Rockergruppe

Acht Objekte im Südwesten bei Razzia gegen "Osmanen Germania" durchsucht

dpa

Von dpa

Di, 13. März 2018 um 18:24 Uhr

Südwest

Bei den Razzien gegen die türkisch-nationalistische Gruppe "Osmanen Germania" in drei Bundesländern wurden im Südwesten acht Objekte durchsucht. Eine Razziafand in der JVA in Offenburg statt.

Mit einerländerübergreifenden Razzia ist die Polizei gegen die türkischstämmige Rockergruppe "Osmanen Germania" vorgegangen. Am Dienstag waren mehr als 1000 Polizisten in drei Bundesländern im Einsatz: in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen. Sie durchsuchten knapp 60 Objekte und stellten Beweismaterial sowie vereinzelt Waffen und Betäubungsmittel sicher, wie das Bundesinnenministerium mitteilte.

"Wir begegnen allen kriminellen Rockern und rockerähnlichen Gruppierungen mit einer Null-Toleranz-Strategie", sagte Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU). Es bestehe der dringende Verdacht, dass Zweck und Tätigkeit des Vereins "Osmanen Germania BC" den Strafgesetzen zuwiderlaufen, hieß es im Bundesinnenministerium zu den Aktionen auch in Nordrhein-Westfalen (NRW) und Hessen. Schwerpunkt der Razzia war NRW, wo 41 Objekte durchsucht wurden. Die Polizei setzte auch Spezialkräfte ein.

Baden-Württembergs Innenminister Strobl nannte nur die Landkreise, mehr Details gab er nicht bekannt. Dem Vernehmen nach wurden in den Gefängnissen in Stuttgart-Stammheim und Offenburg Zellen von mutmaßlichen Angehörigen der weltweiten Führungsebene der "Osmanen" durchsucht. Dort sitzen seit Sommer 2017 der mutmaßliche "Weltpräsident" und sein "Weltvizepräsident" in Untersuchungshaft.

Vom 26. März an müssen sie sich, wie sechs weitere mutmaßliche "Osmanen", in Stuttgart vor dem Landgericht verantworten. Ihnen werden unter anderem versuchter Mord, versuchter Totschlag, räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Zwangsprostitution und Zuhälterei vorgeworfen. Wie die Stuttgarter Nachrichten mit Verweis auf Sicherkreise berichteten, wurden in Baden-Württemberg auch Objekte in Jettingen bei Nagold, Crailsheim, Mannheim und Gerabronn durchsucht.

Die türkisch-nationalistische, rockerähnliche Straßengang "Osmanen Germania" steht nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP und zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte dem Düsseldorfer Landtag berichtet, die Aktivitäten der "Osmanen" richteten sich gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK, linksextremistische Türken und die Gülen-Bewegung – und würden von türkischen Behörden als "Terrorbekämpfung" befürwortet. Belegt seien Kontakte von "Osmanen"-Führern zu Beratern von Präsident Erdogan.

In Baden-Württemberg existieren laut Ministerium sechs Ortsgruppen (Chapter) mit etwa 100 Mitgliedern und Unterstützern. Auseinandersetzungen gab es zuletzt vor allem mit türkischen Kurden der Straßengang "Bahoz".Die Durchsuchungen sollten der Aufklärung von Vereinsstrukturen und Aktivitäten dienen, erklärte Innenminister Strobl. Im Bundesinnenministerium hieß es, die "Osmanen" bezeichneten sich zwar als Boxclub und gebe vor, Jugendliche von der Straße holen zu wollen. Tatsächlich aber liege der Zweck in der gewalttätigen Gebiets- und Machtentfaltung sowie in der Selbstbehauptung gegenüber konkurrierenden rockerähnlichen Gruppierungen.

Nach einer Razzia Ende Juni 2017 hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart bereits acht Anklagen erhoben. Das Landgericht rechnet mit einem Verfahren unter höchster Sicherheit und hat zunächst Termine bis Ende März 2019 eingetragen. Drei der Beschuldigten gehörten zur weltweit höchsten Führungsebene der Organisation, hieß es. Mitglieder, die versuchten, die "Osmanen" zu verlassen, sollen sie erpresst, beraubt und zusammengeschlagen haben.

Der Innenexperte der Grünen, Uli Sckerl, sagte: "Wir dürfen nicht zulassen, dass aus dem Ausland gesteuerte Gruppen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung bekämpfen." Es sei Konsens, dass Diskriminierung bekämpft und Integration gefördert werde. "Sollte sich herausstellen, dass vom ,Boxclub’ organisiert Straftaten begangen werden, um die Meinungsfreiheit in Deutschland und die in Deutschland lebenden Kurden zu bekämpfen, müssen wir dem mit allen rechtsstaatlichen Mitteln entgegnen."
"Osmanen Germania"

Der "Osmanen Germania Boxclub" gilt als größte rockerähnliche Gruppierung in Deutschland. Gegründet wurde der Club im Frühjahr 2015. Weltweit werden der Gruppierung rund 500 Mitglieder zugerechnet, die sich auf 40 Ortsgruppen (Chapter) verteilen. Die "Osmanen" haben aktuell im gesamten Bundesgebiet 22 Ortsgruppen mit insgesamt rund 300 Mitgliedern. Die meisten sind türkische Staatsangehörige oder stammen aus der Türkei. Die "Osmanen" unterliegen nicht der Beobachtung durch den Verfassungsschutz.

In 100 Ermittlungsverfahren zum blutigen Konflikt zwischen den "Osmanen" und der kurdisch geprägten Gruppe "Bahoz" wurden 31 Haftbefehle gegen beide erwirkt.