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14. Januar 2010 18:25 Uhr
Parteijubiläum
30 Jahre Grüne – aber kaum Mitglieder im Schwarzwald
Die Grünen feiern ihren 30. Geburtstag – als eine Partei, die längst etabliert ist. Doch es gibt auch Gegenden, in denen kaum jemand mitfeiert. In den Schwarzwaldtälern rund um St. Blasien haben sie kaum noch Mitglieder.
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Zartes Pflänzchen: Die wenigen Grünen in der Region hoffen auf Dünger und Blüten. Foto: Tinka - Fotolia
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Gerhard Eckstein. Foto: Kathrin Blum
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Das waren noch Zeiten: Joschka Fischer bei seiner Vereidigung als Umweltminister 1985. Foto: dpa
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Bündnis 90 – heute gehört es zum offiziellen Parteinamen dazu. Foto: ddp
ST. BLASIEN UND UMLAND. In der Domstadt haben die Grünen nur ein einziges Mitglied, genauso in Dachsberg. Das verrät der Ortsverband Hotzenwald. In den anderen umliegenden Gemeinden sucht man sogar vergeblich nach Grünen. Doch die Einzelkämpfer sind optimistisch – und suchen weiter nach Mitstreitern.
Gerhard Eckstein kam erst vor wenigen Monaten nach St. Blasien – und das vor allem aus beruflichen Gründen. Der 62-jährige Psychologe gesteht: "Mir war bis heute nicht klar, dass ich hier keine Mitstreiter habe." Über diese Information muss er laut lachen. Von den St. Blasiern gab es auf Ecksteins politische Position bisher keine Reaktionen. "Wahrscheinlich, weil mich hier nicht viele kennen und nicht wissen, dass ich ein Mitglied der Grünen Partei bin", glaubt er.
Als Grüner bekannt ist hingegen Oliver Dahm. Der Dachsberger kandidierte für seine Partei bei der Kreistagswahl im vergangenen Sommer. Zwar gab es zwei weitere Kandidaten aus seiner Gemeinde auf derselben Liste – beide haben aber kein Parteibuch. "Ich habe schon immer grün gewählt und deshalb eines Tages beschlossen, der Partei beizutreten", erklärt der 47-Jährige. "Angegangen wurde ich deshalb noch nie, aber ich kann mir schon vorstellen, dass hintenrum geredet wird." Und wenn schon: Für Oliver Dahm spielt das keine Rolle. Gerne würde er die Grünen im Dachsberger Gemeinderat vertreten, im vergangenen Jahr hat er es aber nicht geschafft, eine Liste aufzustellen, doch Oliver Dahm will weiterkämpfen: "Bis zur nächsten Kommunalwahl werde ich weitere Mitstreiter suchen, dann klappt das bestimmt."
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STIMMANTEIL: DURCHWEG ZWEISTELLIG
Daran glaubt auch Bernd Wallaschek, Kreisgeschäftsführer der Grünen und Gründungsmitglied des Hotzenwälder Grünen-Ortsverbandes. "Auf dem Dachsberg sehe ich viel Potenzial, da wird auch grün gewählt", erklärt er. Bei der Bundestagswahl im Herbst bekamen die Grünen 14,7 Prozent der Zweitstimmen in Dachsberg. In Bernau und Häusern schafften sie es immerhin auf etwas mehr als 12 Prozent, in St. Blasien gaben 10,5 Prozent der Wähler den Grünen ihre Stimme. Bernd Wallaschek glaubt, dass sich viele nicht offen zu den Grünen bekennen, weil die anderen Parteien und Vereinigungen so stark sind. Als weiteren Grund nennt er das Fehlen einer ganz bestimmten Schicht: Die Intellektuellen zwischen 20 und 30. Die sind zum Studieren weg und engagieren sich selten politisch in den Ortsverbänden ihrer Heimatgemeinden.
Seine Vermutung bestätigt Astrid Carrapatoso. Die Politikwissenschaftlerin arbeitet als Assistentin an der Universität Freiburg. "Viele junge Menschen gehen in die Städte. Jene, die bleiben, sind meist in klassische Familienstrukturen und Traditionen eingebunden und damit eher das Klientel der Christdemokraten", erklärt sie. Viele Schwarzwälder seien immer noch stark christlich geprägt und damit eher konservativen politischen Werten verhaftet. Daran werde sich auch langfristig vermutlich wenig ändern, glaubt Carrapatoso. Diesen Blick in die Zukunft erklärt sie so: "Wir beobachten, dass immer mehr Menschen aus kleinen Schwarzwaldgemeinden wegziehen und es außerdem auch immer weniger Parteienmitglieder gibt." Außerdem betont sie: "Umweltschutz steht mittlerweile auf jeder politischen Agenda, dafür braucht man kein Grüner zu sein."
Darüber freut sich Kreisgeschäftsführer Bernd Wallaschek: "Unsere grünen Ideen haben es längst in schwarze Kreise geschafft." Auch Gerhard Eckstein ist darauf stolz. Als die Grünen vor 30 Jahren aus der Taufe gehoben wurden, hätte er es nicht für möglich gehalten, dass so viele der grünen Ideen mehrheitsfähig werden. Als Beispiel nennt er den Wunsch vieler, die Kernkraftwerke abzuschalten. Der Wahl-St. Blasier bezeichnet sich nicht als fanatischen Grünen, aber als einen, der hinter vielen Forderungen und Vorschlägen seiner Partei steht – längst aber nicht hinter allen. Als therapeutischer Leiter des Schluchseer Glöcklehofes weiß er um die Folgen der Drogensucht, und lehnt deshalb beispielsweise die Legalisierung von Haschisch ab.
Nach einigen Jahren bei den Freiburger Grünen fühlt sich Eckstein heute auch im Hotzenwälder Ortsverband wohl. "Die direkte Betroffenheit und das daraus hervorgehende Engagement für Natur und Umwelt finde ich sehr sympathisch." Über Mitstreiter in der Domstadt würde sich Eckstein freuen, denn er findet, dass ein bisschen mehr Farbe in St. Blasien nicht schaden könnte – auch in politischer Hinsicht. Vielleicht seien die Menschen in St. Blasien ja auch sehr zufrieden mit ihrer Gemeinde und den Lebensbedingungen, deshalb bräuchte es keine Andersdenkenden. Ein bisschen bedauert er, sich nicht kommunalpolitisch engagiert zu haben in den vergangenen Jahren. "Und jetzt bin ich zu alt", meint er schmunzelnd. Sollte er seinen Ruhestand in St. Blasien verbringen, hat er aber fest vor, für die und in der Stadt etwas zu tun – und vielleicht auch die eine oder andere grüne Idee vor- und voranzubringen.
Das möchte auch Oliver Dahm in Dachsberg. Dort wird sich die Zahl der Mitglieder übrigens bald schon verdoppeln: Oliver Dahms Frau Cornelia plant gerade ihren Beitritt zu den Grünen.
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Autor: Kathrin Blum


