Mobilität

Am Betzenhauser Torplatz müssen Rollstuhlfahrer Zickzackkurs fahren

Daniela Frahm

Von Daniela Frahm

Do, 11. Oktober 2018 um 10:52 Uhr

Freiburg

An der Haltestelle Betzenhauser Torplatz haben Rollstuhlfahrer trotz Nachbesserungen Probleme. "Die Planung ist nicht durchdacht", sagt Rolf Baiker vom Bürgerverein.

Nach Protesten von Behindertenverbänden und Bürgerverein hat die Verkehrs-AG (VAG) den Übergang an der Straßenbahn-Haltestelle Betzenhauser Torplatz an der Sundgauallee nachgebessert: Sie hat einen Teil des Bordsteins zum Gleisbett abgesenkt. Um diese Rampen zu benutzen, müssen Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollator allerdings im Zickzackkurs fahren.

"Die Planung ist nicht durchdacht", findet Rolf Baiker, der Vorsitzende des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde, "eigentlich müssten wir dankbar sein, dass etwas passiert ist, aber es ist nur eine halbe Sache." Die als Verbesserung gedachten sogenannten Nullabsenkungen, kleine Rampen zum Gleisbett, liegen wegen der bereits vorhandenen Bodenmarkierungen für Blinde nicht auf einer Linie mit denen zur Straße hin, sondern versetzt dazu. Die Folge: Rollstuhlfahrer benutzen sie gar nicht, weil sie sie nicht erkennen oder weil sie dann in Schlangenlinien fahren müssen.

Für Anwohner Paul Nieddu ist das kein großes Problem, weil er einen elektrischen Rollstuhl hat, er beobachtet aber immer wieder gefährliche Situationen: "Viele wenden weiterhin im Gleisbett", erzählt er. Diese Technik haben sich einige Rollstuhlfahrer schon länger angewöhnt, um die kleine Schwelle zu überwinden, was sie mit den kleineren Vorderrädern nicht schaffen. Wegen der nahe gelegenen Ernst-Winterer-Wohnanlage für Menschen mit körperlichen Handicaps sind dort viele Rollstuhlfahrer unterwegs, und auch in den privaten Wohnungen leben laut Baiker viele mobilitätseingeschränkte Menschen.

Als vor zwei Jahren die Haltestelle erneuert wurde, haben sie sich über den für sie nicht hürdenfreien Übergang beklagt. Wegen rechtlicher Vorgaben hatte sich die VAG mit dem städtischen Behindertenbeirat für die Bordsteine am Gleisbett auf den "3-cm-Kompromiss" geeinigt. Diese Abstufung soll für Blinde mit dem Stock gerade noch ertastbar und für Rollstuhlfahrer gerade noch überwindbar sein. Da Rollstuhlfahrer damit jedoch Probleme hatten, wurde eine Unterschriftenaktion gestartet. Zur geplanten Übergabe an den Oberbürgermeister kam es jedoch nicht, weil die VAG sich nochmal mit dem Behindertenbeirat, dem Ring der Körperbehinderten, dem Blinden- und Sehbehindertenverband und dem Bürgerverein zusammengesetzt hat.

Das Ergebnis sind die im Auftrag der VAG als eine Art "Pilotprojekt" neu geschaffenen Nullabsenkungen, die von den Verbänden "als Kompromiss abgenickt wurden", wie Norbert Weiß erklärt, Geschäftsführer beim Ring der Körperbehinderten. "Es ist natürlich blöd, dass die Rollstuhlfahrer jetzt einen Schlingerkurs fahren müssen", sagt Weiß, "aber wir haben gesagt: lieber so als gar keine Veränderung."

Es gibt viele Verbesserungsvorschläge

Nach etwa einem Jahr Probezeit wollen sich alle Beteiligten erneut treffen, um eine Bilanz zu ziehen. Rolf Baiker hätte schon jetzt Verbesserungsvorschläge. "Wenn man die Blindenspur schmaler machen würde, könnten sowohl sie als auch Rollstuhlfahrer einen gerade geführten Übergang erhalten", so der Bürgervereinsvorsitzende, "die einen auf der linken Seite der Ampel, die anderen auf der rechten." Dazu müssten seiner Ansicht nach nur die Markierungen für Blinde und Sehbehinderte geändert werden. Baiker wird sich weiter dafür einsetzen, denn auch er sieht an dem belebten Übergang immer wieder "kritische Situationen", wenn Rollstuhlfahrer beim Wenden versehentlich auf die Straße rollen.