20 Jahre für den Abriss des AKW

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 04. März 2018

Elsass

Der Sonntag Fessenheim: Der Betreiber EdF nennt erstmals einen Zeitplan für den Rückbau.

Die Schritte zum Abschalten und zur Demontage der beiden Kernreaktoren in Fessenheim werden konkreter. Am Donnerstag präsentierte der Betreiber, die Electricité de France, erstmals einen Zeitplan. Demnach soll das AKW Ende des Jahres abgeschaltet werden. Anschließend wird in einer fünfjährigen Phase der Abriss vorbereitet, in der unter anderem die Brennelemente entnommen werden. Die eigentliche Demontage soll 15 Jahre in Anspruch nehmen. In 20 Jahren wäre das 1977 in Betrieb genommene Atomkraftwerk dann verschwunden.

Weiterhin Voraussetzung für die Stilllegung des ältesten Atommeilers Frankreichs ist die Inbetriebnahme des Europäischen Druckwasserreaktors in Flamanville am Ärmelkanal. Dessen Fertigstellung war ursprünglich für das Jahr 2012 geplant, sie musste wegen technischer Probleme aber immer wieder verschoben werden. Zuletzt gab es Ärger wegen Rissen im Stahl. Vergangenen Oktober hat die französische Atomaufsichtsbehörde ASN die Inbetriebnahme aber genehmigt.

Bis zur Stilllegung will die EdF allerdings mit maximaler Leistung Strom produzieren. So soll Reaktorblock zwei nach fast zwei Jahren wieder hochgefahren werden. Die ASN hatte der EdF wegen Sicherheitsproblemen die Betriebserlaubnis entzogen. Statt durchschnittlich 10 Milliarden Kilowattstunden lieferte Fessenheim deshalb im vergangenen Jahr nur 5,8 Milliarden Kilowattstunden.

Die Stilllegung hat für Fessenheim und das Elsass Auswirkungen. Von den derzeit 757 Beschäftigten werden nach zwei Jahren nur noch 331 benötigt, zu Beginn der Abrissphase sogar nur noch 60. Die EdF will jedoch alle Mitarbeiter an anderen Standorten weiter beschäftigen. Allerdings werden die Auswirkungen auch für den Einzelhandel und für die als Subunternehmer beauftragten Handwerker spürbar sein. Die EdF schätzt dass dadurch weitere 330 Beschäftigte betroffen sind. Zudem fehlen der Region künftig Steuereinnahmen von 13,6 Millionen Euro. Fessenheims Bürgermeister Claude Brender würde es am liebsten sehen, wenn die beiden Reaktoren bis 2021 beziehungsweise bis 2023 weiterlaufen. Dann erlischt ihre Betriebsgenehmigung.

Die französische Regierung weiß um den Widerstand in der Region und hat unter anderem Anstrengungen zur Ansiedlung eines Gewerbeparks bei Fessenheim angekündigt. Dazu sucht Paris die Zusammenarbeit mit der deutschen Seite. Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer hat zum Ende des Monats Vertreter der Industrie und Handelskammer, des Wirtschaftsverbandes WVIB, der Universität und andere zu einer Bündelung der Ideen eingeladen, wie Klaus Schüle von der Stabsstelle für grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Regierungspräsidium mitteilt. Auch der direkte Austausch mit Vertretern des Elsass sei in Gang gekommen, sagt Schüle. Am Donnerstag hat sich eine von fünf Arbeitsgruppen zum Thema Infrastruktur nach der AKW-Abschaltung getroffen. Darin geht es um die Voraussetzungen für einen grenzüberschreitenden Gewerbepark. Nicht nur der Ort muss festgelegt werden, es geht auch darum, ob deutsches oder französisches Arbeitsrecht gelten soll. "Die französische Seite geht sehr offen in die Gespräche", sagt Schüle. Das zweite große Projekt ist die Wiederinbetriebnahme der Eisenbahnstrecke zwischen Colmar und Breisach. Zum Besuch des französischen Staatssekretärs Sébastian Lecornu am 13. April in Fessenheim wollen die Arbeitsgruppen Ergebnisse präsentieren.klaus Riexinger