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28. Juli 2012 15:48 Uhr

Freiburg

Amok-Pager mit Fehlfunktionen

Seit April diesen Jahres sind Freiburgs Schulen mit Pagern ausgerüstet. Bei einem Amoklauf sollen sie damit Notfallmeldungen unabhängig vom Handynetz empfangen können. Doch die Pager funktionieren nicht richtig

  1. Um bei einem Amoklauf unabhängig vom Handynetz agieren zu können, stattet das Land Baden-Württemberg seine Schulen mit Pagern (Piepsern) aus. Einige von ihnen weisen Fehlfunktionen auf. Foto: Ingo Schneider

Die Amok-Pager funktionieren nicht richtig: Zum Teil geben sie grundlos Alarm. Das bestätigte das Kultusministerium auf BZ-Anfrage. Auch Freiburger Schulen sind vom Ministerium über die Fehlfunktion informiert worden; ob es in der Stadt ebenfalls Piepser gibt, bei denen es piept, ist unklar. 4700 Geräte ließ das Land an alle öffentlichen Schulen verteilen, um diese in Krisenfällen warnen zu können – wenn auch nur in bestimmten.

Die Geräte geben im Fall der Fälle einen deutlichen Signalton ab und einen Text wieder, der auf nähere Informationen auf der Webseite http://www.pager-bw.de verweist. Eigentlich. Jetzt ging bei Pagern aber der Alarm runter, obwohl kein Krisenfall vorlag, auf dem Display erschienen kryptische Zeichen. Ende April waren die Geräte an die Schulleiter ausgegeben worden, bisher gingen 111 Fehlermeldungen aus den Regierungsbezirken Freiburg, Karlsruhe und Tübingen im Ministerium ein, wobei einzelne Geräte mehrfach gesponnen haben, sagte eine Sprecherin. "Das sind 2,36 Prozent der ausgegebenen Pager." Dass es sich um Fehlalarme handelt, könne am Text erkannt werden oder auf der Internetseite: Dort stehe, dass keine Warnmeldung vorliege. Doch erstmal bekommen die Schulleiter einen Schreck. Das räumt die Sprecherin des Ministeriums ein, das alle Schulen in den drei von vier Bezirken des Landes informiert hat.

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Der Grund für den Fehler soll im Netzempfang oder in der Programmierung der Geräte liegen. Die zuständige Firma muss nun sehen, ob sie die Funkempfänger anders einstellen kann oder austauschen muss, hieß es im Ministerium, möglicherweise auch großflächig. Das würde auf Garantie und voraussichtlich Ende September erfolgen. Die Schule fängt bereits am 10. September wieder an.

Jede der 75 öffentlichen Schulen in Freiburg hat einen Pager. Sie arbeiten unabhängig vom Handynetz, weil das im Notfall überlastet sein kann. Die Verbindungskosten von etwa 25 000 Euro im Jahr trägt die Stadt, die Stückkosten von 106 Euro das Land. Anlass für Fehlermeldungen war auch ein Piepen für die Batterie. Die muss tatsächlich nach etwa drei Monaten gewechselt werden. In Freiburg war schon die erste leer, was einer Schule auffiel, als sie beim Amokalarm in Kenzingen Mitte Juli nachsah, ob der Pager eine Nachricht anzeigt. Das tat er nicht.

Für einen solchen Fall ist das Gerät auch nicht gedacht, erklärte Alfons Bank vom Regierungspräsidium. Zuvor hatte es Irritationen gegeben, wie es funktioniert: Der Pager dient nicht der Kommunikation zwischen Polizei und Schule, wie viele dachten und Rathaus sowie BZ gemeldet hatten. "Der Pager ist eine Einbahnstraße", sagte Bank: Das Kultusministerium schickt eine Warnmeldung an alle Schulen im Regierungsbezirk raus, aber nur, wenn ein Täter das Schulgelände verlässt "und man befürchten muss, dass die Amoklage sich ausdehnt". Zu den Pagern hatte ein Expertenkreis nach dem Amoklauf von Winnenden geraten: Der Täter hatte in Wendlingen vor einem Autohaus weitere Menschen erschossen; das Handynetz war zusammengebrochen. In einem solchen Fall sollten aber alle Schulen gewarnt werden, sagte Bank, und die Schüler nicht aus dem Haus lassen, bis die Lage geklärt ist. Die Polizei vor Ort kommuniziert im Amokfall davon unabhängig über ihre eigenen Kommunikationswege.

