DSM baut die regionalen Standorte aus

Michael Baas

Von Michael Baas

Do, 30. August 2018

Aargau

Die Werke in Grenzach-Wyhlen und Sisseln profitieren von gut laufenden Geschäften und der hohen Nachfrage nach Vitaminen.

KAISERAUGST. Der holländische DSM-Konzern will sein Nutrition-Geschäft ausbauen, und zwar sowohl durch die Erweiterung und Modernisierung bestehender Anlagen wie auch durch Zukäufe. "Wir sind bereit für mehr", kommentiert Christoph Goppelsroeder, der Chef des in Kaiseraugst angesiedelten Geschäftes, die Lage im BZ-Interview.

Die Kriegskasse des Konzerns ist gut gefüllt. Dort liegen allein rund drei Milliarden Euro, die in Zukäufe investiert werden sollen. Dazu kommen 600 Millionen Euro, die Jahr für Jahr in die Instandhaltung und die Modernisierung bestehender Standorte investiert werden; zwei Drittel davon fließen wiederum in das Nutrition-Geschäft. Davon profitieren auch die Standorte im Ballungsraum Basel, wo der Konzern rund 3300 Mitarbeitende beschäftigt – vor allem die Werke in Grenzach-Wyhlen, im aargauischen Sisseln sowie in Village-Neuf im Südelsass.

Nach der Übernahme der Vitamin-Division von Roche durch DSM vor ziemlich genau 15 Jahren standen diese regionalen Standorte lange unter Druck und wurden mit diversen Effizienzprogrammen neu und schlank aufgestellt. Das gilt nicht zuletzt für Grenzach-Wyhlen. Inzwischen aber ist die Trendwende gelungen. Dabei haben auf der einen Seite Makrotrends und eine ständig steigende Nachfrage nach Vitaminen, Carotinoiden und Nahrungsergänzungsmitteln geholfen. Auf der anderen Seite aber habe DSM seine Hausaufgaben seit Jahren gemacht, betont Goppelsroeder. "Wir haben uns kundennah organisiert und die Kosten im Griff", skizziert der Nutrition-Chef.

In jedem Fall investiert der Konzern im Zuge des Ausbaus der Nutrition-Geschäfte auch weiterhin in die genannten Standorte. In Sisseln wurden die Kapazitäten für Vitamin A durch Modernisierungen und Prozessverbesserungen erhöht. Zudem erhält der Standort eine neue auf Holzhackschnitzeln basierende Energieversorgung. In Grenzach-Wyhlen wird die Vitamin-B2-Produktion deutlich ausgebaut. Auch die Produktion von Vitamin B 6, das DSM inzwischen auch in China herstellt, bleibe Grenzach zumindest für eine Übergangsphase noch erhalten, erläutert der Nutrition-Chef weiter. Zudem werden an allen Standorten auch die Anlagen zur Formulierung der aktiven Wirkstoffe ausgebaut.

Nicht in Frage stellt der Konzern auch die seit 30 Jahren in Sisseln angesiedelte Produktion des Antibiotikums Ceftriaxon. Das ist letztlich zwar noch eine Hinterlassenschaft aus den Roche-Tagen. Und auch aus der Produktion generischer Antibiotika hat sich DSM mit dem Verkauf seiner Anteile am dem einst mit Sinochem gegründeten Joint Venture DNP im Juli zurückgezogen. Doch sei ohnehin nie ein Teil der Nutritional-Sparte gewesen, sondern ein eigenständiges Business. Ceftriaxon, welches unter dem Namen Rocephin vertrieben wird, aber sei eine Auftragsfertigung, die DSM mit dem Kauf des Geschäftes von Roche 2003 übernommen habe. "Solange es eine Nachfrage von Roche gibt, werden wir dieses Produkt herstellen", betont Goppelsroeder, der seine Karriere übrigens in den 1990er Jahren noch bei Roche begonnen hatte.

Eigene Ambitionen in Sachen Antibiotika, die nicht zuletzt im Bereich der Tiermast eingesetzt werden, einem für DSM durchaus relevanten Markt, habe der Konzern dagegen nicht. Im Gegenteil. Antibiotika seien als Wachstumstreiber in der Tierzucht häufig auch falsch eingesetzt worden, befindet Goppelsroeder, und inzwischen habe sich das Blatt gewandelt – sowohl in Europa wie in den USA seien zunehmend Alternativen zur klassischen Antibiotika-Mast gefragt. Da aber sehe DSM einen Markt mit Potenzial. "Solche alternativen Futtersätze bieten wir an und sind dabei, die Lücke bei den Antibiotika zu schließen", skizziert Goppelsroeder ein weiteres Wachstumsfeld.