BZ-Interview

Ein Freiburger hat den offiziellen Song der Vierschanzentournee geschrieben

Christian Engel

Von Christian Engel

Fr, 05. Januar 2018 um 19:05 Uhr

Freiburg

Am Samstag endet die Vierschanzentournee mit dem Dreikönigsspringen in Bischofshofen. Den Song des Skisprung-Events hat Ansgar Huppertz aus Freiburg geschrieben – zum fünften Mal.

BZ: Glückwunsch zur fünften Teilnahme an der Vierschanzentournee.
Huppertz (lacht): Ihre Frage klingt ja beinahe so, als würde ich selber mitspringen. Das würde ich mich im Leben nicht trauen. Ich stand bereits öfter oben auf den Schanzen in Oberstdorf und Innsbruck. Da kriegt man allein schon flatternde Knie, wenn man nur runterschaut.

BZ: Viel lieber stehen Sie unten im Stadion, dort, wo ihr Song live performt wird oder aus den Lautsprechern kommt.
Huppertz: Eindeutig der bessere Ort für mich. In Oberstdorf, zum Tourneeauftakt vor einer Woche, wurde "Look up" erstmals live gespielt. Zur Eröffnungsshow kamen 4000 Zuschauer, zudem Pressevertreter aus aller Welt, Funktionäre, Sportler. Vor dem ersten Akkord war ich sehr angespannt. Klappt das Mikro? Läuft die Technik? Wie kommt der Song an? Nach ein paar Takten wusste ich: Er funktioniert. Am Ende schwenkte das Publikum Fähnchen, jubelte, ich bekam Komplimente – und konnte durchatmen ...

BZ: ... vor allem weil Sie zuvor ja auch die eine oder andere Stunde Arbeit in das Projekt gesteckt hatten.
Huppertz: Oh je, die Anzahl der Arbeitsstunden würde ich gar nicht mehr zusammenbekommen. Der aktuelle Tournee-Song entwickelte sich in einem langen Arbeitsprozess. Im Frühjahr saß ich am Piano, klimperte vor mich hin, da kam mir die Melodie für die Strophe und dann für den Refrain. Mein Kompositionspartner Jan Leube aus Oberried schrieb mir daraufhin den Text, gegen August traf ich mich mit Fabrizio Levita, den ich als Sänger für das Lied gewinnen konnte.


BZ: Und schon war der Song im Kasten.
Huppertz: Wenn’s nur so leicht wäre. Erst einmal schickte ich der Tournee-Organisation eine Demo. Die fanden die Richtung gut, anschließend reifte das Lied einige Wochen, wir gingen zig Male ins Studio. Erst Anfang Dezember war alles fertig. Auf das Ergebnis bin ich stolz, auch darauf, dass es mein bisher fünfter Tournee-Song ist, ein kleines Jubiläum also.

BZ: Wie kam es überhaupt so weit?
Huppertz: 2011 schlug ich dem Veranstalter des Springens in Innsbruck einen Song für sein Event vor. Er fand’s toll, ich lieferte die Musik – und er setzte sich für einen offiziellen Tournee-Song ein ...

BZ: ... den Sie seit 2013 immer schreiben dürfen.
Huppertz: Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht, ich habe keinen Vertrag auf Lebenszeit. Aber ich kenne die Abläufe mittlerweile gut, die Veranstalter kennen mich. Und ich komme jeden Frühsommer zuverlässig mit einer Songidee um die Ecke, die sie bisher immer gut fanden. Obwohl: ein Mal nicht.

BZ: Erzählen Sie.
Huppertz: Der einzige Song auf Deutsch hieß "Wenn es brennt", 2015/16 war das. Der war in der ersten Version sehr volkstümlich. Das war den Veranstaltern zu viel. Also schrieb ich ihn komplett um. Es ist nicht leicht, den richtigen Ton für die Vierschanzentournee zu treffen, für eine traditionelle Veranstaltung, die auch den Ansprüchen der Moderne gerecht werden will.

BZ: Der aktuelle Song, "Look up", ist sehr poppig, gegen Ende gar hymnenhaft. Welcher Sound schwebt Ihnen für die kommende Tour vor – schon eine Idee?
Huppertz: Heavy-Metall wird’s jedenfalls nicht, auch wenn ich ein riesiger Fan bin. Ich habe noch keine konkrete Idee.

BZ: Und Sie haben keine Angst, dass das Notenblatt mal leer bleiben könnte?
Huppertz: Nein. Ich habe so viele Melodien im Kopf, zudem liegen in meiner Schublade knapp 200 unausgereifte Songideen. Angst hätte ich höchstens, wenn ich von einer Schanze springen müsste.
Zur Person

Ansgar Huppertz, 46, ist in Freiburg zur Welt gekommen, in Oberried aufgewachsen. In Freiburg hat er ein eigenes Tonstudio, in dem er in erster Linie Radio- und Werbespots produziert. Infos zu ihm und seinen Tournee-Songs gibt es auf http://www.tspmusic.de