Eingepackt

Aktionskünstler packt Burg Rötteln mit roten Luftballons ein

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Fr, 14. September 2018 um 09:57 Uhr

Lörrach

Mehr als 99 Luftballons hat der Künstler Klaus Kipfmüller verwendet: Er lädt auf die Burgruine Rötteln zu seinem Kunstprojekt "Red Balloon: The Tower" ein.

Diesmal wird das Kunstprojekt Klaus Kipfmüllers auf der Burgruine Rötteln nicht unbeachtet bleiben. "Red Balloon: The Tower" ist schon vor Beginn der vier Tage lang zu besichtigenden Aktion ein Blickfang. Kipfmüller hat den Bergfried auf der Oberburg mit rund 5200 roten Luftballons verkleidet und lässt sie abends effektvoll in Licht hüllen. Ein Unterhaltungsprogramm begleitet das Projekt, für das Zelte in der Unterburg aufgestellt wurden, und die Künstlergruppe H’Art stellt in einem Gewölbekeller kunstvoll gestaltete Stelen aus Plexiglas aus.

Video: Luftaufnahmen der Ballon-Kunst



Mit wenigen Ausnahmen gratis zugänglich

Das Projekt ist nach dem geschlossenen Abend am Donnerstag für das Mitarbeitertreffen des Energieversorgungsunternehmens Energiedienst von Freitag, bis Sonntag für die Öffentlichkeit gratis zugänglich. 60 Euro Eintritt kostet es die Besucher nur am Samstagabend. Darin inbegriffen sind Häppchen und Getränke sowie ein Unterhaltungsprogramm: Das Musikduos Oelkrug/Sauter aus Freiburg spielt Tango, Klezmer und Musette, der Magier Magrée zaubert.

1983 hatte Kipfmüller silber lackierte Eierkartons in der Burg ausgelegt. Er meint heute, das Publikum war noch nicht bereit für sein erstes Projekt an dieser Stelle, wie er beim Rundgang am Donnerstag vor der Eröffnung der Aktion gegenüber der BZ feststellte: "Es wurde in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen." Der in Weil am Rhein geborene Künstler initiierte die Gruppe H’Art 1994 in Rheinfelden und widmet sich seit 2004 der konkreten Kunst – mit den Ausdrucksmitteln Malerei, Plastik und Video.

Rote Luftballons beschäftigen Kipfmüller schon lange

Mit roten Luftballons beschäftigt Kipfmüller sich nicht erst seit Dezember 2016, als die Idee geboren wurde, die Burgruine Rötteln mit der Aktion zu bespielen. Kipfmüller arrangierte sie – allerdings in viel kleinerem Rahmen – bereits in einem Park in Laufenburg, auf dem Rhein bei Rheinfelden und auf dem Klosterweiher bei St. Blasien. In den Stunden vor der Eröffnung wird im Gespräch mit dem Künstler deutlich, wie er sich darüber freut, endlich in Lörrach seine Kunst zu zeigen, und dies auch noch in so großem Stil. Die Umsetzung gefällt ihm außerordentlich gut: Als er am Donnerstag hinfuhr und den Turm von weitem sah, "habe ich feuchte Augen gekriegt".

Das sommerliche Wetter spielt mit. Kipfmüller möchte nicht, dass Wind die Ballons tanzen lässt, sie sollen ruhig hängen, damit die Anordnung in Bahnen die Form des Turms betont. Seine Hoffnung scheint sich zu erfüllen, stellt er beim Blick an den Himmel zufrieden fest: "Das ist großes Kino." Die Lichtprobe am Dienstagabend verlief erfolgreich, nur kleine Änderungen werden vorgenommen. Leise Klaviermusik und Grillenzirpen in der Oberburg verstärken die romantische Wirkung der Installation.

Die Burgruine Rötteln soll nicht der letzte Schauplatz für die speziell für die Aktion hergestellten Ballons sein. Sie haben Ventile und bestehen aus Kunststoff, sind also wetterbeständig und wiederverwertbar. Er besitze bereits Ideen für drei weitere mögliche Ausstellungsorte, die allerdings nicht in Lörrach sein sollen, kündigt Kipfmüller an.

Nicht ohne professionelle Unterstützung umzusetzen

Das aufwändige Projekt beinhaltet auch das "Art Village" im Unterdorf und einen Shuttleservice vom Freizeitpark Grütt auf die Burgruine. Bei der Haltestelle beim Jazztone können für Samstag noch etwa 100 Eintrittskarten erworben werden. Die H’Art-Künstler Jean-Claude Houlmann, Volker Scheurer, Dagmar Henneberger, Andreas und Ralf Hilbert von Anra Art Twins, Roland Köpfer und Hansi Vogt halfen zwar beim Aufbau, doch angesichts der großen Dimension hätte Kipfmüller das Projekt nicht ohne professionelle Unterstützung auf die Beine stellen können. Die Kosten dafür näherten sich der Marke von 90 000 Euro, sagte Uwe Claassen, dessen Unternehmen US Innovativa die Aktion veranstaltet. 27 Sponsoren gewann er dafür, so dass er sagen kann: "Auf den Verkauf der Tickets sind wir nicht angewiesen." Energiedienst war am Donnerstag mit 600 Gästen angemeldet, der Freitagabend ist den weiteren Sponsoren mit rund 580 Gästen vorbehalten.
Informationen

Reservierung und Eintrittskarten: bei Uwe Claassen, Telefon 0172/701 76 03, E-Mail uclaassen@ucinnovativa.de

Shuttleservice: Zwischen Freizeitpark Grütt beim Jazztone/Impulsiv und der Burgruine, 18.30 bis 23 Uhr.

Geöffnet für nicht persönlich eingeladene Gäste: Freitag, 11 bis 17 Uhr, Samstag 11 bis 17 Uhr (jeweils gratis) und 17 bis 23 Uhr (60 Euro Eintrittspreis), Sonntag, 11 bis 23 Uhr (gratis).

Infos unter: redballoon-art.com