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18. März 2011 20:00 Uhr
Kategorie große Unternehmen
Abrechnungszentrum Emmendingen holt Jobmotor 2010
Es hütet die persönlichen Daten von Millionen Deutschen wie einen Schatz: das Abrechnungszentrum Emmendingen. In der Kategorie große Unternehmen belegt es beim Jobmotor 2010 den ersten Platz. Ein Blick hinter die Fassade.
Es gibt sicher einladendere Bauten als das Hauptgebäude des Abrechnungszentrums Emmendingen. Silbrig grau schimmert Spiegelfolie auf allen Fenstern des vierstöckigen Bürogebäudes. Sie verhindert den Blick ins Innere. Kein Fremder soll sehen, was hinter der Fassade geschieht. Wer das Gebäude betreten darf, muss eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben. Der große Schatz, den das Abrechnungszentrum Emmendingen hütet, sind persönliche Daten von Millionen Deutschen: Arztrechnungen, Rezepte, Anträge auf Zuschüsse zu Heilmitteln. Briefe im Gesamtgewicht von 48 Tonnen erreichen das Abrechnungszentrum im Jahr. Die Post kommt aus ganz Deutschland, denn mittlerweile prüft das Abrechnungszentrum Emmendingen für mehr als 100 Krankenkassen Rechnungen und Anträge.
Fordert zum Beispiel ein Apotheker von einer dieser Krankenkassen Geld für ein eingelöstes Rezept, schickt er die Verordnung nicht mehr wie früher zur Krankenkasse, sondern nach Emmendingen. Dort, im Keller des Abrechnungszentrums, wird das Rezept von einem der drei Hochgeschwindigkeits-Scanner digitalisiert. Ein Computerprogramm überprüft, ob die Daten, die Leistung und der Preis korrekt sind. Ist der Versicherte wirklich von der Zuzahlung befreit? Die Software prüft das. Stellt sie Unregelmäßigkeiten fest, landet das Rezept in einem oberen Stockwerk auf dem Bildschirm eines Mitarbeiters.
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Jetzt prüft der Mensch. Bei einem Fehler in der Abrechnung nimmt der Mitarbeiter Kontakt auf mit der Krankenkasse oder dem Apotheker und klärt den Fall. Ist alles in Ordnung, überweist das Abrechnungszentrum dem Apotheker den geforderten Betrag. Vier Milliarden Euro laufen so jährlich durch das Emmendinger Unternehmen. An einem Tag können es bis zu 130 000 Dokumente sein, die das Abrechnungszentrum verarbeitet. Nach spätestens fünf Tagen soll jeder Fall erledigt sein.
"Viele Krankenkassen können ihre Abrechnungen selbst nicht so schnell und günstig bearbeiten, wie wir das für sie tun", sagt Geschäftsführer Michael Häfele. "Das Abrechnungszentrums Emmendingen ist ein klassisches Outsourcing-Unternehmen." Die Zahl der Krankenkassen, die den Emmendingern ihre Abrechnungen in die Hände geben, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 2010 hat das Abrechnungszentrum die KKH-Allianz als neuen Kunden gewonnen und allein deshalb 172 neue Stellen geschaffen, 73 davon in Teilzeit.
Von jetzt auf gleich galt es, in vielen Überstunden die Abrechnungen für zusätzlich 1,8 Millionen Krankenversicherte zu prüfen und abzuwickeln. Die meisten Arbeitsplätze entstanden in der Datenerfassung, aber auch Apotheker und Arzthelfer wurden eingestellt, weil es für bestimmte Prüfungen medizinischen Sachverstand braucht. Mittlerweile beschäftigt das Abrechnungszentrum Emmendingen 569 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – vier von fünf Beschäftigten sind Frauen.
Alle Zeichen stehen auf Wachstum. Fünf Millionen Euro hat das Unternehmen laut Geschäftsführung in den vergangenen zwei Jahren allein für neue Geschäftsräume investiert. Neben dem Hauptgebäude des Abrechnungszentrums an der Bundesstraße 3 entsteht gerade ein neues Rechenzentrum. Anders als die streng vertrauliche Arbeit mit den personenbezogenen Daten ist das Wachstum also gut sichtbar. Sich selbst in der Region bekannt zu machen, damit habe das Abrechnungszentrum aber einige Mühe, gesteht der stellvertretende Geschäftsführer Jürgen Ernst. "Obwohl wir zu den fünf größten Arbeitgebern in Emmendingen gehören, werden wir kaum wahrgenommen."
Vielleicht weckt der behördenähnliche Name nur wenig Neugier. Als Eigenbetrieb des BKK-Landesverbandes Baden-Württemberg ist das Abrechnungszentrum Emmendingen eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Der geringe Bekanntheitsgrad ist aber sicher auch dem Produkt geschuldet: Die digitale Abrechnung einer Heilkostenverordnung gibt weniger Anlass zum Schwärmen als ein kraftstrotzender Sportwagen.
Als Arbeitgeber ist das Abrechnungszentrum Emmendingen trotzdem beliebt. Weihnachts- und Urlaubsgeld, Leistungszulage sowie ein Gleitzeitmodell würden die Mitarbeiter motivieren, sagt Antje Vogl, stellvertretende Personalratsvorsitzende. "Außerdem haben Leiharbeiter bei uns eine gute Chance, fest eingestellt zu werden." Geschäftsführer Häfele prophezeit, der Aufwärtstrend werde sich fortsetzen: "Wir werden sicher weitere Ersatzkassen als Kunden gewinnen." Und das bedeute, Mitarbeiter einzustellen.
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Autor: Arne Bensiek
