Freiburg-Rieselfeld

Anwohner zeigen die VAG wegen lauter Straßenbahnen an

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Sa, 23. Juni 2018 um 13:17 Uhr

Freiburg

Anwohner der Wendeschleife in Rieselfeld haben die VAG wegen Lärmbelästigung angezeigt. Die Betroffenen beklagen ein extremes Quietschen der Straßenbahnen in ihrer Kurve und ein neues Problem.

Die Klimaanlagen lärmen – vor allem beim neuen Tramtyp Urbos. "Die Nerven der Leute um die Wendeschleife liegen blank", sagt Georg Schneider; seine Frau Ursula und Willi Kolbe nicken. Die Drei wohnen im Haus mitten in der Wendeschleife und haben mit gut 20 Nachbarn Anzeige erstattet (Kommentar). Das Quietschproblem ist das eine, erklärt Schneider (67), das hatte die VAG nach einer Anzeige eines Anwohners am Lindenwäldle vergangenes Jahr eigentlich entschärft, auch in Rieselfeld. Bis Anfang Mai, sagt Kolbe (77): "Da fing dieser wahnsinnige Krach an, und als es wärmer wurde, kamen die Klimaanlagen dazu."

Immer mehr Trams mit Klimaanlagen

Die Stadtbahnen parken in der Pause in der Schleife. Fährt eine ab, kommt die nächste. Teils liefen die Klimaanlagen auf vollen Touren, sagen die Anwohner – der Dauerstress gehe an die Gesundheit. Bis 2015 fuhren in der Stadt nur zehn neuere Combinos mit je zwei Klimaanlagen an Bord. Dann kamen zwölf Urbos hinzu, mit je drei Aggregaten. Fünf weitere Urbos hat die VAG bestellt. Ursula Schneider, 67, steht auf dem Balkon, auf dem ein Brummen zu hören ist.

Es ist laut, aber nicht extrem. Allerdings habe das Schallpegelmessgerät am Geländer schon Spitzen von 80 Dezibel aufgezeichnet – so laut wie ein vorbeifahrender Lastwagen. Im Wohngebiet seien tags nur 50 Dezibel erlaubt, sagen die Nachbarn. Sie fordern, dass die VAG morgens und abends nur ältere, nicht klimatisierte Bahnen einsetzt, die Schleife schmiert, sich an Tempo 10 hält und die Klimaanlagen in den Pausen runterfährt. Das sei technisch machbar, sagt Ingenieur Schneider .



Gleich nach ihrer Anzeige sei geschmiert und der alte Fuhrpark verstärkt eingesetzt worden, meinen die Drei. Seit 2016 sprächen sie mit der VAG; doch müssten sie erst zur Polizei, damit’s läuft: "Unverschämtheit", findet Kolbe.

Die VAG habe nach der Anzeige keine anderen Bahnen eingesetzt, sagt dagegen Sprecher Andreas Hildebrandt. Und seit der Lindenwäldle-Anzeige schmiere sie täglich alle Gleiskurven. Allerdings testete sie im Rieselfeld zuletzt ein anderes Mittel, das nicht gut wirkte. Laut VAG halten sich ihre Fahrer ans Tempolimit in der Wendeschleife, das werde überprüft. "Hinsichtlich einer Regelmöglichkeit der Klimaanlage sind wir seit längerem im Austausch mit dem Hersteller", so Hildebrandt. Ob und wann das was wird, ist unklar. Bisher kann man sie nur mit der ganzen Bahn abstellen, und beim Neustart durchläuft sie lange Prüfroutinen. Das gehe nur morgens im Depot.



Ein Grenzwert von 50 Dezibel gelte für Straßenbahnen nicht, sagt die VAG. Bei Verkehrslärm greife das Bundesimmissionsschutzgesetz, die VAG liege unter den Auslösewerten. Die betragen im Wohngebiet tags 67 und nachts 57 Dezibel; ausschlaggebend seien dabei nicht Spitzen, sondern Mittelwerte über eine bestimmte Zeit. Im Lindenwäldle-Fall hatte ein Gutachter die Einhaltung bestätigt. Die Ermittlungen wurden eingestellt.

Gleichwohl investiert die VAG: Sie baute einem Combino eine Pilotanlage zum Schmieren gegen das Quietschen ein und ist mit dem Test zufrieden. "Bis Ende des Jahres sollen alle 18 Combinos eine Schienenkopfkonditionierungsanlage haben, danach geht es voraussichtlich mit den Urbos weiter", sagt der Sprecher der VAG. Die rechnet mit Gesamtkosten von bis zu 200.000 Euro. Die neuen Urbos schmieren serienmäßig.

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