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21. August 2009

218 Gebäude sind von Rissen betroffen

Die Erkundungsbohrungen in der Fauststadt erreichen 150 Meter Tiefe

  1. Die Erkundungsbohrungen werden im rückwärtigen Bereich des Rathauses vorgenommen. Foto: Susanne Müller

STAUFEN. Außerordentlich dankbar sei die Stadt Staufen der Landesregierung für ihre Zusage, sich finanziell an der Schadensbehebung zu beteiligen, betonte Bürgermeister Michael Benitz gestern noch einmal ausdrücklich in der monatlichen Pressekonferenz. "Wir sind zuversichtlich, dass wir diese schwierige Situation zusammen mit dem Land Baden-Württemberg meistern werden."

Von der Rissbildung betroffen sind zwischenzeitlich sieben städtische und 211 private Gebäude. Ein Ende der Quellvorgänge sei noch nicht in Sicht; 18 Zentimeter beträgt die höchste Hebungsrate. Die Stadt gebe ständig Reparaturarbeiten in Auftrag, um die Sicherheit der Gebäude zu gewährleisten, berichtete Benitz. Weitere statische Untersuchungen werden insbesondere im Historischen Rathaus und im Ratscafé, wo die Untergrundbewegungen an der gemeinsamen Wand zerren, erforderlich werden.

Die Erkundungsbohrung habe zwischenzeitllich die Endteufe von 150 Metern erreicht, sei also unterhalb der Gipslage angekommen, gab Clemens Ruch vom Regierungspräsidium bekannt. Jetzt soll das Grundwasser in diesem Bereich abgepumpt werden, um zu verhindern, dass es in die höhere Schichten, wo die Quellvorgänge verursacht werden, eindringt. Um einen sicheren Pumpbetrieb zu ermöglichen und das gesamte Gipsgebirge abzuschotten, werde derzeit ein viertes Sperrrohr eingebaut, "was höchste handwerkliche Fertigkeit erfordert", wie Ruch betonte.

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Neben dem Abpumpen gehe es weiterhin darum, in die Plastikschläuche, die in den Erdwärmelöchern verlaufen, Öffnungen zu brennen und über diese Zement nach unten zu befördern. So sollen die undichten Stellen an den Bohrlöchern geschlossen werden. "Abpumpen und abdichten – beide Maßnahmen zusammen haben die größten Erfolgsaussichten", so Fachingenieur Robert Breder. Die Perforierung der Erdwärmesondenschläuche im Labor sei erfolgreich gewesen, jetzt werde das Verfahren in einem weiteren Versuch in einem Bergwerkschacht im Kienzigtal getestet. Wenn auch diese Versuche erfolgreich verlaufen, erfolge der Einsatz in den Erdwärmesonden.

Die zufällig durchbohrte Erdwärmesonde fünf – ein Glücksfall, wie die Fachleute betonen – wurde bereits nach unten und oben abgedichtet, das Abdichtungsmaterial zur Analyse in ein Labor der Uni Karlsruhe geliefert. Jetzt wird auf das Ergebnis gewartet.

Autor: Ute Wehrle