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25. Januar 2012 20:06 Uhr
Planung
Altglashütten: 90 Asylbewerber sollen in ein 360-Seelen-Dorf
360 Einwohner zählt der Feldberger Ortsteil Altglashütten – noch. Bald sollen dort auch 90 Asylbewerber untergebracht werden. Im Hochschwarzwald regt sich Protest.
Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald will das Haus Sonnenhang in Feldberg-Altglashütten von der Kur und Reha GmbH Freiburg anmieten und in ihm bis zu 90 Asylbewerber unterbringen. Für das 360 Seelen zählende Dorf wäre dies eine Herausforderung. Die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde Feldberg auf das Vorhaben sind begrenzt. Baurechtlich hat sie keine Handhabe dagegen und versagt sie der erforderlichen Nutzungsänderung ihr Einvernehmen, wird sie vom Regierungspräsidium einfach überstimmt.
Ende November hörte der Gemeinderat erstmals in nichtöffentlicher Sitzung von den Plänen des Landkreises. Hotelier Martin Dünnebacke, der in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem vom Kreis jetzt angemieteten Gebäude ein Vier-Sterne-Hotel führt, sprach am Dienstagabend in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats das Thema an und bezeichnete es als "nicht tragbar, wenn in einem 360-Einwohner-Dorf 90 Asylbewerber untergebracht werden". Das sei so, als wenn in Freiburg plötzlich 70.000 Flüchtlinge einquartiert werden, rechnete er hoch. Die drei unmittelbar benachbarten Gewerbebetriebe, sowohl er als auch der Badische Turnerbund und das Hotel Sommerberg, wollten das Vorgehen des Landkreises "nicht so hinnehmen," meinte Dünnebacke.
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Erfolgsversprechende Aussichten auf ein Veto habe die Gemeinde so gut wie keine, meint Bürgermeister Stefan Wirbser. Auf die Frage, warum die Kur und Reha GmbH ihr Gebäude dem Kreis vermietet und nicht selbst touristisch nutzt, darauf hat auch er keine Antwort. Das Ganze müsse nun pragmatisch angegangen werden. Vielleicht lasse sich der Landkreis bewegen Familien nach Altglashütten einzuweisen, die aufgrund ihrer Herkunft leichter zu integrieren sind. Die Kirchen, der Sportverein und soziale Einrichtungen sind gefragt, um die Integration zu ermöglichen. Außerdem habe der Kreis zugesagt, einen Sozialarbeiter ständig vor Ort zu halten.
Der Landkreis habe die Gemeinde informiert und Sozialdezernentin Eva-Maria Münzer werde in zwei Wochen zur nächsten Gemeinderatssitzung nach Feldberg kommen und Rede und Antwort stehen, teilt Manfred Kocher von der Pressestelle des Landratsamts mit. Der Landkreis steht selbst unter großem Druck und ist in einer prekären Situation. Die Zuweisungen von Asylbewerbern an den Kreis sind von 2010 auf 2011 um 30 Prozent gestiegen. Es fehlt aber an Quartieren für die Unterbringung.
Auf die Gemeindeverwaltung selbst kommt einiges an Mehrarbeit zu. Neben dem Meldewesen sind vor allem soziale Aufgaben zu erledigen. Taschengeld und Essenbons sind auszugeben, die beim Schmidts-Markt in Schluchsee für Frischwaren eingelöst werden können.
Der Mietvertrag für das Haus Sommerberg ist mittlerweile unterschrieben und weist eine Laufzeit über fünf Jahre auf. Seit drei Jahren ist das Haus nicht mehr für medizinische Zwecke der Mutter-Kind-Reha in Nutzung. Damals haben die Krankenkassen neue Anforderungen erhoben, sagt Kur und Reha Prokurist Daniel Hanselmann und es mussten für Mutter und Kind getrennte Schlafräume ausgewiesen werden. Im Stammhaus, dem Haus Feldberg (bekannt als Hirschen) in Altglashütten sind deswegen zwei Millionen Euro investiert worden. Für das Haus Sommerberg mit seinen 25 Räumen hätte das Nachrüsten auf die neuen Anforderungen bedeutet, dass die Kapazität bei nur noch zwölf Zimmern gelegen hätte. Das war für medizinische Zwecke zu klein. Deshalb habe man sich von der eigentlichen Nutzung verabschiedet und versucht einen Jugendbeherbergungsbetrieb zu führen, meint Hanselmann. Auch eine touristische Nutzung mit dem Vermieten von Zimmern war angedacht, doch hier setze die Gemeinnützigkeit diesem Vorhaben enge Grenzen. Schließlich habe die Kur und Reha auch versucht, das Gebäude zu verkaufen. Mit Anzeigen und über Immobilienmakler sei der Verkauf des Gebäudes beworben worden, letztlich vergebens.
Jetzt werde das Haus an den Landkreis vermietet. "Die Leute, die zu uns kommen, müssen ja irgendwo hin", sagt Hanselmann. Er selbst wohnt seit zehn Jahren in Denzlingen gerade einmal 60 Meter von einem Wohnheim für Asylbewerber entfernt und habe noch nie ein Problem gehabt. Das spielt sich sicher auch in Altglashütten ein, bei einer entsprechenden sozialen Begleitung der neuen Einwohner, ist sich Hanselmann sicher.
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Autor: Ralf Morys
