5000 Euro für die Weiler Nepal-Hilfe

Yvonne Siemann

Von Yvonne Siemann

Mo, 21. März 2016

Weil am Rhein

Benefizkonzert im Gewölbekeller des Alten Rathauses ausverkauft / Samosa-Teigtaschen und selbst gebrautes Bier.

WEIL AM RHEIN. "Musik für Nepal" – unter diesem Motto gab es am Samstag Jazzmusik vom Feinsten im Gewölbekeller des Alten Rathauses. Dieses Jahr kommt der Erlös des 11. Benefizkonzerts des Freundeskreises Haltingen dem Verein Om Shivom zugute. Schon vor Beginn zeigte sich, dass das Konzert einen festen Platz im Weiler Kulturleben hat: Der Gewölbekeller war ausverkauft. Manch einer, der an der Abendkasse auf Tickets gehofft hatte, musste wieder gehen.

Dass manche Zuhörer stehen mussten oder sich auf der Treppe zusammenquetschten, tat der Stimmung aber keinen Abbruch, und wie gewohnt schloss sich an das offizielle Programm gegen Mitternacht noch eine Jam-Session an.

Bossa Nova und Gänse auf der Haut

Mit Bossa Nova eröffnete Joel da Silva das Konzert. Der brasilianische Sänger, der schon als Vierzehnjähriger als Dirigent auf der Bühne stand, begeisterte das Publikum mit seiner mitreißenden Art, seiner Dynamik und seiner flexiblen, biegsamen Stimme in allen Registern in "Wave" und "Águas de Março". Begleitet wurde er dabei von Michael Feldges an der Gitarre. Kennengelernt haben sich die beiden über Feldges’ Schwester, die an seinem Workshop am Stimmen-Festival teilgenommen hat. Ihnen widmete er den Schlager "Unsterblich". Beinahe schauspielerische Einlagen zeigte er dann bei "O pato", der Geschichte einer singenden Ente. "Da gehen einem die Gänse über die Haut", kommentierte Feldges, der in Vertretung für den erkrankten Tonio Paßlick durch den Abend führte.

Auf ebenso hohem Niveau bewegt sich das Trio Bubble Dance, das verschiedene Stilrichtungen wie Bossa Nova, Latin Jazz oder Funk in Eigenkompositionen integriert. Schon seit vielen Jahren spielen Rainer Müller (Schlagzeug) und Reinhard Felber (Bass) zusammen. Neu dazu gestoßen ist Ferenc Marsal (Keyboard). Da wechselten sich getragene Stücke wie "Dreams for Sale" oder ein tolles Schlagzeugsolo in "Finger Drummer" ab mit einem tänzerischen "Bubble Dance" oder einem mitreißenden "Fastfood", das Anklänge an James Bond und Balkanpop zeigt. Marsal konnte bei den Melodieläufen im Latin-Jazz-Stück "Holiday Way" brillieren. Von ihm stammt auch das melodisch anspruchsvolle, eher getragene "Emlek", das geprägt ist durch seine Blue Notes und seinen perlenden Klang. Zum Abschluss gab es noch das sowohl fetzige als auch liedartig-getragene "Travelling", laut Müller ein "sehr verrücktes" Stück, das von seinen Rhythmusunterschieden, seinem hymnischen Beginn und seinen prägnanten Bassakkorden lebt.

Stimmgewaltiger Scat-Gesang

Mit einem beeindruckenden Soloprogramm trat der stimmgewaltige Thomas Achermann auf. Der Basler, der schon mit Bobby McFerrin gesungen hat, war sozusagen seine eigene Band. Bekannt geworden ist er durch seinen Scat-Gesang, ein improvisiertes Singen von Silbenfolgen, die lautmalerisch Instrumente nachahmen. Schließlich begleitete er sich mit Playback am Keyboard in "Maybe I’m Amazed", "The Wind Cries Mary" und "Infant Eyes". Feldges’ Fazit: "Wahnsinn, was man alles mit dem Mund machen kann!" Dazu gab das Multitalent Achermann noch Kostproben seines Saxophonspiels.

Zum krönenden Abschluss gab es noch fröhlich-mitreißenden Dixieland mit der bewährten Jazz Connection um Dieter Steininger (Trompete). Mit von der Partie waren natürlich auch Gerd Maier (Bass-Ukulele), Rainer Müller (Schlagzeug) und Bernd Argast (Klarinette). Dazu kamen Christian Leitherer (Saxophon), Ferenc Marsal (Keyboard) und Benny Geiger (Banjo). Sie spielten bekannte Jazzstandards wie "All of me", "Beale Street Blues", When You’re Smiling, "Creole Love Call", "Struttin with some Barbecue" und schließlich "Bei mir bistu shein". Viel Applaus gab’s für die Soloeinlagen.

Feldges dankte den vielen Privatpersonen und Institutionen, die zum Gelingen des Konzerts beitragen. Nepalesisches Flair brachten nicht nur Fotos von den Projekten, sondern auch der Chai-Tee oder die Schals. Die selbstgemachten Samosa-Teigtaschen waren schnell ausverkauft. Dazu gab’s von Feldges selbst gebrautes Bier "Roter Baron", dessen letzte Flasche für 100 Euro versteigert wurde.

Was Om Shivom in Nepal leistet

Dieter Pfaff, Präsident von Om Shivom, stellte den Zuhörern die Arbeit des 2009 gegründeten Vereins vor. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Bildung der Menschen vor Ort, um die Armut nachhaltig zu bekämpfen. Wurde anfänglich acht Patenkindern der Schulbesuch ermöglicht, gehen heute 140 Kinder in drei Schulen. Doch seit dem großen Erdbeben hat sich der Fokus verändert hin zur Nothilfe: Nach der Katastrophe brachte Om Shivom Nahrungsmittel und Zelte in die Region, und jetzt geht es darum, stabile Häuser zu bauen. Doch die Situation im Land ist weiterhin schwierig; es kommt zu Preissteigerungen und Warenknappheit. Zum Schluss des Konzerts konnte sich der Verein aber über einen vierstelligen Betrag um die 5000 Euro freuen.