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16. Januar 2012
American Football
Tebowing - fromm-fröhlicher Unfug aus den USA
Einer betet - und alle machen es nach: Wie die Pose des Football-Stars Tim Tebow zum Massenphänomen und Internet-Hype wurde.
CNN Breaking News: Die E-Mail, die am Sonntagmorgen im Postfach schlummert, verheißt Schwergewichtiges vom amerikanischen Kontinent. Randaliert die nächste Ratingagentur? Treibt ein Massenmörder sein Unwesen? Mischt Sarah Palin den Wahlkampf auf? Nein. Nichts dergleichen. American Football stattdessen. Die New England Patriots schlagen Denver. Und vor allem: Tebow ist raus.
Tebow? Wer zum Teufel soll das sein? Wem dies durch den Kopf schwirrt, der wird vom Teufel prompt in die Irre geführt: Tim Tebow ist der frommste aller Sportler. Heißt es. Dabei ist Frömmigkeit ja eine ziemlich private Angelegenheit. Womöglich – ziemlich sicher sogar – gibt es Athleten, die ihr Leben noch viel mehr in den Dienst ihres Glaubens stellen als Tim Tebow, der jüngst zum populärsten US-Sportler gewählt wurde. Aber sie tun es nicht so penetrant.
Tebow, 24, gefällt sich in der Rolle als "Gottes Quarterback", spricht beharrlich über seinen Glauben und trägt ihn auf dem Spielfeld massiv nach außen – wie jene brasilianischen Fußballer, die sich mit einem auf das Unterhemd gekritzelten "Jesus"-Gruß in die Fernsehkamera bei ihrem obersten Chef bedanken (als ob dieser den Kick-Millionären den Fuß führen würde). Tebow jedenfalls kniet gerne nieder, einen Ellbogen auf dem Knie, den Kopf andächtig gesenkt. Betend offenbar (wobei niemand weiß, ob er nicht doch über ein Rezept für Schokomuffins nachdenkt).
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Die Pose ist ein Markenzeichen geworden, für das es sogar ein eigenes Wort gibt: Tebowing. Wer es bei Google eingibt, stößt auf die stolze Zahl von 27 500 000 Bildern zu dem Thema. Millionen von Teenagern, aber auch erwachsene Melonenverkäufer, Paketausträger oder Nacktmodels erlauben sich den Spaß, sich beim Tebowing fotografieren zu lassen, ungezählte Sportler feiern auf Tebow-Art. Manchmal steckt Verbundenheit dahinter, oft triefende Ironie – und meistens fröhlicher Unfug. Ob das so weit entfernt ist vom originalen Tebowing? Das weiß wohl nur der Meister selbst.
Autor: Karl Heidegger
