Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. Juli 2012

28 Monate Freiheitsstrafe wegen Untreue und Betrugs

Bankangestellter hat alte Menschen abgezockt

Ehemaliger Bankangestellter wegen Untreue und Betrugs zu Freiheitsstrafe verurteilt.

RHEINFELDEN. Ein heute 54 Jahre alter ehemaliger Bankangestellter ist am Amtsgericht Lörrach zu zwei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe wegen Untreue und Betrugs verurteilt worden. Er hatte von 2006 bis 2008 in 15 Fällen Gelder, die er für Bankkunden anlegen sollte, für sich verwendet. Später hat er noch fünf Privatdarlehen aufgenommen und nicht zurückbezahlt.

"Es waren vor allem alte Leute, die ihm blind vertraut haben, deren Vertrauen er erheblich missbraucht hat", stellte der Vorsitzende des Schöffengerichts, Richter Harald Krohn, in der Urteilsbegründung fest. Die Vorgehensweise war immer dieselbe: Geldanlagen, die fällig wurden, sollten neu angelegt werden. Dazu wurden von den alten Geldanlagen Barauszahlungsquittungen angefertigt, die die Kunden unterschrieben haben. Das Bargeld haben sie allerdings nicht erhalten, das war auch nicht der Sinn der Sache.

Vielmehr sollte das Geld auf die neue Anlage wieder eingezahlt werden. Doch das hat der Bankangestellte nicht gemacht, sondern das Geld tatsächlich bar abgehoben und für sich verwendet. Manchmal waren es nur Teilbeträge, manchmal waren es bis zu drei Abhebungen von einem Konto, das er am Ende auflöste. Insgesamt waren es annähernd 200 000 Euro, die er für sich abzweigte.

Werbung


Im September 2008 flog die Sache auf, der Bankmitarbeiter wurde sofort freigestellt. In der Folgezeit hat er zwei ehemalige Kundinnen aufgesucht und sie um Privatdarlehen von 2000 und 10 000 Euro gebeten und diese erhalten. Von einer Tante lieh er weitere 5000 Euro, von weiteren Verwandten 3000 Euro und 18 400 Euro. Diese Darlehen zahlte er nie zurück.

Die größte Einzelsumme waren 43 000 Euro

Vor Gericht gab der Mann die meisten Vorwürfe zu. Einige jedoch stritt er ab. Deshalb wurden mehrere Zeugen befragt. Dabei ging es unter anderem um die größte Einzelsumme, nämlich 43 000 Euro, die er einem damals weit über 80-jährigen Mann bar ins Altersheim gebracht haben. Doch der inzwischen verstorbene Mann hatte bei der Polizei bekräftigt, das Geld nie erhalten zu haben, was auch dessen 81-jährige Schwester bestätigte. Deshalb waren sich Staatsanwalt und Gericht sicher, dass der Angeklagte auch dieses Geld an sich genommen hat.

Eine 87-jährige Frau bestätigte vor Gericht, dem Angeklagten 10 000 Euro geliehen und nicht zurückerhalten zu haben. Von verschwunden Geldanlagen wusste sie nichts. Doch weil nachweisbar Geld von ihren Konten verschwunden und nirgends wieder aufgetaucht war, wurde der Angeklagte auch wegen dieses Falls verurteilt. Freigesprochen wurde er nur von einem Vorwurf: Hier sollte er 13 000 Euro veruntreut haben, die einem 38-jährigen Mann gehörten. Doch dieser Fall wich von den anderen ab, und bei einem Gespräch, das der 38-Jährige mit dem Bankangestellten geführt und unzulässigerweise aufgezeichnet hatte, sprach manches dafür, dass die Version des Angeklagten stimmte.

Der Angeklagte ist seit mehreren Jahren in psychologischer Behandlung, dennoch kam ein Gutachter zu dem Schluss, seine Schuldfähigkeit sei nicht eingeschränkt. Auch dass er relativ gezielt und geplant vorging, sprach dagegen. Das Geld, sagte er, habe er für die Renovierung des Hauses seiner Frau verwendet, die fast 180 000 Euro gekostet habe. "Ich habe wahnsinnige Schuldgefühle", sagte der Angeklagte vor Gericht. Dennoch hat er bis heute nicht damit begonnen, den Schaden wieder gut zu machen.

Oberstaatsanwalt Otto Bürgelin forderte eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Verteidiger Ludwig Limberger, der die drei bestrittenen Fälle für nicht erwiesen hielt, vertrat die Auffassung, eine zweijährige Freiheitsstrafe sei ausreichend. Diese hätte zur Bewährung ausgesetzt werden können, da der 54-Jährige nicht vorbestraft war. Doch weil ihn das Gericht nur in einem Fall freisprach und 15 Fälle der Untreue und fünf Fälle des Betrugs als erwiesen ansah, verurteilte es ihn zu zwei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe. Da die Strafe zwei Jahre übersteigt, konnte sie nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.

Autor: Thomas Loisl Mink