Alltag, Lebensrealität und virtuelle Räume vermischen sich

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 04. September 2018

Ausstellungen

In seiner Jubiläumsausstellung präsentiert der Kunst Raum Riehen Werke von 20 Künstlern, stellvertretend für die 20 Jahre, in denen es das Ausstellungshaus gibt.

20 Künstler, 20 Positionen sind in der Jubiläumsschau des Kunst Raums Riehen versammelt: ein Künstler für jedes Jahr. Kuratorin Kiki Seiler Michalitsi hat Kunstschaffende eingeladen, die international in Medien wie Malerei, Skulptur, Video, Fotografie, Objektkunst, Installation arbeiten und die in den vergangenen 20 Jahren schon einmal im Ausstellungshaus der Gemeinde Riehen präsent waren.

Doch es sind nicht die Arbeiten von damals zu sehen, sondern neue Werke. Der Blick wird nicht zurück, sondern nach vorne gerichtet, wie immer schon in diesem Forum für zeitgenössische Kunst und experimentelle Avantgarde. Lebensgroß ist die Figur "Vincent" aus rosafarben lackiertem Edelstahl, die dem Besucher vor dem Eingang über den Weg "läuft". Yves Scherer hat den französischen Schauspieler Vincent Cassel nach einer Fotografie aus dem Internet im 3D-Verfahren als Skulptur in Lebensgröße mit Sonnenbrille und in Badehose dargestellt. Überhöht durch die rosa Lackfarbe, thematisiert der in New York lebende Schweizer Künstler in dieser 3D-Figur den Starkult und die neue Ästhetik der Instagram-Gesellschaft.

Der zweite Hingucker folgt im Entree: Die großformatige Fotomontage "The Golden Landscape of Feminism" von Muda Mathis, Sus Zwick und Fränzi Madörin. Die Künstlerinnen und Mitglieder der Band "Les Reines Prochaines" sitzen auf dieser Fotocollage selbstbewusst, uneitel und genüsslich nackt auf einem Sofa und rauchen Zigarren. Das Werk entstand aus einer Performance zur Debatte über Feminismus.

Im Video "The Room" von Annette Amberg schweift die Kamera langsam über die Dinge und das Mobiliar in einem Wohn- und Arbeitsraum und eine auf dem Sofa ausgestreckt liegende Frau, die etwas in einen Laptop eintippt, aus dem Laptop eröffnet sich ein neuer Raum. Alltag, Lebensrealität und virtuelle Räume vermischen sich in dieser Videoarbeit. An der anderen Wand des Gartensaals ist die computergenerierte Animation "Dark Matter II – One Million Years Later" des Basler Künstlerduos Monica Studer und Christoph van der Berg zu sehen: ineinander verschwimmende Bewegungen, zerfließende Formen, Farben, Strukturen und faszinierende Gebilde, die sich stetig verändern.

Im Parterre ragt unter den installativen Arbeiten die monumentale mehrteilige Skulptur von Markus Müller aus Sperrholz mit illusionistischer Ölbemalung auf. Ebenfalls auf die Architektur des Raums geht Kilian Rüthemann in seiner Installation aus Stahlträgern ein. Aus einer Anordnung von weiß glasierten Flaschen, Gefäßen, Tiegeln und Tuben besteht die Bodeninstallation von Tobias Kaspar, der sich kritisch mit der Produkt- und Konsumwelt auseinandersetzt.

Im Medium Fotografie sind ebenfalls spannende Arbeiten zu entdecken, etwa die Fotoarbeiten von Florian Graf, der Eis und Schnee zu assoziativen Bildwelten transformiert. Der chinesische Filmemacher und Fotograf Yang Fudong zeigt in Farbfotografien aus der Serie "The Evergreen Nature of Romantic Stories" junge Frauen und Männer, die Bonsai-Bäumchen und hügelige künstliche Landschaften betrachten. Das Bild "Honey" einer mondänen jungen Chinesin, spielt auf einen Film der 1930er Jahre an. Im Dachgeschoss hat Kaspar Müller eine Installation aus Regalen aufgebaut, auf denen Antiquitäten, Spielzeug, Nippes, und Glasgefäße stehen: Wertloses und Wertvolles nebeneinander.

Info: Ausstellung "20 Jahre Kunst Raum Riehen", bis 28. Oktober, Mi bis Fr 13-18, Sa und So 11-18 Uhr. Kuratorenführungen am 23. September, 16 und 18 Uhr, 18. Oktober, 18.30 Uhr, 28. Oktober, 11 Uhr.