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17. Januar 2009
16 Kräuter für den Maidli-Palmen
Gesa Muser aus Pfaffenweiler erhielt die Ehrennadel des Arbeitskreises Alemannische Heimat / Pflege des Kräutergartens.
PFAFFENWEILER. Wenn Gesa Muser Tee macht, kocht sie Wasser und geht in ihren Garten. Denn dort wachsen herrlich duftende Kräuter, wie gemacht für ein aromatisches Heißgetränk. Natürlich nur im Sommer, im Winter greift Muser auf die getrocknete Variante zurück. 16 Kräuter, allerdings ganz bestimmte, haben ihr die Ehrennadel des Arbeitskreises Alemannische Heimat eingebracht.
"Ich war nur die Quotenfrau, glaube ich", sagt Gesa Muser gleich zu Beginn des Gesprächs. Die pensionierte Lehrerin, die seit 1973 mit ihrer Familie in Pfaffenweiler lebt, erklärt, wie sie das meint: Neben ihr seien nur Männer geehrt worden. Sie habe aber nicht so viel geleistet wie die anderen Geehrten, meint Muser, zumindest nicht für die Heimatpflege. Ein Vereinsvorsitzender trage sehr viel mehr Verantwortung, "das weiß ich", sagt die 73-Jährige. Ob da was dran sein kann?Gesa Muser wurde für ihre Verdienste um den Kräutergarten neben dem Rathaus in Pfaffenweiler ausgezeichnet, den sie seit gut zehn Jahren mit anderen Landfrauen aus dem Ort pflegt. Muser war schon an der Entstehung beteiligt. Der Garten sei 1998 auf Vorschlag des damaligen Bürgermeisters Fritz Gutgsell und der obersten Landfrau Luise Blattmann angelegt worden, erzählt sie. Weil er als Ergänzung zum historischen Rebgrundstück gedacht war, "wollten sie ihn auch erst da hinten anlegen. Ich habe aber gesagt, das hat keinen Sinn. Der Boden dort passt nicht für Kräuter." Also kam er mitten in den Ort.
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Mittelpunkt des Gärtchens sollten die 16 Kräuter für den Maidli-Palmen sein. "Es heißt der Maidli-Palme", betont Gesa Muser. Gemeint seien die Kräuterbuschen, die zu Maria Himmelfahrt in der Kirche geweiht werden. Muser holt weiter aus: An Palmsonntag brächten Buben, die noch nicht zur Schule gehen, einen riesigen Palmen in die Kirche. "Manche sind fünf oder sechs Meter hoch", schildert Muser. Dieser Buben-Palme sei mit vielen Papierrosen geschmückt. "Die machen die Mütter für ihre Söhne", so Muser. Das Gegenstück zu den geschälten und geschmückten Tannenstämmen seien die Kräuterbüschel der Mädchen, der Maidli-Palmen.
Die Mädchen gehen dafür zusammen mit ihren Müttern Kräuter sammeln. Welche, das wurde früher von Generation zu Generation weitergegeben. "Ich bin mit Frauen aus dem Dorf, die das noch kannten, sammeln gegangen und habe mir die Kräuter zeigen lassen", erzählt Gesa Muser. Denn im Volksmund heißen die aromatischen Pflanzen vielfach anders als unter Botanikern. Die Krauseminze etwa wird Fünffingerlekraut genannt. Die Osterluzei heißt in Pfaffenweiler Eschterlezehchrut, der Rainfarn "Belleli" und die Melisse "Herzkraut".
"Ganz lange gesucht haben wir nach dem Jacobikraut", berichtet Muser. Mit "wir" meint sie den Gemeindearchivar Edmund Weeger, der mit auf Namenjagd gegangen ist und den Brauch der Buben- und Maidlipalmen in seiner Ortschronik beschreibt, und Anna Ketterer. "Sie hat sich auch sehr darum bemüht, dass der Brauch erhalten bleibt", sagt Muser. Alle 16 Kräuter, die in einen Maidli-Palmen gehören, wachsen im Pfaffenweilermer Kräutergarten. Die Samen mussten Muser und ihre Mitstreiterinnen teilweise bei Händlern bestellen.
Der wichtigste Bestandteil – für Muser "das Nonplusultra" – ist das Tausendgüldenkraut. Ausgerechnet diese rosa blühende Pflanze macht der Hobby-Gärtnerin aber Sorgen. Das Kraut stehe unter Naturschutz, werde aber trotzdem gesammelt, weil die Maidli-Palmen inzwischen zu einem Geschäft geworden seien, bedauert Muser. Traditionell verschenkten Mädchen ihre geweihten Kräutersträuße an ihre Paten oder Nachbarn. "Das ist Brauchtum und da ist auch eine tiefe Gläubigkeit dahinter", weiß Gesa Muser. Die Kräutersträuße sollten Schutz spenden und wurden deshalb unter dem Dachfirst aufgehängt. Oder Frauen gaben sie, wenn es ihnen nicht gut ging, ins Badewasser. Denn alle Pflanzen des Maidli-Palmen haben mit dem weiblichen Organismus zu tun, das habe die Apothekerin Ursula Sütterle festgestellt, sagt Muser.
Wer einen Maidli-Palmen geschenkt bekam, gab meist etwas Geld dafür. Deshalb wollten manche Mädchen möglichst viele Palmen unter die Leute bringen, so Muser. Sie habe mittlerweile Schwierigkeiten, Samen des Tausendgüldenkrautes zu finden. Im Kräutergarten wächst das Kraut zwar, aber dort sei es zu sonnig und trocken. Nicht optimal für das Tausendgüldenkraut. Im Garten wachsen aber nicht nur Zutaten für den Maidli-Palmen, sondern auch Küchen- und Heilkräuter. Insgesamt 63 Sorten. Ihre Ehrennadel trägt Gesa Muser, die früher auch stellvertretende Vorsitzende der Landfrauen war, übrigens an ihrem Wintermantel.
Autor: Barbara Schmidt
