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14. Dezember 2012 19:08 Uhr

Amoklauf in USA

Amokläufer drang mit Gewalt in US-Grundschule ein

Immer mehr Details zum Amoklauf von Newtown kommen ans Licht. Der Täter drang gewaltsam in die Schule ein. Die Bluttat mit 27 Toten löste weltweit Entsetzen aus. Die USA diskutieren über das Waffenrecht.

  1. Am Freitag erschütterte ein Amoklauf eine Grundschule in Connecticut. Foto: dpa

  2. Am Freitag erschütterte ein Amoklauf eine Grundschule in Connecticut. Foto: AFP

  3. Am Freitag erschütterte ein Amoklauf eine Grundschule in Connecticut. Foto: AFP

  4. Trauer in Newtown Foto: dpa

  5. Am Freitag erschütterte ein Amoklauf eine Grundschule in Connecticut. Foto: dpa

  6. Am Freitag erschütterte ein Amoklauf eine Grundschule in Connecticut. Foto: dpa

  7. Foto: AFP

  8. Foto: dpa

  9. Präsident Obama zeigte sich zutiefst betroffen. Foto: dpa

  10. Trauer in Newtown, Connecticut Foto: AFP

Alle Opfer des Amoklaufs an einer US-Grundschule in Newtown sind identifiziert - die Hintergründe der Bluttat mit 27 Toten bleiben zunächst aber weiter im Dunkeln. Aufschluss erhoffte sich die Polizei von Unterlagen, die im Wohnhaus des Todesschützen sichergestellt wurden. Die Durchsuchung habe "gute Beweise" erbracht, sagte der Sprecher der Polizei im Bundesstaat Connecticut, Paul Vance. Er teilte weiter mit, dass sich der 20-jährige Schütze gewaltsam Zutritt zur Schule verschaffte, die erst vor kurzem ein neues Sicherheitssystem erhalten haben soll.

Die Bluttat löste weltweit Bestürzung aus und entfachte zugleich eine neue Debatte über das Waffenrecht in den USA. Präsident Barack Obama forderte "bedeutsames Handeln, um weitere Tragödien wie diese zu verhindern". Obama werde vermutlich im Laufe der nächsten Tage in die Stadt kommen. Er wolle erst den Familien der Gemeinde Raum "zum privaten Trauern" geben, sagte Senator Richard Blumenthal aus Connecticut dem Sender CNN.

Die Waffen waren auf die Mutter angemeldet

Der Täter hatte in der Kleinstadt Newtown an der Sandy Hook Elementary School nördlich von New York 20 Kinder zwischen fünf und zehn Jahren sowie sechs Erwachsene erschossen, darunter die Rektorin und eine Psychologin. Anschließend nahm er sich das Leben. Seine Mutter wurde ermordet in einer nahe gelegenen Wohnung gefunden. Die drei halbautomatischen Waffen, die in der Schule in der Nähe der Leiche des Schützen entdeckt wurden, waren auf ihren Namen registriert.

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Polizeisprecher Vance sagte zum Täter: "Er hat seinen Eintritt in die Schule erzwungen." Nähere Angaben machte er nicht. US-Medien hatten zuvor berichtet, dass die Grundschule erst in diesem Jahr ein neues Sicherheitssystem eingerichtet hat: Besucher müssen klingeln und erscheinen dann auf einer Sicherheitskamera. Erst wenn jemand innen auf den Türöffner drückt, kann man eintreten.

Der Täter soll Berichten von Nachbarn und Bekannten zufolge in Newtown aufgewachsen sein. Er wird als klug, sehr scheu und introvertiert beschrieben. In jungen Jahren sei er ein Einzelgänger gewesen, erzählte eine frühere Klassenkameradin bei CNN. Nachbarn beschrieben ihn nach Berichten des Senders als merkwürdig. Bei dem Amoklauf soll er ganz in Schwarz gekleidet gewesen sein und eine kugelsichere Weste getragen haben. Er habe sein Auto direkt vor der Eingangstür geparkt, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Vieles ist noch unklar

Widersprüchliche Meldungen gab es über die Mutter des Amokläufers. Viele US-Medien hatten zunächst berichtet, sie sei Lehrerin an der Grundschule gewesen. Daran hatten sich Spekulationen geknüpft, dass es einen Zusammenhang zwischen der Tätigkeit der Mutter und dem Motiv des Schützen gebe. Dem Sender ABC zufolge steht sie nach Angaben des Schulbezirks Newtown aber nicht auf der Liste des Lehrpersonals. Das schließe jedoch nicht aus, dass sie Ersatzlehrerin gewesen sei.