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Autor: Simone Höhl


13 Kommentare

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Daniel Seidl

Registriert seit: 16.02.2011

Kommentare: 14

28. Juli 2012 - 17:12 Uhr

Also das Teil piept erst/nur wenn der Täter "fertig" ist und die Schule verlässt?

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2511

28. Juli 2012 - 17:44 Uhr

Alte Techniker-Weisheit: You get what you pay for!

Wie man bei einem so sensiblen Thema auf Infrastruktur Marke "Billigsdorfer" setzen kann, ist mir vollkommen unverständlich. Die Freiwilligen Feuerwehren oder auch die Bergwacht verwenden z.B. seit Jahrzehnten einsatzerprobte Geräte. Diese dürften aber wohl das Budget dieses politischen Schnellschusses weit überstiegen haben.

Hauptsache man kann den Eltern kommunizieren, seht her, wir tun was...

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Gelöschter Nutzer #914291

Registriert seit: 30.03.2012

Kommentare: 629

28. Juli 2012 - 18:49 Uhr

>>"Seit April diesen Jahres sind Freiburgs Schulen mit Pagern ausgerüstet. Bei einem Amoklauf sollen sie damit Notfallmeldungen unabhängig vom Handynetz versenden können."

Der Pager und damit die Ihn besitzenden Schulen können damit keine Nachrichten SENDEN, sondern nur EMPFANGEN !
Warum wird dieser Fehler in der Überschrift erneut begangen, und dann im Text richtiggestellt ?

@ BZ:
Der Artikel wurde ja vielleicht, wie viele andere in der BZ auch, von einer Volontärin geschrieben, was ja Recht und Gut ist, weil irgendwie muß man ja was lernen.
Aber gegenlesen und besprechen würde nichts schaden, vom einfach falsch machen lassen lernt man nichts !

>>"In Freiburg war schon die erste (Batterie) leer, was einer Schule auffiel, als sie beim Amokalarm in Kenzingen Mitte Juli ... "

Wurde wohl im Pager-User-Seminar vergessen, anzusprechen. Falls nicht: Siehe Schlüssel-Problem in Kenzingen. Im übrigen läßt dies darauf schließen, wie sehr dieses von Experten empfohlene Gerät beachtet wird.

>>"Die Geräte geben im Fall der Fälle einen deutlichen Signalton ab und einen Text wieder, der auf nähere Informationen auf der Webseite http://www.pager-bw.de verweist."

Die Geräte gibt's auch ohne Text, nur als Piepser. Auf den Piepser kleb' ich mir ein Etikett, auf dem die URL steht, dann weiß ich wenn's piepst, wo ich nachgucken muß. Dafür braucht man nicht die offenbar anfälligere und teuerere 'Luxusausführung'. (Siehe auch vorangegangenen Kommentar)

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Ragnar Hagen

Registriert seit: 25.07.2012

Kommentare: 102

28. Juli 2012 - 19:36 Uhr

"Sie arbeiten unabhängig vom Handynetz, weil das im Notfall überlastet sein kann. "

Mal gespannt wann die Herrschafften Experten dahinter kommen das die Dinger über GSM/GPRS Netze funktionieren.... :-)

http://www.unicationgroup.de/e5_rugged_pager.html

"Scall" konnte sich in den 90ern schon nicht durchsetzen und "E*Cityruf wird das auch nich schaffen.

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Robert Neumann

Registriert seit: 04.01.2010

Kommentare: 125

29. Juli 2012 - 10:39 Uhr

... man fragt sich auch, warum die Schulen nicht ein Handy mit einer Vorrangschaltung bekommen, oder noch einfacher, das Handy des Schulleiters entsprechend in eine Liste eingetragen wird. Für den Notruf gibt es ja so eine Vorrangschaltung...
Vor allem hätte er es sicher öfters dabei, als so einen Pager...

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Ragnar Hagen

Registriert seit: 25.07.2012

Kommentare: 102

29. Juli 2012 - 11:23 Uhr

Herr Neumann die Handynetze können im Notfall aber überlastet sein.

