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08. Juli 2010

Wenn Holz brennt, zählen Minuten

Die Feuerwehr zieht Lehren aus dem Brand eines Mehrfamilienhauses in Betzenhausen / Holz wird als Öko-Baustoff immer beliebter.

  1. Holz wird als Baustoff aus ökologischen Gründen immer populärer, für die Feuerwehr bedeutet er jedoch ein Umdenken. Foto: zimmerei grünspecht/Kunz

  2. Foto: Thomas Kunz

Der Brand in einem Mehrfamilienhaus am Betzenhauser Torplatz vor fünf Wochen hat gezeigt: In Holzhäusern hat die Feuerwehr Probleme, eine schnelle Ausbreitung des Feuers zu verhindern. "Wir müssen umdenken und einsehen, dass wir nicht mehr alles in den Griff kriegen. Bislang war die erste Weisheit eines Feuerwehrmannes, dass sich ein Brand nicht ausbreiten darf." Zu dieser Einsicht gelangt Hans-Peter Guschl vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz. Der Feuerwehrmann war an jenem Mai-Abend in Betzenhausen Einsatzleiter.

Dass wie im Gruberhof eine komplette Etage eines Mehrfamilienhauses in Windeseile komplett ausbrennt, kannte Hans-Peter Guschl bislang in der Form nicht. Bei einem Massivbau aus Stein sei so etwas auch relativ unwahrscheinlich. "Das Mobiliar und alles, was in ein Gebäude reingebracht wird, gilt als Brandlast. Bei einem Holzhaus kommt eine zusätzliche Brandlast hinzu: der Baustoff", erklärt Guschl und fügt hinzu: "Wenn ich eine größere Brandlast habe, breitet sich das Feuer schneller aus und die Löschmaßnahmen gestalten sich schwieriger." Die Folge: Die Feuerwehr braucht mehr Personal und mehr Löschmittel. Da aber das Einsatzpersonal begrenzt sei und die Rettung von Menschen immer vorgehe, könne man in der ersten Phase eines Einsatzes weniger Rücksicht auf das Gebäude nehmen, so Guschl. "Wenn das Feuer eine gewisse Größe überschritten hat, hat man einen Totalverlust. Bei einem Holzhaus hat man dann fast keine Chance mehr. Da zählen Minuten."

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Zu der Einsicht, dass die Feuerwehr umdenken muss und künftig häufiger Einsätze wie in Betzenhausen haben wird, kommt Guschl, weil aus ökologischen Gründen immer mehr Häuser aus Holz gebaut werden, in Freiburg etwa in den Stadtteilen Vauban und Rieselfeld. Nicht zuletzt deshalb wurde die Landesbauverordnung zum 1. März geändert. Ihr müssen natürlich auch Holzhäuser entsprechen. Die Verordnung regelt, welche Mindestanforderungen beim Brandschutz neue Gebäude haben müssen; dabei werden Häuser je nach Größe und Nutzung in fünf Klassen eingeteilt. So müssen beispielsweise in einem Einfamilienhaus die tragenden Elemente weniger lange dem Feuer Widerstand leisten als in einem höheren Mehrfamilienhaus, wo die Flucht nach draußen entsprechend länger dauern kann. Bei Gebäuden bis Klasse 4 (Häuser mit bis zu 13 Metern Höhe) sind tragende Holzbauteile zulässig, erklärt Willi Loba vom städtischen Baurechtsamt. Werden die Anforderungen nicht erfüllt, muss das Holz im Zweifelsfall mit einem nicht brennbaren Stoff, etwa Gipsfaserplatten, ummantelt werden.

"Holzhäuser müssen brandschutzmäßig genauso sicher sein. Ein Holzhaus ist demnach nicht heikler, wenn man bauphysikalisch alles richtig macht", sagt Hermann Hallenberger von der auf Holzbauten spezialisierten Freiburger Zimmerei Grünspecht. Dass ein Holzhaus nicht gleich ein Holzhaus ist, erklärt Architekt Wolfgang Frey. Bisher werden Holzhäuser in der Regel in der sogenannten Holzständer- oder Holzrahmenbauweise gebaut, im Rieselfeld baut Frey – dies war bisher aus Brandschutzgründen nicht möglich – nun das erste Mehrfamilienhaus aus Holz, und zwar in Massivbauweise.

Will heißen: Das Architekturbüro aus Bahlingen verwendet statt der üblichen Balken, Latten und Rigipsplatten als Wände massive, an den Kanten abgerundete Holzplatten, die bis zu zwölf Meter lang und als Außenwände bis zu 24 Zentimeter dick sind. "Ab einer gewissen Dicke ist Holz feuerhemmend", sagt Frey. Die glatte Oberfläche der massiven Wände fängt bei einem Brand zwar Feuer, bildet aber eine dicke Kohlenschicht, die es schnell erstickt. "Es gibt einen schwarzen Fleck, das war’s dann", erklärt Frey, der für den baurechtlichen Nachweis Brandschutzversuche in Materialprüfungsanstalten hat machen lassen. Freys Fazit: Ein Massivholzhaus ist wesentlich sicherer als ein Haus in Holzständerbauweise – "das könnte die Zukunft sein". Dennoch hat er auch beim Mehrfamilienhaus im Rieselfeld nicht ganz auf Beton verzichtet.

Autor: Frank Zimmermann