Unklar blieb zunächst auch, wann genau sie getötet wurde. Auch war noch nicht offiziell geklärt, ob der Amokläufer ebenfalls für ihren Tod verantwortlich ist. Der junge Mann soll bei seiner geschiedenen Mutter gewohnt haben, hieß es in Medienberichten. Demnach wurden auch der in New Jersey lebende Bruder und der Vater befragt.

Die Leichen der Opfer wurden inzwischen aus der Schule gebracht. Sobald ihre Untersuchung abgeschlossen sei, würden Namen und Alter veröffentlicht, sagte die Polizei. Die Angehörigen der Opfer hätten darum gebeten, dass ihre Privatsphäre respektiert werde.

Das Verbrechen geschah kurz nach Schulbeginn am Freitagmorgen (Ortszeit). Nach Berichten von Augenzeugen gab der Amokläufer bis zu 100 Schüsse ab. "Ich habe Kugeln gesehen, die an mir vorbeigeflogen sind, und dann hat mich eine Lehrerin geschnappt und in einen Klassenraum gezogen", beschrieb ein Junge die Vorgänge in der Schule. Seine Mutter hielt ihn im Arm. "Die Lehrerin hat sein Leben gerettet, da bin ich sicher", sagte sie und weinte. "Mein Kind will am Montag nicht wieder in die Schule gehen", sagte ein Vater, dessen achtjährige Tochter überlebt hat. "Sie fragt mich ständig, wann das wieder passiert."

Die USA sind tief erschüttert

Amerika steht nach der Gräueltat unter Schock, Politiker suchten nach Worten. Obama bekräftigte in seiner Rundfunkansprache, derartige Tragödien passierten zu häufig in den USA. Seien es die Blutbäder wie jetzt in der Grundschule in Newtown oder Schießereien an zahllosen Straßenecken in Städten wie Chicago oder Philadelphia: "Alle diese Orte könnten unser eigener sein", sagte der Präsident.

Der Gouverneur des Bundesstaates Connecticut, Dan Malloy, sagte: "Das Böse hat unsere Gemeinde besucht. Es ist eine schreckliche Zeit." An allen öffentlichen Gebäuden in den USA wurden die Flaggen auf halbmast gesenkt. Vor der Einfahrt der Grundschule in Newtown lagen Dutzende Blumensträuße und Karten. Bereits am Freitagabend hatten sich mehrere hundert Menschen in einer Kirche zu einer Andacht versammelt.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte ihr Mitgefühl. "Die Nachrichten aus Newtown machen mich tieftraurig. Wieder einmal stehen wir voller Entsetzen vor einer Tat, die wir nicht begreifen können", erklärte Merkel in einer am Samstag verbreiteten Mitteilung. Bundespräsident Joachim Gauck sprach in einem Brief an Präsident Obama seine Anteilnahme aus. Papst Benedikt XVI. bezeichnete den Amoklauf als "sinnlose Tragödie".

Das Blutbad an der Sandy Hook Elementary School gehört zu den schlimmsten Amokläufen an amerikanischen Bildungseinrichtungen. Beim berüchtigten Massaker von Columbine waren 1999 in Colorado außer den Tätern zwölf Menschen ums Leben gekommen, der Attentäter bei der Batman-Premiere in Aurora hatte im Juli dieses Jahres ebenfalls zwölf Menschen getötet.

Vor der Trauerfeier und wenige Stunde vor der Ankunft Obamas sorgte die Räumung einer vollbesetzten Kirche in Newtown für Aufregung. Die Polizei betätigte einen Drohanruf. "Die Kirche war zu diesem Zeitpunkt voll besetzt, wie eigentlich immer seit dem Amoklauf", sagte Kirchensprecher Brian Wallis. "Alle Gläubigen haben das Gotteshaus ruhig und mit großen Verantwortungsbewusstsein geräumt. Ich kann jetzt beruhigt sagen, dass alle sicher zu Hause angekommen sind."
Nach dem Amoklauf sei das ein neuer Schlag für die kleine Gemeinde. "Die Menschen haben eigentlich Heilung gesucht. Diese Bedrohung war wirklich das letzte, was sie jetzt noch gebraucht haben." Wallis sagte, dass die Kirche am Sonntag nicht wieder geöffnet werde.Ein Sondereinsatzkommando rückte mit einem Spezialfahrzeug an. Nach etwa einer halben Stunde verließen die Spezialisten die Kirche wieder. Das Gelände, rund einen Kilometer vom Tatort entfernt, blieb von der Polizei abgesperrt.

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Autor: AFP, dpa, Jens Schmitz, aktualisiert am 16. Dezember 2012, 20.10 Uhr