Bleibt das Wahrzeichen?

Boris Burkhardt

Von Boris Burkhardt

So, 05. August 2018

Albbruck

Der Sonntag Petitionsausschuss des Bundestags unterstützt die Rettung der EISENBAHNBRÜCKE.

11 500 Petitionen behandelt der Petitionsausschuss des Bundestags jährlich. Vier- bis fünfmal im Jahr vereinbart er dazu Ortstermine. Dass einer von diesen wenigen am Dienstag an der 162 Jahre alten Eisenbahnbrücke in Albbruck stattfand, rechnete Bürgermeister Stefan Kaiser den vier Abgeordneten aus ganz Deutschland hoch an.

Begleitet wurden die Parlamentarier von den beiden lokalen Abgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) und Felix Schreiner (CDU). Wie sie in der anschließenden Pressekonferenz im Rathaus bekanntgaben, hatten sich Marian Wendt (CDU, Sachsen), Tobias Pflüger (Die Linke, Freiburg), Udo Schiefner (SPD, Nordrhein-Westfalen) und Gero Storjohann (CDU, Schleswig-Holstein) vom Anliegen der Albbrucker Petition überzeugen lassen. Sie werden der Bundesregierung empfehlen, die historische Eisenbahnbrücke mit Natursteingewölbe als Albbrucker Wahrzeichen nicht abzureißen und durch eine neue Stahlbetonbrücke zu ersetzen, sondern wie von der Deutschen Bahn ursprünglich ins Gespräch gebracht lediglich mit einem neuen Trog zu versehen und aufwendig zu erhalten.

Welche Erfolgschancen diese Empfehlung hat, ließen die Abgeordneten allerdings offen. Laut Storjohann werden etwa ein Drittel der sogenannten Erwägungsempfehlungen des Petitionsausschusses von der Bundesregierung umgesetzt. Die Angelegenheit sei dem Einfluss des Ausschusses nach der Empfehlung entzogen.

Derzeit führt die Bahn bereits Arbeiten an der Brücke durch; die Hochrheinstrecke ist deshalb noch planmäßig bis zum 8. August zwischen Murg und Albbruck gesperrt. Wie von allen Anwesenden auf der Pressekonferenz versichert (auch zwei Bahnvertreter waren im Publikum), haben diese Arbeiten aber noch keine Auswirkung auf die Entscheidung, welche der beiden Möglichkeiten – Neubau oder Sanierung – gewählt wird.

Kostet die Sanierung 11 oder 3,5 Millionen?

Wie allerdings die Empfehlung des Petitionsausschusses noch rechtzeitig eine Wirkung auf den rechtsgültigen Abriss der Brücke haben soll, kann Kaiser dem Sonntag auch nicht wirklich erklären. Feststeht, dass die Bundesregierung die Bahn nur noch "bitten" kann: Juristisch ist diese auf der sicheren Seite. Wollte sie sich dennoch für die Sanierung entscheiden, müssten laut den Ausschussmitgliedern für ein neues Baugesuch bis zum rechtsgültigen Bauentscheid drei bis vier Jahre kalkuliert werden.

Für die Bahn ist aber auch klar, dass die Sanierung teurer werden würde als der Neubau und der Steuerzahler diese Mehrkosten übernehmen müsste. Der Konzern rechnet offiziell mit neun Millionen Euro für einen Neubau und elf Millionen Euro für die Sanierung. Dem widerspricht die Bürgerinitiative (BI) zum Erhalt der Eisenbahnbrücke, die die Petition einreichte, allerdings: Sie errechnete zusammen mit einem Bad Zurzacher Ingenieurbüro für eine Sanierung Kosten von lediglich 3,5 Millionen Euro.

Bei der Pressekonferenz am Dienstag war der Tenor aller Anwesenden inklusive Artur Werner und Bernhard Friedmann von der BI allerdings eher, dem Landesdenkmalamt den Schwarzen Peter für die Situation zuzuschieben. "Ich bedaure, dass das Land die Brücke zum Abriss freigegeben hat", sagte zum Beispiel Rita Schwarzelühr-Sutter.

Laut Bürgermeister Stefan Kaiser hatte das Landesdenkmalamt salopp gesagt argumentiert, dass die Brücke bei der Sanierung so verändert worden wäre, dass sie keinen Denkmalwert mehr hätte und daher genauso gut abgerissen werden könnte. Kaiser ärgerte sich deshalb, dass trotz Einladung vom Landesamt am Dienstag niemand anwesend war. Gespräche mit dem Amt hatten zuletzt im März und Mai 2017 stattgefunden.

Auch wenn die Zukunft der Albbrucker Eisenbahnbrücke so unsicher wie zuvor bleibt, fällt Kaisers Fazit über den Ortsbesuch der Parlamentarier "überaus positiv" aus: "Dass sie überhaupt gekommen sind mitten in der Ferienzeit und auch noch eine einstimmig positive Empfehlung aussprechen, ist mehr als erwartet." Kaiser deutet an, dass es trotz des ehrlichen Interesses der Parlamentarier einiges an Aufwand gekostet habe, sie zum Ortstermin in Albbruck zu bewegen.

Er respektiere den Kampf der BI um die alte Brücke, den die Gemeinde auch immer unterstützt habe. Ihm persönlich sei eine neue Brücke genauso recht, sagt er; da folge er der Argumentation der Bahn, dass ein Neubau auf lange Sicht zukunftsfähiger wäre. Angst um das Wappen der Gemeinde, das eine Steinbrücke mit einem Fluss und zwei Tannen zeigt, hat Kaiser sowieso nicht: Laut Nachforschungen der Gemeinde handle es sich dabei nicht um die Eisenbahnbrücke, sondern um die ältere Brücke wenige Meter flussabwärts neben der ehemaligen Papierfabrik, über die einst die Hochrheinstraße geführt habe.