Wobei aber Pager und Handy so oder so keine zuverlässigen Mittelchen sind um eine Alarmierung zu gewährleisten (Handy funktioniert ebenso mit störanfälligem GSM/GPRS).Vieleicht sollte man unsere (zum Glück) ungenutzten Sirenen (welche sich zudem oft auch auf Schulgebäuden finden lassen) um ein Signal für Amokläufe erweitern.

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Alexander Maier

Registriert seit: 23.05.2012

Kommentare: 2

29. Juli 2012 - 11:23 Uhr

@ Rangar Hagen:
Die ecityruf Pager arbeiten nicht im GSM Netz. Stattdessen wird das ehemalige Cityruf Netz der Telekom verwendet. Die Übertragung erfolgt per Pocsag verfahren. Technisch gesehen nichts anderes wie die digitale Alarmierung von Feuerwehr und Rettungsdienst im Lkr. Breisgau-Hochschwarzwald.

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Marc Keller

Registriert seit: 02.12.2010

Kommentare: 22

29. Juli 2012 - 13:53 Uhr

Wenn das auch Poscag ist, erklärt sich auch quasi von alleine, warum es ebenfalls nicht zuverlässig funktioniert.
Nur das bei FW und Rettung die Fehlalarme in der Masse der berechtigten Alarme untergehen.

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Michael Riedle

Registriert seit: 17.07.2011

Kommentare: 573

29. Juli 2012 - 16:21 Uhr

Wenn wir mal davon ausgehen dass 90% der Schüler ein Handy dabei haben und wohl ebensoviele Lehrer, ist so ein Pager mal wieder nichts weiter als blinder Aktionismus.....Aber gut, Polikter will wieder gewählt werden und macht sich sicher gut in der Presse....

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Ragnar Hagen

Registriert seit: 25.07.2012

Kommentare: 102

29. Juli 2012 - 17:47 Uhr

Herr Maier im Grunde ist das Netz ja gehoppst wie gesprungen...

Funk ist Funk und somit störanfällig.Herr Keller hat das genau richtig interpretiert.Jeder versierte Amateurfunker ist in der Lage die übermittelten Daten zu empfangen oder zu stören.

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Eric Mühle

Registriert seit: 29.07.2012

Kommentare: 1

29. Juli 2012 - 19:44 Uhr

Es gibt auch Systeme die die die Übertragung verschlüsseln können.
Auch bieten diese die mehrfache Aussendung an. Qualitativ hochwertige Pager können durch Mehrfachauswertung/-empfang die Meldung korrigieren.
Natürlich kann jedes Funksystem durch einen starken Sender gestört werden.

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Manuel Rosenthal-Schöpflin  

Manuel Rosenthal-Schöpflin

Registriert seit: 13.07.2010

Kommentare: 1720

29. Juli 2012 - 23:28 Uhr

Warum denkt niemand an ganz gewöhnliche schnurgebundene Telefone in jedem Klassenzimmer? (Mit der Wartung von akku-betriebenen Schnurlos-Modellen sind die Verantwortlichen wohl überfordert.)
Kosten gleich Null oder max. 5 € pro Stück. Sicherlich haben die Telekom, Siemens und all die anderen Hersteller und Vertreiber genügen Rückläufer.
Nutzbare Leitungen liegen meist schon oder wären im Aufwand vernachlässigbar.
Damit könnten die Lehrkörper nicht nur angepiepst werden, sondern selbst Meldungen durchgeben.

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Gelöschter Nutzer #914291

Registriert seit: 30.03.2012

Kommentare: 629

30. Juli 2012 - 00:00 Uhr

@ Herr MRS,

Ihr Vorschlag hat schon was, aber:

- Das Telefon müßte dann hinter eine Sicherheitsklappe, wg. unbeabsichtigter Nutzung - siehe Kenzingen - !

- Ihr Vorschlag kann nichts taugen, weil er erstens nicht von einem 'Experten' stammt, sondern einem einigermaßen vernünftigen, normalen Menschenverstand entspringt, und zweitens fast nichts kostet. Das kann doch nicht sein !!!!

:-) :-) :-)

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