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21. November 2008 18:13 Uhr
Ein exklusives Objekt sucht seine Zukunft
Altenstift St.Urban steht zum Verkauf – Bewohner wehren sich
Mehr als zwei Drittel der Wohnungen stehen leer, Ärzten wurde gekündigt, und jetzt sollen auch die Bewohner ausziehen. Um die Zukunft des Herderner Altenstift St.Urban ist ein Streit entbrannt.
Das Evangelische Stift sucht Käufer oder Pächter für sein hoch defizitäres Objekt St. Urban in Herdern. Erste Interessenten gibt es. "Es liegt aber noch kein konkretes Angebot vor", sagt Direktor Klaus Eschenburg. 20 von 26 betreuten Seniorenwohnungen stehen leer. Das Stift hat die Vermietung mittlerweile gestoppt. Die sechs verbliebenen Bewohnerinnen wollen jedoch auf dem Areal bleiben – genauso wie die Ärzte und Therapeuten des Therapiezentrums – und haben bereits einen Anwalt eingeschaltet.
Fakt ist: Zum Jahresende schließt, wie berichtet, das Gästehaus in der Jugendstilvilla auf dem Areal, das ebenso wenig wirtschaftlich betrieben werden konnte wie die Vermietung der Wohnungen. Vier Mitarbeitern wurde gekündigt, bei elf weiteren der Zeitvertrag nicht verlängert. Gestern hat es deswegen, so hört man, in St. Urban bittere Tränen gegeben.Offen ist die Zukunft des gesamten Areals. Noch am 11. Oktober hatte der städtische Baureferent Norbert Schröder-Klings bei einer Bürgerversammlung in Herdern erklärt, dass das Stift alle Verkaufsgerüchte "entschieden verneint" habe. Dabei ist bereits am 27. September im Immobilienteil einer bundesweit erscheinenden Tageszeitung eine Chiffre-Anzeige für eine "exklusive Gründerzeitvilla mit Gästehaus" erschienen. Angeboten wurde diese – samt großzügiger Parkanlage mit mehr als 30 000 Quadratmetern in sehr guter Lage in einer nicht namentliche genannten süddeutschen Universitätsstadt – mit dem Zusatz: "Kurzfristig zu verkaufen. Besonders interessant u.a. für Seniorenresidenz, Schulungszentrum, Fonds". Es handelte sich eindeutig um St. Urban. Stiftungsdirektor Eschenburg sagt aber, er wisse nicht, wer die Annonce in die Welt gesetzt hat: "Die Anzeige war von uns nicht autorisiert", erklärt er. Nach den jüngsten BZ-Veröffentlichung über die Krise um St. Urban hätten sich unaufgefordert mehrere Makler gemeldet – und eben auch Interessenten, von denen aber keiner ein konkretes Angebot vorgelegt habe.
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Die verbliebenen Mieter, die mindestens 1500 Euro pro Monat zahlen, sind beunruhigt bis empört. Einzelnen ist schon eine betreute Wohnung des Stifts an der Hermannstraße angeboten worden – die allerdings teurer ist.
Zu den Bewohnern – vier allein lebende Frauen und ein Ehepaar – gehört die Mutter von Rechtsanwalt Klaus Winkler, der alle sechs vertritt. Für seine Mutter sei klar gewesen, dass ihr Wechsel nach St. Urban im Mai 2007 ihr letzter Umzug gewesen sei, sagt Winkler, der in Freiburg vor allem als Vorsitzender des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre bekannt ist. Zudem seien die Miet- und Betreuungsverträge unbefristet: "Es ist nicht fair, dass die Bewohnerinnen überhaupt nicht eingebunden werden, wenn es um die Zukunft des Areals geht."
Laut Winkler würden die Mietverträge auch bei einem Eigentümerwechsel bestehen bleiben. Das gelte auch für die fünf Ärzte und acht Therapeuten des Therapiezentrums St. Urban, die sich eingemietet haben. Auch sie berichten, dass sie erst nach mehreren Anfragen Auskünfte bekommen hätten. "Es ist eigentlich eine Perle hier, und der Zulauf stimmt", sagt die Physiotherapeutin Sybille Flaig, die Missmanagement beklagt: Es sei lange konzeptionell falsch gearbeitet worden.
"Alles ist im Schwebezustand", sagt Stiftungsdirektor Eschenburg. Wegen der Finanz- und Immobilienkrise sei es schwierig, einen Investor zu finden. Das Evangelische Stift werde sich einen Partner suchen, der passt – die gebotene Summe sei nicht das erste Kriterium. Dass ein Teil des Areals an ein gut laufendes Therapiezentrum und die sechs Bewohner vermietet sei, könne sich in den Verhandlungen auch als Vorteil erweisen, meint er.
Das Evangelische Stift hatte das Areal 2004 vom katholischen Orden der Barmherzigen Brüder für zehn Millionen Euro gekauft. Weitere drei Millionen Euro sollen in den Umbau geflossen sein.
Ein Teil des Areals an der Stadtstraße ist mittlerweile an den Bauverein Breisgau verkauft worden, der dort 19 Wohnungen bauen will. Über 45 weitere Wohnungen, die im ehemaligen Wirtschaftsbereich von St. Urban entstehen sollen, wird gerade verhandelt.
Autor: Frank Zimmermann und Joachim Röderer
