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06. Februar 2010
Früh morgens schon im Netz
Hubert Burda wird am Dienstag 70 / Feiern an beiden Standorten
OFFENBURG. Mit Festlichkeiten vormittags in München und nachmittags am Stammsitz Offenburg wird Hubert Burda am kommenden Dienstag seinen 70. Geburtstag feiern. Am Freitag darauf lädt der erfolgreiche Verleger Freunde, politische Prominenz, Künstler und Geschäftspartner zu einem Fest in die Münchner Residenz ein.
An seiner Arbeit hat sich für Hubert Burda wenig geändert, seit er zum Jahreswechsel den Vorstandsvorsitz des 6780 Mitarbeiter großen Konzerns an Paul-Bernhard Kallen abgegeben hat. Bereits 2001, als sein Sohn Felix im Alter von erst 33 Jahren an Krebs starb, hatte Burda die operative Führung an das Management um seinen Stellvertreter Jürgen Todenhöfer abgegeben, der Kallen – ebenso wie Verlagsvorstand Philipp Welte – auch zu Burda geholt hatte. Geblieben ist bis heute die feste wöchentliche Holding-Konferenz: immer montags, 11 Uhr. Geändert habe sich vielleicht, dass Projekte noch direkter vorgetragen werden. "Das ist ja die Aufgabe des Eigentümers – darüber nachzudenken, wo in zukünftige Projekte investiert und das verdiente Geld wieder genutzt wird", sagte Burda am Donnerstag bei einem BZ-Gespräch in seinem Büro im dreizehnten Stock des Hochhauses.Werbung
Dort ist nicht nur das erste, anno 1496 in Offenburg gedruckte Buch in einer Vitrine aufbewahrt, dort freut sich der leidenschaftliche Musikfreund Hubert Burda immer wieder auch über ein besonderes Erinnerungsstück: das Horn seines Großvaters.
Auch an seinem Geburtstag wird Hubert Burda – wie jeden Tag – sehr zeitig aufstehen: "Ich bin immer um fünf Uhr morgens wach." Stets hat der Verleger sein kleines digitales Diktiergerät in Reichweite: "Ich brauche bei manchen Sachen Abstand, denke nach, und dann sind mir viele Dinge morgens ganz klar geworden." Die Erkenntnisse werden ebenso festgehalten, wie wichtige Informationen für den Tag. Die holt sich Burda aus dem Netz: "Das können Reden sein oder irgendein politisches Thema – unterschiedlichste Dinge." Für den Wirtschaftsgipfel in Davos etwa müsse er sich ein denken in Weltwährungen und Wirtschaft, müsse lesen, was Nobelpreisträger Josef Stieglitz zu einem Thema gesagt habe – oder er hole sich das neue Buch von US-Kolumnist Thomas L. Friedman aus dem Netz.
Von 7 bis 8 Uhr ist Bewegung angesagt: Burda macht Yoga, trainiert mit zwei Coaches, joggt oder spielt Tennis. "Das Tonband ist immer dabei, und je schwieriger die Übungen, desto mehr diktiere ich – erstaunlicherweise." Er sei zutiefst überzeugt vom Zusammenhang zwischen dem Denken und dem Körper.
Üblicherweise wartet dann bereits der persönliche Sekretär mit wichtigen Texten und Zeitungen. "Wenn ich das Gefühl habe, es liegt was in der Luft – mit uns oder mit anderen – dann kann es sein, dass ich aus Neugier schon um sieben anfange zu lesen, so wie heute den Handke-Text", so Burda.
Ab 9 Uhr ist er im Büro, wo bis zehn Uhr das Diktat aufbereitet wird: "Dann bin ich in Sitzungen." Das Mittagessen nimmt der Verleger meist allein zu sich – aus gutem Grund: "Weil ich dann schon so viel geredet habe, dass ich nicht noch weiter reden kann." Ähnlich sieht es oft beim Abendessen aus, zumal Ehefrau Maria Furtwängler immer wieder für längere Zeit bei Dreharbeiten weilt. Soziale Verpflichtungen hält Hubert Burda inzwischen möglichst von sich fern: "Das kostet mich zu viel Energie – ich merke das am anderen Tag." Am liebsten zieht er sich zurück, um zu lesen. Aus persönlichen Gründen etwa Werke seines Freundes Peter Handke. Und: "Abends meistens Goethe, diese wunderbare Hanser-Ausgabe, die römischen Elegien oder die venezianischen Epigramme", verrät Burda. Als nächstes komme Goethes Drama Iphigenie auf Tauris an die Reihe: "Ich finde, das ist einfach das größte Vorbild, das es gibt – ein Mensch, der sich so organisieren konnte und alles hinbekam – und dann stirbt der Sohn."
Neuen Lesestoff wird der erfolgreiche Verleger an seinem Geburtstag bekommen, wenn ihm Hanser-Verleger und Freund Michael Krüger die Festschrift zum Geburtstag überreicht: "Den Inhalt kenne ich nicht." Nach dem Familienfrühstück wartet die Münchner Belegschaft mit einer Überraschung: "Die planen irgendwas Geheimnisvolles." Um drei Uhr sitzt Burda im Flugzeug – unterwegs zur nächsten Feier: "Und dann freue ich mich darauf, was sich die Offenburger ausgedacht haben." Dann noch ein Empfang im Elternhaus in der Schanzstraße und ein Besuch auf dem Friedhof. "Um zehn Uhr bin ich wieder in München – dann ist Ruhe", sagt der Jubilar.
Aber nur drei Tage später, am 12. Februar, wird in der Münchner Residenz mit Freunden, Geschäftspartnern und der Prominenz gefeiert. Noch mehr Ehrungen, Titel und wunderbare Laudationes, lässt Burda schmunzelnd durchblicken, müssen nicht sein: "Das Schlimmste, was Dir passieren kann ist, wenn Du das alles für bare Münze nimmst und abhebst. Wir Badener haben einen guten Instinkt und hüten uns vor jenem ’hochhebe und ihn dann aber plotze lo’".
NEUES SENATOR-BUCH
Noch in diesem Jahr wird laut Hubert Burda ein neues Buch mit Episoden aus dem Leben von Senator Franz Burda veröffentlicht. "Von ihm gibt es nur Leben und Werk, und das ist zu wenig", so Burda über seinen Vater. Autorin ist Ute Dahmen. Sie hat auch die Aenne-Burda- Biografie "Wunder sind machbar" verfasst.
Autor: hsl
Autor: Helmut Seller
