Olaf Fütterer bringt die "Sea Symphonie" auf die Bühne

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 11. September 2018

Ortenaukreis

Der in Achern lebende Chorleiter vereint die Singakademie Ortenau und Straßburger Chöre mit zusammen 130 Sängerinnen und Sängern.

ORTENAU. Nach der Sommerpause geht es bei der Singakademie mit großen Schritten ans nächste Projekt: die Aufführung von Ralph Vaughan Williams "Sea Symphony" Mitte November. Der 2010 gegründete Chor bringt zusammen mit dem 2017 gegründeten Schwesterchor in Straßburg rund 130 Sängerinnen und Sänger auf die Bühne. Jeweils zwei große chorsinfonische Werke nimmt sich die Singakademie jedes Jahr vor. Angefangen hatte alles mit Mozarts C-Moll-Messe.

Der in Achern lebende Chorleiter Olaf Fütterer hatte zu diesem Projekt eingeladen und war selbst erstaunt, dass beim ersten Treffen spontan schon 70 Sängerinnen und Sänger gekommen waren. Von Anfang an suchte Fütterer im Elsass nach Kooperationspartnern. Anfangs war dies der Choeur de St. Guilliaume Strasbourg, im vergangenen Jahr gründete Fütterer das Collegium Vocale Strasbourg-Ortenau. "Ich bin eben ein Gründer", meint Fütterer im Gespräch mit der BZ dazu, und verweist auf sein zweites berufliches Standbein neben der Musik: Personal- und Existenzgründungsberatung.

Für den 55-jährigen schließt sich mit seiner Organistentätigkeit und der Leitung von derzeit sieben Chören der Kreis seines beruflichen Werdegangs. In Hannover geboren hatte Fütterer in Bremen, Hamburg und Berlin Kapellmeister und Kirchenorgel studiert und danach noch ein Regiestudium für Musiktheater absolviert. Später wechselte Fütterer ins Kulturmanagement unter anderem in Leipzig, Ludwigsburg (Schlossfestspiele) und Baden-Baden (Festspielhaus), bevor er als Personalberater in die freie Wirtschaft wechselte. Seine Erfahrungen aus dem "Brotberuf" helfen ihm nun in seinem "Herzberuf", denn die Projekte der Singakademie erfordern einen hohen finanziellen und organisatorischen Aufwand, der nur mit Fördergeldern, Sponsoren und Spendern gestemmt werden kann.

Mit professionellen Methoden des Fundraisings, der Organisation von Veranstaltungen und seinen guten Kontakten in die professionelle Musikszene, gelang es Fütterer, in den vergangenen Jahren mit der Singakademie Ortenau nicht nur große Chorwerke aufzuführen, sondern auch den Aktionsradius des Chores auszuweiten. "Es geht aber vieles auch über Kontakte von Chormitgliedern", betont Fütterer. So kam zustande, dass bei der "Sea Symphony" Sängerinnen und Sänger des Lloyds Chores aus London mitsingen werden. Diese hatten das Werk im Frühjahr aufgeführt und stoßen nun dazu, wenn 100 Jahre nach dem Ende des ersten Weltkrieges die Singakademie Ortenau, das Collegium Vocale Strasbourg und die ebenfalls von Fütterer gegründeten "Musicians sans frontières Alsace-Ortenau" die 1910 uraufgeführte Komposition aufführen.

Sie basiert auf Gedichten des amerikanischen Lyrikers Walt Whitman, der in seinen "Leaves of Grass" die universelle Verbundenheit der Menschen untereinander und zur Natur besingt. In der Einstudierung setzt Fütterer auf moderne Methoden: Die Sängerinnen und Sänger können ihre Stimme von einer Dropbox herunterladen oder auf CD gespielt bekommen und sind so gut vorbereitet bei den wöchentlichen Proben. "Viele schätzen diese Möglichkeit, beim Autofahren nebenher zu üben und mehr Sicherheit in der eigenen Stimme zu bekommen", berichtet Fütterer, dem dadurch in den Proben mehr Zeit für die Detailarbeit bleibt.