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27. Januar 2010 07:31 Uhr
Stadtverwaltung
400 Waffen sind bereits verschrottet
Emmendingen hat Konsequenzen aus dem Amoklauf von Winnenden und der Verschärfung des Waffenrechts gezogen. Folge: Der Waffenbestand in der Stadt wird kleiner und kleiner.
EMMENDINGEN. Als einen beachtlichen Erfolg stufte Oberbürgermeister Stefan Schlatterer die Schritte ein, die Emmendingen seit den Vorkommnissen von Winnenden gegangen ist: Waren es vorher rund 1400 Waffen gewesen, so sind es derzeit noch 1163, wie Uwe Ehrhardt, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, dem Gemeinderat in öffentlicher Sitzung am Dienstagabend berichtete. Die Kontrollen werden fortgesetzt.
Im Sommer 2009 war das Waffenrecht verschärft worden. Aber bereits im März hatte die Stadtverwaltung die 580 Bürger angeschrieben, die eine Waffenbesitzkarte hatten, um sie für das Thema "sichere Aufbewahrung" zu sensibilisieren. So wurde nicht nur gefragt, wie die Waffen aufbewahrt werden, sondern auch Nachweise dazu angefordert, beispielsweise die Quittung für den Tresor. "Die Preise für sichere Aufbewahrungssysteme sind durchaus angemessen, das beginnt bei etwa 160 Euro für Pistolenschränke und 200 für ein Gewehr", so Ehrhardt.BESITZER ZEIGEN EINSICHT
62 Waffenbesitzer sollten im November aufgesucht werden, wobei die Verwaltung sich diejenigen herausgepickt hatte, deren Antworten auf das städtische Schreiben einen Verstoß gegen die Aufbewahrungsbestimmungen erwarten ließ; 32 wurden angetroffen und 22 davon hatten ihre Waffen nicht sicher aufbewahrt, bilanzierte Ehrhardt. Diese Waffen wurden beschlagnahmt und sind mittlerweile entsorgt worden. Bemerkenswert: Selbst in den drei Fällen, in denen die Eigentümer zunächst einen Anwalt zugezogen hatten, zeigten sie schließlich Einsicht und verzichteten auf die Waffen, sagte der Fachbereichsleiter.
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Beratung, Entsorgung und Kontrolle waren die Arbeitsschritte. Wobei die erste Kontrolle kostenfrei ist; nur wenn die Stadt mehrfach kontrollieren muss oder Verstöße feststellt, werden die Waffenbesitzer zur Kasse gebeten, was die Stadträte Zahn (FWV) und Müller-Bütow (FDP) dazu veranlasste, darauf hinzuweisen, dass die Verursacher dieser Kosten auch dafür zahlen sollten.
."Wir wollten ein Problembewusstsein schaffen – viele Karteninhaber hatten es nicht", erklärte Ehrhardt die Intention der Stadtverwaltung. Es sei doch noch nie etwas passiert, hätten sie sich dann entschuldigt – doch das ist kein Argument bei Waffen im Kleiderschrank, im Nachttisch oder gar an der Wohnzimmerwand. Die Resonanz sei groß gewesen – und überwiegend positiv: "Viele wollten eine alte Waffe weggeben, wussten aber nicht, wie sie das anstellen sollen", erklärte Ehrhardt. Andere überschätzten den Wert von alten Waffen, die vielleicht noch der Opa angeschafft hatte. Wenn dann der Versuch scheiterte, jemanden zu finden, der diese Waffe legal erwerben durfte, stellte sich schnell heraus, dass es sich häufig nicht um einen Schatz handelte, sondern einfach um eine alte Waffe.
VIER GRÜNDE, EINE WAFFENBESITZKARTE ZU ERHALTEN
Generell gebe es vier Gründe, eine Waffenbesitzkarte zu erhalten: Sportschützen und Jäger können sie erhalten, vorausgesetzt, sie sind zuverlässig (haben sich also keien schweren Straftaten zuschulden kommen lassen), geeignet (Lehrgangsnachweis) und benötigen die Waffe für ihren Sport. Auch wer eine Waffe erbt, kann eine solche Karte bekommen, muss die Waffe dann aber verschließen lassen – mit einem Schloss, das er nicht öffnen kann. Und schließlich gibt es die Amnestiefälle aus der Zeit 1973 bis 1976, als Waffenbesitzer ihre Waffe ohne Rechtsfolgen oder -bedingungen einfach melden konnten. Wer nur eine Waffe haben wolle, weil er sich bedroht fühle, stoße heute auf sehr hohe Hürden, wie Ehrhardt erklärte –und auf den Rat der Polizei, lieber die Finger davon zu lassen: Die Erfahrung zeige nämlich, das vorhandene Waffen im Fall des Falles in der Regel gegen den Waffenbesitzer verwendet würden.
Rund 400 alte Waffen entgegenzunehmen (auch im Auftrag anderer Behörden, nach Umzügen – das erklärt die höhere Zahl), stellte die Stadtverwaltung auch vor ein logistisches Problem, denn alle mussten ja erst dokumentiert werden, bevor sie zur Landespolizeidirektion nach Umkirch gebracht wurden; dort wurden sie entsorgt. "Ein Waffenhandel hat bei uns nie stattgefunden", versicherte Ehrhardt; manche Waffenbesitzer hatten nämlich vermutet, dass die Stadt mit ihren Waffen Geld verdienen wolle und in anderen Kommunen sei das durchaus so, aber in Emmendingen nicht.
Oberbürgermeister Stefan Schlatterer
Zur Dunkelziffer könne er nichts sagen, so Ehrhardt in der Diskussion, in der es viel Lob für die als gründlich und besonnen zugleich eingeschätzte Aktion der Verwaltung gab. SPD-Stadträtin Marianne Wonnay betonte, dass die Waffenaufbewahrung ein Schlüssel bei der Vorbeugung sei. Sie lobte die Prävention an den Schulen, die die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit der Polizeidirektion auch für den Landkreis anbietet. Genaueres wollte Ehrhardt hier freilich nur in nichtöffentlicher Sitzung sagen, weil es dabei um Interna gehe, die beim Thema Amokprävention nicht in die Öffentlichkeit gehörten.
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Autor: Sylvia-Karina Jahn
