Weihnachtsmarkt-Angriff

Anschlag in Straßburg: Was wir wissen – und was nicht

dpa, bz

Von dpa & BZ-Redaktion

Mi, 12. Dezember 2018 um 21:16 Uhr

Ausland

Bei dem mutmaßlichen Terroranschlag in Straßburg sind zwei Menschen getötet und mindestens zwölf verletzt worden. Ermittler legen sich zu einem Motiv des Attentäters nicht fest. Ein Überblick.

Was ist bisher bekannt?

Die Tat: Am Dienstagabend gegen 20 Uhr eröffnet ein Mann in der weihnachtlich geschmückten Straßburger Innenstadt das Feuer. Später greift er auch Menschen mit einem Messer an. Dabei tötete er zwei Menschen und verletzte weitere. Zeugen zufolge habe der Angreifer "Allahu Akbar" (Allah ist groß) gerufen, sagt der Pariser Antiterror-Staatsanwalt Rémi Heitz. Angesichts des Zielorts, seiner Vorgehensweise und der Zeugenaussagen habe die Antiterrorabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Der Täter sei vor seiner Flucht von Soldaten verletzt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft entkam er mit einem gestohlenen Taxi. Mehr als 600 Einsatzkräfte und mehrere Hubschrauber seien an der Fahndung beteiligt, hieß es.

Es ist nicht das erste Mal, dass der berühmte Straßburger Weihnachtsmarkt mit jährlich rund zwei Millionen Besuchern zur Zielscheibe wurde: Bereits im Dezember 2000 hatten Islamisten ihn ins Visier genommen. Sie wollten mit einem zum Sprengsatz umgebauten Schnellkochtopf ein Blutbad anrichten. Der von Deutschland aus vorbereitete Anschlag der sogenannten Frankfurter Zelle wurde aber knapp vereitelt. Vier Männer wurden später in Frankfurt am Main zu Haftstrafen von zehn bis zwölf Jahren verurteilt.

Der Täter: Der mutmaßliche Angreifer stammt nach offiziellen Angaben aus Straßburg. Es handelt sich um einen französischen Staatsbürger mit nordafrikanischen Wurzeln. Der 29-jährige Chérif C. wurde nach Kenntnis der deutschen Justiz bereits wegen etlicher Diebstähle in Frankreich, der Schweiz und in Deutschland verurteilt, so vom Amtsgericht Singen. Er saß mehrfach in Haft.

Sein Umfeld: Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass der mutmaßliche Attentäter von Straßburg zusammen mit seinem 34 Jahre alten Bruder Sami C. auf der Flucht ist. Beide gelten demnach als islamistisch radikalisiert. Nach einem Bericht des Berliner Tagesspiegel wohnten sie in Straßburg. Die Brüder würden dem Islamistenmilieu zugerechnet, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte der Zeitung.

Ermittler haben derweil vier Menschen aus dem Umfeld des Tatverdächtigen Chérif C. in Gewahrsam genommen.

Die Opfer: Bei dem Anschlag wurden zwei Menschen getötet. Eine weitere Person ist nach Angaben des Pariser Antiterror-Staatsanwalts Rémi Heitz hirntot. Zwölf Menschen wurden verletzt, sechs von ihnen sehr schwer. Die Angaben schwankten im Laufe des Tages.

Eines der Todesopfer ist ein Tourist aus Thailand. Laut dem Außenministerium in Bangkok handelt es sich um einen 45 Jahre alten Mann, der zusammen mit seiner Frau zu einem Urlaub in Frankreich war. Nach Medienberichten starb er durch einen Schuss in den Kopf. Unter den Verletzten ist auch ein italienischer Radiojournalist, wie ein Sprecher des Außenministeriums der dpa bestätigte. Nach jetziger Kenntnis des Auswärtigen Amtes sind keine Deutschen unter den Opfern. Eine der verletzten Personen hatte sich nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner dem Attentäter entgegengestellt und war von ihm niedergestochen worden.

Was ist noch offen?

Der Täter: Der Aufenthaltsort des Täters war am Mittwoch nicht bekannt. Die französische Regierung schließt nicht aus, dass der Straßburger Attentäter nach Deutschland geflüchtet sein könnte – womöglich zusammen mit seinem Bruder Sami. Die Bundespolizei kontrolliert deshalb mehrere Grenzübergänge von Deutschland nach Frankreich. Hinzu kommen laut Bundespolizei Fahrzeugkontrollen im grenznahen Bereich.

Das Motiv: Die Ermittler in Frankreich gehen von einem terroristischen Hintergrund aus. . Der Tatverdächtige sei mehrfach im Gefängnis gewesen. Dort sei auch eine Radikalisierung festgestellt worden, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez. Zuvor war bekannt geworden, dass der Täter in der Sicherheitsakte "Fiche S" geführt wurde – einer Liste von Personen, die verdächtigt werden, radikalisiert zu sein. In Deutschland war der mutmaßliche Attentäter nicht als islamistischer Gefährder bekannt.

Das Motiv für den Angriff auf den Straßburger Weihnachtsmarkt könnte auch Rache gewesen sein, spekulierte der Tagesspiegel unter Berufung auf Sicherheitskreise. Möglicherweise habe der 29-Jährige auf den Versuch seiner Festnahme durch die Polizei in Straßburg spontan reagiert. Den französischen Sicherheitsbehörden sei keine Vorbereitung eines Anschlags in Straßburg bekannt gewesen.

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