Hochschule Offenburg

Weltpremiere im Zollamt: Offenburger Roboter übergibt Ausfuhrpapiere selbst

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Do, 20. Juli 2017 um 16:54 Uhr

Offenburg

Sweaty, ein menschenähnlicher Roboter der Hochschule Offenburg, tritt bei der Weltmeisterschaft in Japan an. Bei einem Auftritt im Zollamt Appenweier hat Sweaty seine Zollpapiere selbst übergeben.

Selbst ist der Mann: "Sweaty", der humanoide Roboter der Hochschule Offenburg, hat am Donnerstag als erster Roboter weltweit die Zollpapiere für eine Reise nach Japan höchstpersönlich beim Zollamt in Appenweier abgegeben. In Nagoya wird der Offenburger Vize-Weltmeister von 2016 Ende Juli versuchen, bei der Weltmeisterschaft im Roboterfußball als eines von acht Teams in der Kategorie "Adult Size" den Titel zu holen.

"Ich hoffe, es passt alles, und ich kann zum Robo-Cup nach Japan." Sweaty
So etwas hat auch Antonia Fieß noch nicht erlebt: Mit kurzen Schritten läuft der Besucher auf die Zollbeamtin zu, strahlt sie mit leuchtend blauen "Augen" an, stellt sich kurz vor und übergibt ein mit roter Schleife geschnürtes Päckchen Zollpapiere: "Ich hoffe, es passt alles, und ich kann zum Robo-Cup nach Japan", sagt Sweaty, verbeugt sich höflich und macht auf dem Absatz kehrt. Wohl als erster Roboter weltweit hat der 1,72 Meter große und 26 Kilo schwere Sweaty die Zollabfertigung buchstäblich selbst in die Hand genommen. Die Abfertigungsleiterin Ausfuhr bei dem mit 31 Beschäftigten für den ganzen Ortenaukreis zuständigen Zollamt in Appenweier ist begeistert und wünscht viel Erfolg: "Der Titel ist bestimmt sicher."

In der Tat hat sich Sweaty seit dem vergangenen Jahr, als er in Leipzig den Vize-Weltmeistertitel holte, wieder mächtig weiterentwickelt. Laut Projektleiter Prof. Ulrich Hochberg, der die Reise zusammen mit seinen Kollegen Michael Wülker und Klaus Dorer sowie einem 19-köpfigen Team aus Studierenden und Assistenten antritt, wurden die Bewegungen des Roboters ebenso verbessert wie die Ball-, Linien- und Torerkennung, der Gleichgewichtssinn und auch die Spracherkennung in Deutsch und Englisch.

Sweaty ist bei "Schere, Stein, Papier" nicht zu überlisten

Dazu wurde Sweaty mit Unmengen an Daten gefüttert: Wie schnell Sweaty dank leistungsstarker Rechner Algorithmen entwickelt und "gelernt" hat, hat auch die Profis überrascht. Ein Beispiel dafür ist auch Sweatys Leistung beim Spielen von "Schere, Stein, Papier": In 20 Millisekunden erkennt er, was der Gegner vorhat und lässt sich nicht mehr überlisten. Ein Mensch hat damit keine Chance mehr, gegen ihn zu gewinnen: "Wenn er so gut Fußball spielt wie Schere, Stein, Papier, dann werden wir gewinnen", sagt Prof. Hochberg lachend.

Professor Michael Wülker vom Sweaty-Team ist ebenfalls optimistisch: "Wir sind mit den Vorbereitungen zufrieden, im Zeitplan und hoffen nur noch, dass die Mechanik durchhält." Die beiden Kollegen sind sich einig: Mit dem neuen Kopf, Kameras hinter den blauen Augen, zwei Mikrophone hinter den Ohren und Lautsprecher hinter dem Mund zeigt sich Sweaty auch optisch in Hochform. Vorgesehen ist, dass er mit dem von der Fakultät Medien- und Informationswesen entwickelten kindlichen Gesicht auch bei einem Schönheitswettbewerb antritt.

Im Wettbewerb wird er dann laut Hochschul-Sprecherin Arwen Möller alleine gegen seinen jeweiligen Konkurrenten im Vorrundenspiel, dem Viertel- und Halbfinale und hoffentlich auch im Finale kicken. Je Halbzeit wird mit einem Ball auf dem Spielfeld zehn Minuten lang gespielt. Dann erfolgt der Seitenwechsel. Das Team darf nicht eingreifen, lediglich ein Mitglied darf hinter dem Roboter bleiben und ihn im Fall des Falles auffangen. Das gibt jedoch Strafzeit.

Schafft es Sweaty ins Finale, dann heißt es am 30. Juli Daumen drücken: Dann steigt das Endspiel.
Der Robo-Cup

In diesem Jahr kehrt der Robo-Cup laut Hochschulsprecherin Arwen Möller wieder an seinen Geburtsort Nagoya zurück. Zu dem mehrtägigen Turnier werden mehr als 100 000 Zuschauer, 3500 Teilnehmer aus aller Welt und rund 1400 Roboter erwartet. Von der Hochschule Offenburg ist neben der Sweaty-Mannschaft auch das Team Magma dabei, das mit Simulationsrechnern antritt. In der Simulation können die elf Spieler auch ihre Zehen bewegen – und damit doppelt so weit kicken wie mit festen Füßen. Sie spielen analog zum klassischen Fußball Elf gegen Elf. Magma holte jüngst beim Wettbewerb Robotica den Sieg.