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03. Juni 2009 17:00 Uhr
Ärger mit der Zirkusfamilie Weisheit
Afrikas Big Circus in Südbaden: ein wanderndes Problem
Die Zirkusfamilie Weisheit reist derzeit unter dem Namen "Afrikas Big Circus" durch Südbaden. Vom Hochrhein bis in den Kreis Emmendingen begleiten Probleme die Gastspiele. In der Branche ist das nichts Neues.
Ärger wegen angeblicher Freikarten und ausgebrochener Elefanten, Streit mit Behörden sowie Etikettenschwindel begleiten seit den 90er Jahren den Weg der Weisheits und ihres unter wechselnden Namen wie "Don Carlos" oder "Monte Carlo" auftretenden Ensembles.
Die jüngsten Querelen gibt es in Waldkirch. Die Weisheits führten "kein ganz unproblematisches Unternehmen", heißt es diplomatisch im Rathaus. Die Zirkusbetreiber haben offenbar ein paar Kniffe angewandt, um auf dem örtlichen Festplatz auftreten zu können. Im Vorfeld wechselten die Angaben zum Programm mit schöner Regelmäßigkeit, wird im Elztal erzählt. Und obwohl angekündigt wurde, es reise nur ein verkleinertes Ensemble an, sei dann eine XL-Version erschienen – wissend, dass der Festplatz dafür viel zu klein ist.
Dazu kommt eine Masche, die zuletzt in Freiburg eine Abmahnung der Verbraucherzentrale nach sich zog. Auch in Waldkirch liegen "Freikarten" aus – mit dem kleingedruckten Hinweis, der Zirkus behalte sich einen Unkostenbeitrag von 5 Euro vor. Außerdem ist auf teils wild geklebten Plakaten von der "Hochseiltruppe Weisheit" zu lesen – ein Name, der mit entfernten Verwandten der Weisheits aus Gotha verbunden wird, die für ihre Drahtseilakte berühmt sind. Mit "Afrikas Big Circus" haben sie aber nichts zu tun. Die Gothaer bestätigen, es gebe rechtliche Schwierigkeiten mit den Namensvettern. Sie haben sich daher "Geschwister Weisheit" als Markenzeichen schützen lassen.
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Waldkirch ist nur ein Beispiel. Zuvor schon gab es zwischen Hochrhein und dem Kreis Emmendingen immer wieder Probleme. In Emmendingen stand der Zirkus unerlaubterweise zuerst im Wasserschutzgebiet. In Schopfheim und Rheinfelden tauchten die Weisheits kurz vor bereits feststehenden Gastspielen von Konkurrenten auf – ein Verhalten, das unter Zirkusleuten als unkollegial gilt. Die Stadt Rheinfelden versuchte den Auftritt zu untersagen. Die Weisheits klagten dagegen erfolgreich vor dem Verwaltungsgericht Freiburg. In Lörrach brach einer der Elefanten aus und demolierte einen Spielplatz.
Zufall oder PR-Gag? In der Vergangenheit machten die Dickhäuter der Weisheits öfters auf diese Art auf sich aufmerksam, wie die Tierschutzorganisation Peta bis ins Jahr 1996 dokumentieren kann. Zu einem besonderes schillernden Vorfall kam es 1997 in Stuttgart. "Wegen der nicht artgerechten Haltung von zwei Mutterstuten mit Fohlen" wollte das Ordnungsamt die Tiere des Zirkus’ "Don Carlos" beschlagnahmen. Hardy Weisheit, der heute mit "Afrikas Big Circus" unterwegs ist, habe zwei Elefanten in Richtung der städtischen Mitarbeiter getrieben, die sich darauf fluchtartig zurückzogen. So steht es in den Gerichtsunterlagen, die der Badischen Zeitung vorliegen. Hardy Weisheit zahlte am Ende eine Geldstrafe von 1600 Mark.
Bei ihren Gastspielen in Südbaden haben sich die Weisheits in der Tierhaltung nichts zuschulden kommen lassen. Das Veterinäramt Emmendingen hatte "nur ganz geringe Beanstandungen". Diese Bewertung decke sich mit den Ergebnissen andernorts, sagt der zuständige Tierarzt.
Ricardo Weisheit, der sich als Pressesprecher von "Afrikas Big Circus" auch Richard Michel nennt, verweist auf diese Ergebnisse: "Wir sind die Tierschützer, nicht die Tierrechtler." Er sieht sich und seine Familie als Opfer von Ämterwillkür und Tierschutzvereinen. Letztere hätten in der Vergangenheit Werbeträger im Wert von 50 000 Euro zerstört. "Diese Leute wollen uns das Leben schwer machen." Die Vorwürfe gegen Hardy Weisheit in Stuttgart seien aufgebauscht. Andere Ereignisse aus der Vergangenheit beträfen Verwandte, aber nicht die Betreiber von "Afrikas Big Circus".
Wie bei ähnlichen Fragen im Zusammenhang mit Gastspielen in anderen Teilen Deutschlands spricht Ricardo Weisheit auch in Südbaden von einer Hetzkampagne – gegen eine Familie, die in der siebten Generation in der Manege zu Hause sei und ums Überleben kämpfe. Insider haben dazu ihre eigene Meinung. "Wenn es nicht anders geht, wird auf die Tränendrüse gedrückt", sagt einer. Die Ursachen für die Kritik am Zirkus sieht er woanders: "Überall, wo diese Leute waren, schlagen die Gemeinden die Hände über dem Kopf zusammen."
Autor: Peter Disch


