Einbürgerungsfeier

529 Menschen werden in Freiburg zu deutschen Staatsbürgern

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Mo, 10. Dezember 2018

Freiburg

So viele Menschen aus insgesamt 82 Ländern haben sich in den vergangenen zwölf Monaten in der Stadt einbürgern lassen. Bei der Feier wurden zugleich drei Initiativen mit dem Freiburger Integrationspreis 2018 ausgezeichnet.

FREIBURG. Sie kommen aus Rumänien, Großbritannien, Malawi, Italien, Myanmar, Frankreich, aus insgesamt 82 verschiedenen Ländern: 529 Menschen haben in Freiburg in den vergangenen zwölf Monaten die deutsche Staatsbürgerschaft erworben. Gefeiert wurde das am Samstag bei einem heiteren und würdevollen Empfang im Historischen Kaufhaus. Zugleich wurden drei Initiativen mit dem Freiburger Integrationspreis 2018 ausgezeichnet.

Marianna Dutton lebt seit 33 Jahren in Deutschland. Liverpool ist schon lange nicht mehr ihre Heimat, das ist jetzt Freiburg. Aber erst in diesem Jahr ist sie deutsche Staatsbürgerin geworden: "Thank you, Brexit." Für die Einbürgerungsfeier hat sich die 60-jährige Psychotherapeutin ein Dirndl gekauft und einen kecken kleinen Bollenhut aufgesetzt – und setzt mit britischem Humor ein badisch-modisches Statement.

So wie Marianna Dutton sind viele andere Neu-Freiburgerinnen und -Freiburger zum Feiern gekommen. Chiara Razore etwa, die aus der Nähe von Genua kommt und in Freiburg studiert, die Hauswirtschafterin und Alltagsbegleiterin Leih Schultheis-Mekonnen aus Äthiopien oder Paola Gonzalez aus Kolumbien, die Alten- und Krankenpflegerin lernt. Es sei "ein bisschen schwer" gewesen, die kolumbianische Staatsbürgerschaft aufzugeben, sagt Gonzalez – und Deutsch lernen sei auch nicht ohne. "Was Sie gemacht haben, ist kein leichter Schritt, ist kein reiner Verwaltungsakt", hatte bereits Oberbürgermeister Martin Horn in seiner Ansprache gesagt. In Freiburg habe fast jeder Dritte einen Migrationshintergrund, und das sei gut so: "Freiburg braucht die vielfältigen Talente, die Sie mitbringen."

"Jeder von uns hat eine Möglichkeit, sich mit seinen Erfahrungen einzubringen", findet auch die Physikerin Helen Rose Wilson, die aus Freiburgs Partnerstadt Guildford kommt und, wie sie verrät, Integration zum ersten Mal in der Tuniberg-Trachtenkapelle in Tiengen erfahren hat.

Doch nicht nur die Neu-Freiburger werden gefeiert, die Stadt vergibt auch zum siebten Mal den Freiburger Integrationspreis. 23 Initiativen, Gruppen und Vereine hatten sich beworben, drei machten das Rennen.

"Wir stehen mit vollem Herzen dahinter"

Hauptpreisträger ist der 2014 gegründete Verein "Bildung für alle", der Geflüchteten Sprachkurse ermöglicht. Gründer Gerd Schneider suchte für seine Möbelmanufaktur einen Werkstatthelfer, fand auch einen jungen Mann aus Gambia, doch der konnte kein Wort Deutsch. Alle Bemühungen, einen kostenfreien Deutschkurs zu finden, scheiterten – da organisierte Schneider selbst einen Deutschlehrer. Inzwischen engagieren sich mehr als 70 Sprachlehrer im Verein. "Wir haben alle einen Migrationshintergrund", sagt Schneider in seiner Dankesrede – in lupenreinem Wiesental-Badisch. 2000 Euro erhält der Verein als Preisgeld.

1500 Euro bekommt der zweite Preisträger "Schlüsselmensch". Die studentische Initiative vermittelt Patenschaften zwischen jungen Menschen und geflüchteten Kindern und Jugendlichen. "Wir haben inzwischen über 50 laufende Patenschaften", berichten die Initiatoren, "wir stehen mit vollem Herzen dahinter."

Der dritte Preisträger ist vollkommen überrascht. Während der Einbürgerungsfeier hatte das Heim- und Fluchtorchester Musik gemacht – und nun wird es selbst zur Ehrung auf die Bühne geholt. Gründer Ro Kuijpers nimmt den Preis mehr oder weniger sprachlos in Empfang. Einer der innovativsten Klangkörper in dieser Stadt sei beispielhaft für das gelingende Zusammenspiel verschiedener Kulturen, so hatte die Jury ihr Votum begründet. Große Freude im Orchester, das zum Abschluss zwei mitreißende Stücke spielt – ein ganzer Saal voller Freiburger klatscht mit.