Adventlicher Hochgenuss

Edward H. Tarr

Von Edward H. Tarr

Mi, 06. Dezember 2017

Klassik

Das Sine Nomine Streichquartett im Schloss Beuggen.

Am Sonntag gastierte das 1975 gegründete Sine Nomine Streichquartett mit Werken von Mozart und Debussy im Schloss Beuggen. Das junge und in seiner eleganten Spielweise höchst bemerkenswerte Quartett ist in Lausanne beheimatet und hat seinen Namen als Zeichen gewählt für seine Offenheit allen Komponisten und Werken gegenüber. Es gehört zu Europas führenden Streichquartetten und tritt in den wichtigsten Städten Europas und Nordamerikas auf.

Vor der Pause klang das viersätzige Streichquartett No. 23 in F-Dur, KV 590 von Wolfgang Amadeus Mozart (1790). Das Werk gehört zu den drei letzten Quartetten des Meisters im Jahr vor seinem Tod. Durchgängig führten die erste Violine und das Violoncello, wobei alle vier Streichinstrumente das Thema expressiv vorführten. Vom Anfang des ersten Satzes, Allegro moderato, an sowie im langsamen zweiten Satz, Allegretto, konnten die Zuhörer die flexible Dynamik und die zahlreichen Solos der Bratsche und des Cellos bewundern. Das Menuetto: Allegretto mit Trio wurde durch witzige Pizzicato-Effekte in allen Streicherstimmen gewürzt und durch ungerade Taktperioden rhythmisch belebt. Den leidenschaftlichen Schlusssatz, Allegro, führten die vier Musiker in einem atemberaubenden Tempo aus, so dass die vielen plötzlichen Tonartwechsel rasant wirkten.

Claude Debussys einziges Streichquartett g-moll, op. 10 (1892) bildete die zweite Konzerthälfte. Dieses Werk und das gleichzeitig entstandene Prélude à l’Après-midi d’un phaune werden als Abschluss von Debussys Jugendwerk angesehen, als der Komponist 30 Jahre alt wurde. Den ersten Satz, Animé et très décidé, führten die Musiker mit einem gewaltigen, leidenschaftlichen Vorwärtsdrang aus. Der zweite Satz, Assez vif et bien rythmé, ist ein Scherzo, der durch eine Pizzicato-Begleitung und dynamische Kontraste lebt. Über dieser Begleitung führten die Instrumentalisten das Thema abwechselnd in einem ausdrucksvoll singenden Stil vor. Im melancholischen dritten Satz, Andantino, doucement expressif, hatten Bratsche und Cello oft die Führung; auch in diesem Satz spielten die Musiker eindrücklich expressiv. Der Satz schließt quasi unerwartet durch einen leisen Dur-Akkord. Die langsame Einleitung des Schlusssatzes, Très modéré, besteht aus Elementen des vorangegangenen Satzes. Im Hauptteil, Très mouvementé et avec passion, überlagern Rondo- und Sonatenform. Das Cello führte das Thema mit verschiedenen Nuancen vor; die anderen Streicherstimmen folgten sukzessive und ausdrucksstark. Das ganze Werk zeichnet sich durch eine große stilistische Bandbreite aus, in dem sich gregorianische Kirchentonarten, Zigeunermusik, javanesische Gamelanmusik und Elemente der russischen Schule miteinander verbinden. Die vier Musiker waren in ihrem Element und spielten sehr bewegt, lebendig und blitzmusikalisch. Das Sine Nomine Streichquartett bedankte sich für den überaus freundlichen Applaus mit einer Zugabe: den zweiten Satz aus dem Streichquartett in F-Dur (1902-03) von Maurice Ravel.