Uniklinik Freiburg

72-jähriger Blutspender aus Reute hat rund 700 Menschen gerettet

Annika Sindlinger

Von Annika Sindlinger

Mi, 23. Januar 2019 um 21:13 Uhr

Reute

Rekordblutspender Francis Cuvelier ist in der Freiburger Uniklinik geehrt und verabschiedet worden. Der Franzose hat insgesamt 244 Mal Blut gespendet. Mit 72 Jahren ist nun endgültig Schluss.

Markus Umhau, Leiter der Blutspendezentrale des Universitätsklinikums, und Teamleiterin Jessica Gampp, bedankten sich im Namen der ungezählten Patientinnen und Patienten bei Cuvelier mit einer kleinen Aufmerksamkeit. Die Ehrung wurde durch eine kurze Darbietung von Hanna Krug und Stefan Rode von der studentischen Theatergruppe Spieltrieb umrahmt. "Wir möchten uns bei Herrn Cuvelier für sein über 40-jähriges Engagement bedanken. Er hat mit seinen Blutspenden rund 700 Menschen das Leben gerettet", sagte Umhau. Die hohe Zahl der Empfänger entstehe dadurch, dass das gespendete Blut in drei Bestandteile – in rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) mit Blutplättchen (Thrombozyten) und in Blutplasma – getrennt werde, so der Arzt.

Markus Umhau: Eine unglaubliche Lebensleistung

"Bei jeder Blutspende werden 500 Milliliter gespendet. Das entspricht 15 Prozent des gesamten Blutvolumens eines Menschen. Herr Cuvelier hat zusammengerechnet insgesamt 17 Mal sein gesamtes Blut gespendet", sagte der Leiter der Blutspendezentrale. Dies entspräche dem Volumen eines Portweinfasses oder fülle eine Badewanne zur Hälfte und sei eine unglaubliche Lebensleistung, erklärte er. "Obwohl die Blutspendezentrale zahlreiche Dauerspender hat, ist eine so hohe Zahl an Blutspenden durch eine Person extrem selten", erklärte Iris Woltemate, die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Instituts für Zell- und Gentherapie. "Seit sieben Jahren hatten wir niemanden mehr, der mit einer derart hohen Zahl an Spenden in den Blutspenderuhestand verabschiedet wurde."

Für seine Leistung wurde der 72-Jährige mit der Ehrennadel für 250 Blutspenden ausgezeichnet. Mehrfachspender dürfen bis zu einem Alter von 68 Jahren Blut spenden. Nach individueller Entscheidung der Ärzte am Blutspendetermin vor Ort können sie bis zu einem Alter von 72 Jahren zur Spende zugelassen werden. "Das ist immer eine Einzelfallentscheidung und hängt davon ab, wie gesund und fit der Spender noch ist", erklärte Umhau. Cuvelier fühlt sich fit und bedauert, dass er nicht weiter spenden darf. "Es ist schade, aber ich habe schon zwei Familienmitglieder dazu gebracht, auch regelmäßig zu spenden", erzählte er.

Einen Empfänger seines Blutes hat er nie getroffen

"Für jeden Stammspender, der entfällt, müssen drei Spender nachrücken, da diese oft nicht so regelmäßig kommen, wie ein Stammspender", erklärte Woltemate. "Wir sind immer auf der Suche nach Spendern. Wir haben hier rund 16000 Stammspender und benötigen 30000 Blutspenden pro Jahr." Spender zu finden, die auch regelmäßig kämen, werde zunehmend schwieriger. "Blut kann man durch nichts ersetzen", betonte sie.



Cuvelier stammt aus dem französischen Burges und kam 1968 als Unteroffizier des französischen Militärs nach Freiburg. Dort war er bis zum Abzug der Franzosen 1992 tätig, bevor er zur deutschen Bundespolizei wechselte. Vor elf Jahren zog er nach Reute, wo er bis heute lebt. Cuvelier hat Blutgruppe A positiv, die mit 34 Prozent eine der häufigsten Blutgruppen ist, und spendete seit 1970 in Deutschland. "Ich habe, während ich noch in Frankreich gelebt habe, auch Blut gespendet und als ich nach Deutschland kam, damit weitergemacht", erklärte er.

Einen Empfänger seines Blutes hat Cuvelier aufgrund der Anonymität der Spender nie getroffen. Ihm gefällt jedoch die Vorstellung, eventuell zufällig einem Empfänger begegnet zu sein, ohne es zu wissen. "Vielleicht habe ich mit so jemandem auch schon mal zusammen einen Wein getrunken – wer weiß", sagte er.