Ludwig Güttler zum 75.

ANGERISSEN: Trompete und Steine

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mi, 13. Juni 2018

Klassik

Die Denunziationen waren heftig damals nach der Wende. "Wie ein Mühlenstein am Hals" wögen die Vorwürfe der Stasi-Spitzelei gegen Ludwig Güttler, schrieb die Zeit 1994. Dabei waren diese schon 1992 entkräftet. Die Akte mit dem Decknamen "Friedrich" sei 1983, nach vier Jahren, gelöscht worden. Weil der DDR-Startrompeter mit dem Privileg der Westauftritte keine brauchbaren Informationen geliefert habe. Mehr noch: Er habe drei Anwerbungsversuche der Stasi abgelehnt.

Steine sollten dennoch eine entscheidende Rolle spielen im Leben des aus dem Erzgebirge stammenden Trompeters, der heute seinen 75. Geburtstag feiern darf: die der Dresdener Frauenkirche. Wer die Stadt vor der Wende 1989 besucht hatte, bekam von den offiziellen "Stadtbilderklärern" des DDR-Staates gesagt, die Ruine dieses 1945 zerstörten Zeugnisses des protestantischen, nicht-höfischen Dresdens bleibe bestehen: als Mahnmal gegen den Krieg. Ludwig Güttler gehörte zu denen, die sich früh für einen Wiederaufbau starkmachten. Nicht nur mit Worten und als Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden. Sondern mit Taten. Rund 1500 Konzerte sollen es gewesen sein, in denen Güttler Geld für ein Projekt sammelte, über das keineswegs Konsens bestand. 180 Millionen Euro kostete der Wiederaufbau, 115 Millionen davon gingen weltweit als Spenden ein. Wie viel davon Ludwig Güttler einspielte, ist nicht bekannt – aber mehr als ein symbolischer Akt war es allemal.

Zum 70. Geburtstag hatte er noch in der Frauenkirche ein Konzert gegeben, dieses Mal wird es ruhiger werden. Obwohl der Weltstar, der seine Karriere als Solotrompeter bei den Dresdener Philharmonikern begonnen hatte, in einem Interview aktuell von 77 Auftritten in diesem Jahr sprach. Dass Lippenspannung und ordentliche atü Druck bei großen Trompetern im Alter kein Problem darstellen, hatte schon ein Maurice André bewiesen.