Gotthilf Fischer zum 90.

ANGERISSEN: Böse Menschen haben keine Lieder

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Sa, 10. Februar 2018

Rock & Pop

Das muss man erst mal schaffen, ganze Chöre nach dem eigenen Namen zu benennen. Gut, Bachchöre gibt’s zuhauf, aber die entstanden alle erst post mortem – nach dem Tod ihres Namenspatrons. Gotthilf Fischer dagegen, der am 11. Februar seinen 90. Geburtstag feiern darf, versammelte irdische Chorscharen unter seinem Namen. Immer im Plural – Fischer-Chöre. Das hängt natürlich damit zusammen, dass der 1928 in Plochingen geborene schwäbische Zimmermeisterssohn vom Massenmedium Fernsehen in dessen Blütezeiten großgemacht wurde. Wo man singt, da lass’ dich ruhig nieder. Und weil die Nachkriegsdeutschen beweisen wollten, dass sie keine bösen Menschen waren, musste auch Chorgesang in die Shows. 1969 wurde Fischer durch Wim Thoelkes Sendung "Drei mal Neun" bekannt, es folgte der beispiellose vokale Durchmarsch von Fischers Chören durch alle Kanäle. Bis hinein in den Petersdom. Da waren es nur 300 bis 400 Sängerinnen und Sänger. Vor dem Endspiel der Fußball-WM 1974 in München hatte Fischer angeblich 1500 Vokalisten auf dem Rasen im Olympiastadion versammelt – nachgezählt haben wir es nicht. Was seine Popularität ausmachte? Er traf den Zeitgeist der Vor-68er und setzte einen volkstümlichen Kontrapunkt zu Rock und Pop. Und er brachte die Menschen zum Singen. Es gibt wahrlich Schlechteres.