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23. Juli 2010 18:00 Uhr
Kommentar
Feiern ohne Cocktails: Hier fehlt das richtige Maß
In Freiburg, das weiß man schon lange, ist vieles, wenn nicht sogar alles möglich. Vielleicht kommt zum gelben Ortsschild bald der Zusatz "Caipirinhafreie Zone". Ein Kommentar von BZ-Redakteur Joachim Röderer.
Oder vielleicht trifft man bald beim Bummel über sommerliche Feste in dieser Stadt Menschen, die ihre Cocktailgläser mit einer Tüte umwickelt und getarnt haben, damit sich nicht mit einem branntweinhaltigen Mischgetränk erwischt werden. Diese Vorstellungen sind vielleicht reichlich übertrieben – die neuesten Vorschriften mit der seltsamen "Lex Caipirinha" sind es allerdings auch. Hier fehlt das richtige Maß, hier macht sich die Stadt zum Oberaufpasser und zur Spaßbremse.
Natürlich ist es richtig, dass die Stadt eine Alkoholpolitik betreibt, dass sie aufklärt, informiert, hinschaut – und auch ein- und durchgreift, etwa mit dem Ausschankverbot für reinen Schnaps, was auch keinen größeren Widerspruch ausgelöst hat. Damit hatte man vor allem die Problemgruppe der jungen Kundschaft im Auge – nur: die gehören mit Garantie nicht zu den Cocktailtrinkern. Die mischen sich ihren Stoff lieber mit den Billigzutaten aus dem Supermarkt und kaufen nicht teuer bei einem Cocktailstand auf einem Fest ein.
Ergo: Das Cocktailverbot geht am Ziel vorbei, was sogar Experten vom Anti-Alkohol-Projekt Praerie unumwunden einräumen. Viele Festbesucher werden es einfach nur als unnütze Schikane empfinden. Insofern kann es für die Stadt nur einen Rat geben: Dass sie dieses Verbot so schnell wie möglich wieder auf Eis legt.
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Autor: Joachim Röderer
