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12. Juli 2008

Ärger auf der Insel Usedom

Die Polen sind entrüstet: Ihre deutschen Strandnachbarn sind ihnen zu freizügig

  1. Viel Sonne, wenig Stoff: Solche Anblicke stören manche Polen. Foto: dpa

STETTIN Eigentlich waren die Nudisten schon immer da. Doch bis Polen dem Schengener Abkommen beigetreten ist, war der Usedomer Strand zwischen dem deutschen Ahlbeck und dem polnischen Swinoujscie wegen des Maschendrahtzaunes getrennt. Seit es den nicht mehr gibt, kommen die FKK-Liebhaber über die Grenze – zum Ärger der streng katholischen Polen.

"Endlich werden wir ohne Passkontrolle rübergehen können, im Sommer auch nur im Badeanzug", freute sich Janusz Zmurkiewicz, der Stadtpräsident von Swinoujscie, kurz vor dem Wegfall der Grenzkontrollen im Dezember 2007. Nur eines hatte er nicht vorausgesehen: Nicht alle tragen auf der deutschen Seite Badeanzüge. Das Problem tauchte mit den sommerlichen Temperaturen auf: Immer mehr Urlauber aus Polen, neugierig auf den unbekannten Strand, machten sich auf den Weg über die Grenze. Die Anwesenheit der Nudisten empörte besonders ältere Menschen. "Das ist doch unerhört, dass sie sich ganz nackt sonnen! Und dazu direkt an der Küste, wo normale Leute spazieren", entrüstet sich Stanislawa Borecka, eine 63-jährige Rentnerin.

Das, was manche für skandalös halten, stört andere nicht. "Solange die Nudisten sich auf ihrem Strand sonnen, finde ich alles in Ordnung. Außerdem: Wir haben doch auch in der Nähe einen FKK-Strand, nur zehn Kilometer weiter", sagt Piotr Piskorowski, ein Verkäufer aus Swinoujscie. "Und wenn es jemandem nicht gefällt, muss er ja nicht rübergehen."

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Doch manchmal tauchen die deutschen Nudisten ganz unerwartet auf dem Strand in Swinoujscie auf. Nach Polens Schengenbeitritt wurden nämlich die Schilder, die an die Grenze auf der Insel Usedom erinnerten, weggeräumt. Die Strandgänger überqueren also oft unbewusst den Grenzstreifen. "Ich habe schon mehrmals gesehen, dass ein Nackedei hierher gekommen ist", erzählt Marek, ein Junge, der am Strand Eis verkauft. "Meistens war er schnell wieder weg".

Das Thema, über das die Urlauber sich bisher nur beim Sonnen oder in den Cafés unterhielten, könnte bald internationale Folgen haben. Unter den Besuchern des deutschen Strandes befand sich nämlich auch ein Stadtabgeordneter von Swinoujscie, Edward Zajac, der von manchen auch "Moral-Wächter" genannt wird. Für ihn ist die Anwesenheit der deutschen Nudisten in unmittelbarer Nähe zum polnischen Strand völlig inakzeptabel. "Das ist doch abartig!", wetterte der Stadtabgeordnete der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) bei einer Sitzung des Stadtrates.

Vor einigen Tagen formulierte er eine offizielle Anfrage an den Stadtpräsidenten. Die beste Lösung, so Zajacs, wäre die Verlegung des FKK-Strandes weit von der polnischen Grenze. Falls das unmöglich sei, solle das Gebiet für Nudisten mit einem Sichtschutz abgeschirmt werden.

Die deutschen FKK-Liebhaber reagieren auf Zajacs Empörung mit Lachen. "Wir laden den Mann sehr herzlich an unseren Strand ein", sagt Horst aus Anklam. "Dann kann er sich selbst überzeugen, welchen Spaß es macht, sich nackt zu sonnen und zu baden."

Autor: Monika Stefanek