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04. August 2012 00:03 Uhr

Dokudrama

Adenauer – der Boccia-Spieler aus Rhöndorf

Eine Mischung aus Dokumentation, Zeitzeugeninterviews und nachgespielten Szenen: Die ARD hat das Leben von Konrad Adenauer mit Joachim Bißmeier in der Hauptrolle verfilmt.

  1. Joachim Bißmeier spielt Konrad Adenauer Foto: dpa

Mitte 1945 war er knapp neun Jahre alt. Der verheerende Krieg war gerade zu Ende, im Radio hielt Konrad Adenauer, Oberbürgermeister von Köln, eine Rede. "Ich war bei meinen Großeltern in Westfalen untergebracht", berichtet der heute 75-jährige Joachim Bißmeier. "Da sagte mein Opa: ,Das ist genau der Mann, den wir jetzt brauchen.’ Den Namen Adenauer habe ich mir seitdem gemerkt."

Niemand konnte damals ahnen, dass Joachim eines Tages Adenauer spielen würde. Auf ihn fiel die Wahl, als Filmproduzent Uwe Kersken, Chef der Firma Gruppe 5, Autor Werner Biermann und Regisseur Stefan Schneider den Hauptakteur für ihr Dokudrama "Konrad Adenauer – Stunden der Entscheidung" suchten, das am Sonntag in der ARD zu sehen ist.

Der gebürtige Bonner Bißmeier, der sich als Theatermann einen Namen machte, stand vor einer Herausforderung: Der Alte aus dem Rheinland ist schließlich unverwechselbar in Gesicht, Geste und gesprochenem Wort. Wie bewältigte Bißmeier diese Aufgabe? "Ich habe mir viele DVDs mit historischem Material angeschaut", sagt der Schauspieler, der in Salzburg, Berlin und Wien auf der Bühne stand. "Ich habe Adenauer gespielt, ohne ihn imitieren zu wollen. Das wiederum hätte zu leicht parodistische Züge bekommen."

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Parodistisch ist der Film-Adenauer nicht geworden. Dennoch: In dem Dokudrama, einer Mischung aus Dokumentation, Zeitzeugeninterviews und nachgespielten Szenen, wirkt die große Figur des ersten deutschen Bundeskanzlers durch Bißmeier feingliedriger und zerbrechlicher, als historische Aufnahmen des unerschütterlichen und stoisch wirkenden Rhöndorfers zum Ausdruck bringen. Auch die Weggefährten, ob ein Ludwig Erhard (Ludwig Hansmann) oder Franz-Josef Strauß (Bernhard Ulrich), wirken nicht gerade wie Doppelgänger und ein wenig überzogen unfreiwillig komisch, gerade im Falle Strauß, der über sich als "Hanswurschten" redet.

Der Film versucht sich an dem Bogen zwischen der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und dem Ende von Adenauers Kanzlerschaft 1963. Jedes Thema, ob es der Dauer-Konflikt mit den Nazis ist, seine Entlassung als Kölner Bürgermeister durch die Engländer, seine Kanzlerschaft, die Heimkehr deutscher Kriegsgefangener, die Bundeswehrgründung, der Mauerbau und die Kubakrise, von allem wird häppchenweise erzählt, eher im Schweinsgalopp statt intensiv.

30 Jahre – wäre ein Personalwechsel in der Hauptrolle da nicht besser gewesen? "Dies hätte der Geschlossenheit des Filmes nicht gut getan", sagt Autor Biermann. Gut tun dem Film die Bilder von Adenauers langjährigem Amtssitz Palais Schaumburg und dem Wohnsitz in Rhöndorf sowie die Zeitzeugen-Interviews.

Dass der Staatsmann seine anderen, privaten und humorvollen Seiten hatte, rückt das Dokudrama allerdings schön ins Licht: So probiert der Hobby-Erfinder mit seiner Frau Auguste ("Gussie"), gespielt von Carolina Vera, das Stopfei mit Innenbeleuchtung aus, zeigt dem Journalisten Rudolf Augstein vom "Spiegel", wie eine Harke mit ambossartiger Klopffunktion auf der Rückseite zu bedienen ist.

Manchmal machten sich aber auch seine Mitarbeiter einen Jux. Adenauer, passionierter Boccia-Spieler, preist in den Doku-Aufnahmen die fördernde Wirkung des Spiels auf die Sinne. Seine Sekretärin Hannelore Siegel erinnert sich lächelnd: "Wir haben ihn dann auch manchmal gewinnen lassen ..."
– ARD, Sonntag, 21.45 Uhr.

Autor: Carsten Rave