionen auf den ausländischen Märkten auszubauen. "Niemand hat so von der Globalisierung profitiert wie die Bundesrepublik".

LOB FÜR FREIBURGS OBERBÜRGERMEISTER

Eine Formel zur Rettung der taumelnden Bankbranche hatte Walter nicht parat. Auf die Frage, wie das Finanzwesen rasch wieder auf sichere Beine gestellt werden könnte, sagte er: "Ich weiß es nicht." Auf jeden Fall werde sich die Finanzbranche stark verändern. Die Banken würden in Zukunft mit einfacheren Produkten arbeiten, mehr Eigenkapital vorhalten und sich strikteren Regulierungen unterwerfen müssen.

Lob vom neuen WVIB-Präsidenten Klaus Endress erntete bei der i+e Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon. "Hätten sie vor einigen Jahren nicht den Erweiterungsbau der Messe beschlossen, wäre das Messegelände heute für die i+e zu klein", sagte Endress.

Autor: Bernd Kramer