Offenburg

AfD-Anhänger demonstrieren nach Tötung eines Offenburger Artzes

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Sa, 18. August 2018 um 19:27 Uhr

Südwest

Lautsprecher gegen Gitarrenklänge: 200 bis 300 Anhänger der AfD trafen vor dem Offenburger Rathaus auf ebenso viele Gegendemonstranten. Die Atmosphäre war zeitweise hitzig.

Nach der mutmaßlichen Ermordung eines Offenburger Arztes durch einen somalischen Asylbewerber kam es am Samstagnachmittag zu einer Demonstration der AfD vor dem Offenburger Rathaus, an der laut Polizeiangaben rund 200 bis 300 Menschen teilnahmen. Räumlich getrennt davon die Gegendemonstration, an der ebenso viele Menschen teilnahmen – und dazwischen ein Großaufgebot der Polizei.

Rein äußerlich sind die Teilnehmer des AfD-Lagers gut zu erkennen. Mehrheitlich schwarz gekleidet, viele tragen T-Shirts der in rechten Kreisen beliebten Marke Thor Steinar, viel Frakturschrift ist da zu lesen. Auf einem ist ein Panzer aufgedruckt, darunter der Schriftzug "Lasst die Katzen los" – der Titel eines Lieds der Rechtsrockband "Blitzkrieg". Einige haben Deutschlandfahnen mitgebracht. Aber: Die wenigsten von ihnen kommen tatsächlich aus Offenburg oder Umgebung.

"Der ermordete Arzt ist mir egal. Der eine Mensch ist mir nicht wichtig. Mir geht es darum, dass in dem Land etwas schiefläuft." Stefan Räpple, AfD-Landtagsabgeordneter
Einige sind aus der Schweiz, andere sogar aus der Pfalz angereist. "Wir sind die üblichen Teilnehmer", sagt ein gut 50-jähriger Mann mit pfälzischem Akzent, der seinen Namen nicht nennen will. "Wir sind so eine Art Demo-Touristen. Wir waren schon überall", führt er weiter aus. In Dresden sei die Stimmung aber am besten. "Ich verstehe nicht, dass die Leute hier nicht selbst auf die Straße gehen. " Nach Offenburg kam er über einen Aufruf des AfD-Landtagsabgeordneten Stefan Räpple, einem der Organisatoren der Kundgebung, den er persönlich kenne.

Dieser machte noch kurz vor der Kundgebung klar, was ihn eigentlich antreibt. "Der ermordete Arzt ist mir egal. Der eine Mensch ist mir nicht wichtig. Mir geht es darum, dass in dem Land etwas schiefläuft", sagte Räpple gegenüber der BZ. Dass der getötete Mediziner sich selbst für Flüchtlinge eingesetzt hatte, ficht ihn dabei nicht an. "Das ist so, aber wenn er gewusst hätte, was mit ihm passiert, hätte er sich das anders überlegt", kolportiert Räpple.

Verzicht auf laute Parolen auf der Gegenseite

Es sind solche Aussagen, die Susanne Schmidt-Lossau die Zornesröte ins Gesicht treiben. Sie kannte den Arzt persönlich. "Er hatte seine Praxistüren immer offen für alle. Für ihn gab es keine Rassen oder Hautfarben. Dass eine Partei nun seinen Tod dazu ausnutzt, um Stimmung gegen Ausländer zu machen, macht mich richtig wütend." Auch Daniel Schumacher, ein weiterer Teilnehmer schließt sich dieser Meinung an: "Hier wird einfach politische Propaganda auf dem Rücken eines getöteten Mannes gemacht, der das nie und nimmer unterstützt hätte."



Es ist eine bunte Mischung, die sich gegen die AfD-Anhänger stellt. Junge Menschen, ziemlich viele im mittleren Alter, einige Rentner. Manche haben Gitarren mitgebracht. Doch es fällt ihnen im Verlauf der Demonstration immer schwerer, sich gegen die mit Megaphon und Lautsprecher ausgerüsteten Teilnehmer aus dem rechten Lager durchzusetzen. Man habe absichtlich auf laute Parolen, Megaphone oder Lautsprecher verzichtet, sagt Yannick Hinzmann, einer der Organisatoren der Gegendemonstration. "Aus Respekt vor dem Toten wollen wir das nicht instrumentalisieren und einfach nur schweigen und seiner Gedenken."

Im AfD-Lager wird es dagegen immer hitziger. Ein Mann trägt ein Schild, auf dem er fordert, dass der russische Präsident Wladimir Putin die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel doch in einen Gulag stecken solle. "Volksverräter", grölt die Menge im Chor, als Räpple auf die Rolle Merkels in der Flüchtlingspolitik zu sprechen kommt. Als die Gegendemonstranten den Hippie-Klassiker "We shall overcome" ansummen, kontern die Rechten mit der deutschen Nationalhymne.

Polizei zeigt sich zufrieden

Ein junger Mann des Gegenlagers, Fionn Stacey, dringt in die Nähe Räpples vor und ruft "Herr Räpple, was sagen Sie zu den ganzen Morden und Kinderschändungen, die durch Deutsche begangen werden?" Sofort baut sich ein hochgewachsener Mann mit dunkler Sonnenbrille und russischem Akzent vor ihm auf und drängt ihn an die Seite. Er sei hier für die Sicherheit zuständig, sagt er. Wäre das nicht Aufgabe der Polizei? Nein, er sei dafür da, das Recht der AfD auf ihre Meinungsäußerung sicherzustellen, betont er und schubst Stacey mit seinem Bauch immer weiter weg.

Es ist ein Recht, das die AfD den Gegendemonstranten abspricht. "Das sind keine Demonstranten. Das sind sind Störer. Das ist verfassungswidrig", sagt Stefan Räpple. Worauf er seine Einschätzung stützt bleibt aber unklar. "Die Gegendemonstration ist ordnungsgemäß angemeldet, das ist alles absolut korrekt", sagt Polizeisprecher Rüdiger Schaupp.

Trotz der unerwartet hohen Zahl rechter Demonstranten, bleibt es am Ende dennoch friedlich. Der Einsatzleiter der Polizei, Günther Preis, zeigt sich zufrieden. "Wir haben keine strafbaren Handlungen verzeichnet – und auch die Auflagen wurden von beiden Seiten eingehalten."

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