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22. Dezember 2010 07:41 Uhr
NFL
Vom Knast ins Rampenlicht: Das Comeback des Michael Vick
Der amerikanische Footballspieler Michael Vick feiert ein sensationelles Comeback – nach anderthalb Jahren im Knast. Momentan gilt er als vielleicht bester Spieler der NFL.
PHILADELPHIA (sid). Bei jedem Wurf, jedem Sprint, jeder Finte sitzt Michael Vick sein härtester Gegner im Nacken. Es sind nicht die 120-Kilo-Kolosse der heranstürmenden Abwehrreihen, die den Quarterback in der National Football League (NFL) Woche für Woche antreiben. Vick kämpft vor allem gegen seine Vergangenheit. Rund 18 Monate saß der Spielmacher wegen seiner Verwicklung in illegale Hundekämpfe im Gefängnis. Momentan gilt er als vielleicht bester Spieler der NFL und rennt so schnell ihn seine freien Füße tragen. "Es geht nicht darum, irgendjemandem etwas zu beweisen. Ich will meinem Team dabei helfen, Spiele zu gewinnen", sagt der 30-Jährige.
Nach bisher zehn Siegen bei vier Niederlagen ist der Einzug in die Playoffs mit den Philadelphia Eagles nur noch Formsache. Vick will nach Dallas. Dort findet am 6. Februar 2011 der Super Bowl statt. Für den Quarterback wäre es ein Triumph mit rund zehnjähriger Verspätung. 2001 nahmen ihn die Atlanta Falcons als ersten Spieler beim jährlichen Draft der besten Nachwuchstalente unter Vertrag. Vick war ein Star, ein Sportheld, ein Idol. Drei Jahre später gab es die Vertragsverlängerung. 130 Millionen Dollar für zehn Jahre. Vick war reich, ein gemachter Mann und verlor zunehmend die Bodenhaftung. Die Unterscheidung zwischen richtig und falsch schien ihm zunehmend schwer zu fallen. Irgendwann organisierte er Hundekämpfe in seinem Garten. Die Tierquälerei brachte ihn im Dezember 2007 schließlich in den Knast.
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Von der NFL suspendiert, von den meisten Fans verachtet und mit einem Bankkonto weit im roten Bereich ging es für Vick nicht mehr in Stadien von New York bis San Francisco. Im Staatsgefängnis von Leavenworth/Kansas gab es Gitterstäbe statt Glitzerwelt, Pritsche statt Partys und Hofgang statt Hummer. Viel blieb dem zuvor Gefeierten nicht – nur sein Talent und der Wille, in die NFL zurückzukehren. Im Mai 2009 kam Vick schließlich frei, zwei Monate später wurden ihm auch die elektronischen Fußfesseln abgenommen. Auch die Liga begnadigte ihn.
Vick schloss sich den Eagles an – und saß zunächst nur auf der Bank. Platzhirsch Donovan McNabb stand in der Hierarchie weit vor ihm, dahinter lauerte der talentierte Ersatzmann Kevin Kolb auf seine Chance. Magere 13 Pässe durfte Vick in seiner Comeback-Saison werfen. Daran schien sich auch nichts zu ändern, als McNabb vor der laufenden Spielzeit nach Washington wechselte. Nun war Kolb Philadelphias Hoffnungsträger. Vick ertrug seine Rolle geduldig. Als Kolb sich verletzte, war er zur Stelle. Wie die lästigen Gegner schien er seine Vergangenheit abzuschütteln.
Der Quarterback scheint besser als je zuvor. McNabb? Kolb? Vick ist der Mann der Stunde. Nicht nur in Philadelphia. Neben Tom Brady (New England Patriots) gilt er als erster Anwärter für die Auszeichnung zum "wertvollsten Spieler" (MVP) der NFL. Comebacks scheinen zur Spezialität des Linkshänders zu werden. Auch die Liebe der Fans ist zurück. Im Weihnachtsgeschäft trugen drei der zehn meistverkauften NFL-Trikots Vicks Namen auf dem Rücken. Dunkelgrün, weiß oder schwarz – Preis: 85 Dollar. Fast wirkt es, als sei Vick nie weg gewesen. Doch der Schein trügt. Von seinem Jahresgehalt in Höhe von 4,1 Millionen Dollar bleiben Vick selbst monatlich nur rund 5000 Dollar. Der Rest wird weiterhin gepfändet. Zudem sorgte Vicks Ankündigung, er wolle sich einen Hund als Haustier zulegen, zuletzt für einen Aufschrei der Empörung. Manchmal ist die Vergangenheit eben doch noch einen Schritt schneller.
Autor: sid
