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10. Februar 2010
Schwarzwald-Thriller im ZDF
APROPOS: Paar Sekunden großes Kino
Ob Gemeinderat Hans-Dieter Folles und Sparkassenchef Wilhelm Hottinger, der in Todtmoos, demnächst mit Rollenangeboten für deutsche Spielfilmproduktionen überhäuft werden? Schließlich sahen rund sieben Millionen Zuschauer (Marktanteil: 20,8 Prozent) am Montagabend den ZDF-Mystery-Thriller "Die Toten vom Schwarzwald", in dem die beiden Lokalmatadoren ihre Schauspielerdebüts gaben. Wahrscheinlich werden große Rollenangebote aber eher ausbleiben. Am fehlenden Talent der Nachwuchsmimen würde das ganz sicher nicht liegen. Hans-Dieter Folles’ Charakterkopf blitzte bei der Suche nach der vermissten Katharina zwischen Bäumen, Moos und tiefhängenden Flechten einige Male sehr eindrucksvoll auf dem Bildschirm hervor und auch Wilhelm Hottingers würdevoller Auftritt im Gerichtssaal am Schluss war große Schauspielerklasse. Um die Aufmerksamkeit der Talent-Scouts auf sich zu ziehen, waren die Auftritte mit insgesamt maximal sechs Sekunden aber wahrscheinlich viel zu kurz. Schade, dass man nicht mehr von ihnen sah, denn irgendwie war die Mitwirkung der beiden, jedenfalls für die, die sie kennen, mit das Beste an dem Film. Die Produktion punktete zwar mit guten schauspielerischen Leistungen und man wurde geschickt in den Sog der Handlung hineingezogen, so dass man gespannt auf die Auflösung der so komplizierten wie düsteren Geschichte hin fieberte. Großes Kino fühlt sich aber trotzdem anders an. Unter anderem klafften in der Handlung breite logische Lücken. So war es sehr unglaubwürdig, dass Katharina, das jüngere Zwillingsmädel, ausgerechnet bei der Hebamme aufwachsen konnte, die das Kind eigentlich hätte ermorden sollen, ohne dass der Anstifter, der doch sonst alles im Ort unter Kontrolle hat, dies bemerkt hätte. Dass die Schwarzwälder Dorfbewohner (im 21. Jahrhundert!) in ihrer Gesamtheit als zutiefst abergläubisch, gewalttätig, korrupt und vom feigsten Untertanengeist besetzt dargestellt wurden, damit die Handlung funktionieren konnte, war ebenfalls wenig glaubwürdig und schon gar nicht politisch korrekt. Und so genoss man neben der geschickt aufgebauten Angstlust beim Zuschauen vor allem die Bildschirmpräsenz der beiden geschätzten Todtmooser Mitbürger-Mimen und erlebte daher dann doch noch ein paar Sekunden großes Kino.
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Autor: Susanne Filz
