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29. April 2011

Aus Spaß am Abenteuer

Menschen und Sport: Peter Aukthun ist nicht nur Gründer der Lahr Miners, sondern auch Spieler, Fotograf und Vieles mehr.

  1. Peter Aukthun im Trikot der Lahr Miners: Den Ball im Griff, und den Blick nach vorn gerichtet. Foto: Privat

FOOTBALL. Der schlanke Spieler mit dem grünen Helm und der Nummer 86 auf dem schwarzen Trikot hebt ab, pflückt den eirunden Ball aus der Luft, klemmt ihn in die Armbeuge und spurtet los. Weit kommt er nicht. Zwei Männer in roter Kluft wuchten die gepolsterten Schultern in seine Körpermitte und rammen ihn auf den Rasen. Peter Aukthun amüsiert sich königlich. "Eine geile Szene. Da hat es dermaßen eingeschlagen." Seine Heiterkeit ist nicht die Schadenfreude eines Unbeteiligten. Er selbst ist jener Spieler mit dem grünen Helm in diesem Internetvideo. Es zeigt die Höhepunkte eines Footballspiels der regionalen französischen Football-Liga zwischen den Haguenau Coyotes und Le Géant de Souffelweyersheim. Für Le Géant zieht Aukthun in den Kampf. Er ist aber auch auf der anderen Rheinseite engagiert. Ohne diesen Mann von 36 Jahren würde in Lahr kein Football gespielt. "Ich bin Mutter und Vater der Lahr Miners. Andere haben dann geholfen das Baby aufzuziehen", sagt er schmunzelnd.

"Ich bin Mutter und

Vater der Lahr Miners."

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Viele Footballspieler hierzulande sind Spätberufene. So auch Peter Aukthun. Mit 27 Jahren zog er sich zum ersten Mal die schwere Panzerung über den Kopf. Damals als Spieler bei den Stuttgart Silver Arrows. In Dresden kam er zur Welt, aber im Raum Stuttgart ist er aufgewachsen, was man gut hören kann. Zuvor war er dort Leichtathlet. Ein etwas krasser Übergang? "Ich habe einen Mannschaftssport gesucht. Etwas ganz anderes als den Laufsport, wo man alleine ist." Herausforderungen hat er offenbar aber auch immer gesucht. So finden sich einige Ultramarathons in der sportlichen Vita des ehemaligen Leichtathleten, der sich eigentlich als Mittelstreckler bezeichnet.

Weil er eine Stammtischwette verlor, nahm er zum Beispiel an einer Alpenüberquerung teil. Zu Fuß von Stuttgart nach Meran, 480 Kilometer in fünf Tagen. "Ein Rucksack mit EC-Karte, Wechselklamotten, Energieriegel, und los ging’s", sagt er lapidar. Gerne erinnert er sich auch an den Desert-Cup in Jordanien, der ihn fast 200 Kilometer durch die Wüste vom Wadi Rum nach Petra führte, oder an den Ötscher Ultramarathon über 73 Kilometer und 3000 Höhenmeter, über den er sagt: "Das war der Beste. Da geht es nicht ums Gewinnen. Sondern um das Abenteuer. Da erlebt man was." In seiner schwäbischen Heimat, genauer gesagt, in Tübingen, lernte er Karin Aukthun aus Allmannsweier kennen, die dort Medizin studierte. Wie das Leben so spielt, zog er dann der Liebe wegen aus dem mittleren Neckarraum in den Schwanauer Ortsteil. Bis zur Hochzeit hörte er übrigens noch auf den Namen Peter Görmer. In der neuen Heimat wollte er weiter Football spielen, fand aber in der näheren Umgebung keinen Verein vor. Also gründete er selbst einen. Bis dahin hatte er noch nie etwas von den Lahr Bengals gehört und ging deshalb zunächst relativ unbelastet an diese Aufgabe heran. Dann lernte er unter anderem auch Raymond Fouillet kennen, der in den 1980er-Jahren die Lahr Bengals aus der Taufe gehoben hatte. Im Spätjahr 2007 begann das Projekt, im April 2008 fand das erste Training der Lahr Miners auf dem Platz des FC Mietersheim statt. Mittlerweile sind die Miners beim SV Kippenheimweiler untergekommen, wo sie einen sportlichen Neuaufbau wagen, nachdem sich das Team im Frühjahr 2010 wegen Spielermangels in seiner zweiten Saison aus der Landesliga zurückziehen musste. Der Routinier Peter Aukthun– 1,85 Zentimeter groß und 83 Kilogramm schwer – ist natürlich immer noch dabei: Als Organisator und als Spieler. Er läuft meist als Wide Receiver (Ballfänger) auf den Platz, hat sich aber auch schon als Quarterback (Spielmacher) oder als Verteidiger versucht. Auch im vergleichsweise hohen Alter von 36 Jahren lässt ihn der Football offenbar nicht los.

Die Härte in diesem Sport hat er akzeptiert, Verletzungen ebenso. "Na, ja. Der Sport ist aber auch sehr technisch. Und man kann viel bewirken, wenn man schneller ist als der Gegner. Der Ballträger kriegt was auf die Klauen, das ist klar." Er hat genug Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht. So zog er sich schon mal einen Mittelhandbruch zu: "Ich habe die Hand in die Maske eines Gegenspielers gekriegt. Der hat dann den Kopf gedreht – und die Hand war ab", sagt er achselzuckend. Auf der Position des Wide Receivers sind Fingerverletzungen ohnehin recht wahrscheinlich, "wenn man nicht gewusst hat, wie man den Ball fängt", fügt er grinsend an.

"Der Ballträger kriegt
immer was auf die
Klauen, das ist ganz klar."

Peter Aukthun kennt den Sport aus der Innen- wie aus der Außenperspektive. An fast jedem Wochenende sitzt er am Rand einer Sportstätte und richtet sein Kameraobjektiv auf Athletinnen und Athleten – als Mitarbeiter der Agentur Actionpress und der Badischen Zeitung. Er ist beim großen Sport zu sehen, zum Beispiel im Freiburger Bundesliga-Stadion und an der Bobbahn in Berchtesgaden, oder in der Region in Sporthallen, auf Plätzen, an Bahnen und Strecken. Feuer gefangen hat er für diese Beschäftigung, als er im Jahr 2005 seinen Schwager, einen Hobby-Fotografen, zur Tour de France in die Pyrenäen begleitete. "Am Freitag runter, im Zelt übernachtet, am Sonntag zurück", berichtet er schnörkellos. "Aus Spaß an der Freude. Und aus Spaß am Abenteuer."

Viel Raum für Müßiggang bleibt Peter Aukthun nicht. Denn er schlüpft in viele Rollen. Sein Brot verdient er sich hauptsächlich als Industriemeister bei der Firma Herrenknecht. Er ist verheiratet mit der Assistenzärztin Karin Aukthun und Vater eines kleinen Sohnes. Sport und Fotografie beanspruchen ebenso seine Zeit. Und in Allmannsweier machte er sich daran, ein Haus zu bauen. Dass er ein ruheloser, unruhiger Typ sei, findet er aber trotzdem nicht. Und macht eine einfache Rechnung auf: "Hier habe ich nur einen Kilometer zur Arbeit. In Stuttgart waren es 40."

Autor: Uwe Schwerer