Erleichterung für Pfandsammler

10 Offenburger Mülltonnen haben jetzt Pfandringe

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Do, 16. August 2018 um 12:58 Uhr

Offenburg

Längst gehören sie auch in Offenburg zum alltäglichen Bild: Menschen, die in den Abfalleimern nach Pfandflaschen wühlen. Damit sie sich dabei nicht verletzen, wurden jetzt zehn Pfandringe installiert.

Erfunden hat den Pfandring der Kölner Designer Paul Ketz vor rund sechs Jahren: Ihm fiel auf, dass Menschen Wertstoffe in Form von Pfandflaschen- und dosen schlicht aus Bequemlichkeit wegwerfen. Auf der anderen Seite gebe es eine Vielzahl von Menschen, die aus verschiedenen Hintergründen auf das Pfand-Sammeln angewiesen seien und sich damit ein Zubrot verdienten. "Sie müssen oft unwürdig im Müll nach den Flaschen suchen", so Ketz.



"Ein dreistelliger Millionenbetrag an Pfand wird in Deutschland jedes Jahr nicht zurückgebracht",Paul Ketz, Pfandring-Erfinder
Den Designer, Jahrgang 1988, störte nicht nur, dass Menschen im Abfall wühlen müssen – mitunter auch zwischen Speiseresten, Hundekottüten oder Spritzen. Er kritisiert auch, dass Wertstoffe dem Kreislauf entzogen werden und letztlich in der Müllverbrennung verloren gehen. "Ein dreistelliger Millionenbetrag an Pfand wird in Deutschland jedes Jahr nicht zurückgebracht", erklärt Ketz gegenüber der BZ.

In Offenburg wird das Modell "Banana" eingesetzt

An diesem Mittwoch nun haben die Technischen Betriebe Offenburg eine Versuchsphase mit zunächst zehn Pfandringen an städtischen Abfalleimern gestartet. Während in anderen Städten rings um die Behälter laufende Ringe gewählt wurden, kommt in Offenburg das einfachere Modell "Banana" zum Zug, für das Ketz ebenfalls die Rechte hat – wie auch für den Begriff Pfandring. Es passt maßgeschneidert auf die grauen städtischen Abfalleimer und fasst bis zu sechs Pfandflaschen oder -dosen.

Der finanzielle Aufwand ist überschaubar – rund 50 Euro pro Ring wurden laut Raphael Lehmann, Geschäftsleiter Technische Dienste bei den TBO, investiert. Montiert wurden sie durch Betriebsschlosser Klaus Schillinger. Grundsätzlich könnten die TBO die Ringe auch selbst fertigen – doch fehlte dann die nötige Zertifizierung.

Im Ring befanden sich bereits Becher auf denen kein Pfand ist

Nun wird die Offenburger Stadtreinigung beobachten, ob und wie die Pfandflaschenringe angenommen werden und welchen Zusatzaufwand sie verursachen. Wenn die Resonanz positiv ist, soll das Konzept auf weitere Mülleimer im Stadtgebiet ausgeweitet werden, zum Beispiel auch im Bereich des Gifizsees.

Schon kurz nach der ersten Montage fand sich, wie die TBO-Mitarbeiter feststellen mussten, im Ring ein Coffee-to-go-Becher, der dort natürlich nichts zu suchen hat. Nun wird es spannend, wie in Offenburg das Angebot ankommt – bei den Entsorgern von Pfandflaschen ebenso wie bei den Sammlern.

"Ein voller Flop", Stadtsprecherin Karlsruhe
Bundesweit gibt es bereits reichlich Erfahrung mit Pfandringen – und nicht nur positive. In Karlsruhe, wo im Juni 2014 zunächst zwei Ringe für je 350 Euro an Abfalleimern am zentralen und sehr belebten Friedrichsplatz installiert wurden, sagt eine Stadtsprecherin: "Ein voller Flop." Es habe weder beobachtet werden können, dass die Ringe genutzt werden, noch sei eine Ausweitung Thema: "Wir sehen das nicht als erfolgreich an."

Der Stadt Köln dauert das Entleeren der Abfalleimer zu lange

Ausgerechnet in der Heimatstadt ihres Erfinders, in Köln, wurde ein Pilotprojekt nicht verlängert. Ein Gutachten des durch das Institut für Abfall, Abwasser und Infrastrukturmanagement hatte zum Fazit geführt: Das Entleeren der Abfalleimer durch die Abfallwirtschaft dauere rund 30 Prozent länger, im Umfeld komme es zu Verschmutzungen, zudem könnten Defekte an den Ringen eine Verletzungsgefahr mit sich bringen.

Designer Ketz hält dies an den Haaren herbeigezogen und vermutet dahinter den bekannten "Kölner Klüngel". So sei versucht worden, ein Konkurrenzprodukt zu installieren, das allerdings schlecht gemacht gewesen sei. Und die um 30 Prozent längere Zeit fürs Leeren der Eimer sei nur entstanden, weil die Ringe dafür unnötigerweise abgeschraubt wurden: "Absurd", sagt Ketz. Für ihn sei das "deprimierend".

Bundesweit dagegen komme der Pfandring aktuell besser an als je zuvor: "Ich habe im ersten Halbjahr 2018 mehr als 600 Pfandringe produziert – das sind doppelt so viele wie in den ganzen sechs Jahren davor", sagt Paul Ketz. Die Bestellungen, die er in einer metallverarbeitenden Firma ausführen lasse, kämen aus der ganzen Republik – eben erst aus Starnberg, Gelsenkirchen, Chemnitz und Kiel. Die Tendenz sei weiter steigend.