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08. Januar 2010
Arbeitgeber zahlen Kosten der Krise
Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, besuchte gestern die Firma Hiller in Schmieheim.
KIPPENHEIM-SCHMIEHEIM. Als Phänomen bezeichnete Frank-Jürgen Weise, dass das Exportland Deutschland die Wirtschaftskrise am besten gemeistert hat. "Die Arbeitgeber zahlen die Kosten der Krise", stellte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit gestern bei seinem Besuch in der Firma Hiller in Schmieheim auf Einladung des Grünen-Bundestagsabgeordneten Alexander Bonde fest und fragte, wie lange die Unternehmen dies noch durchhalten können. Nicht zuletzt deshalb befürchtet Weise, dass sich der Arbeitsmarkt 2010 schlechter entwickelt.
Ein Minus von fünf Prozent beim Wirtschaftswachstum bedeute 2,5 Millionen Arbeitslose, rechnete Weise vor. Durch Kurzarbeit sei davon lediglich ein Viertel des weggefallenen Arbeitsvolumens aufgefangen worden. Ein großer Teil aber durch den Wegfall von Überstunden und durch kürzere Arbeitszeiten, in denen die Maschinen in den Betrieben still gestanden haben. Als erfolgreich hätten sich in der Krise auch die Arbeitsmarktreformen erwiesen. Aber auch wenn die Konjunktur wieder besser läuft erwartet Weise deshalb zunächst keine Neueinstellungen.Werbung
Baden Württemberg sei mit Bayern und Nordrhein-Westfalen von der Krise am schlimmsten betroffen, habe sie jedoch wie Bayern gut gemeistert. Auf die Region eingehend, die mit ihrer Arbeitslosenquote unter dem Landesdurchschnitt liegt, stellte Bärbel Hölten-Schoh, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Freiburg fest, dass die vorwiegend mittelständischen Unternehmen bestrebt seien, ihre Fachkräfte zu halten. Bei Ausbildungszeiten von bis zu sechs Jahren, um neue Fachkräfte heranzuziehen, rechne sich dies auch für die Unternehmen.
Auf das Nebeneinander von Agentur für Arbeit und Kommunaler Arbeitsförderung legte sich Weise klar fest. Auch wenn es im Ortenaukreis nicht schlecht laufe, bundesweit habe sich das Optionsmodell nicht bewährt. Es sprach sich klar für das Arge-Modell aus. "Ich bin ein Freund von Leistungsfähigkeit, und da sind die Arges erfolgreicher."
Eingangs hatte der geschäftsführende Gesellschafter Jürgen Dreher die Hiller-Gruppe mir den sechs dazugehörenden Unternehmen und 285 Mitarbeitern vorgestellt. Sie zähle Europa zu den drei größten auf dem Sektor Objektmöbel und Objekteinrichtungen. Seit er vor fünf Jahren die Mehrheit der Geschäftsanteile übernommen und mit der Umstrukturierung des Unternehmens begonnen habe, sei der Umsatz von knapp 20 Millionen Euro auf 35 Millionen um Jahr 2008 und im Krisenjahr auf mehr als 40 Millionen Euro gestiegen. Für das Geschäftsjahr 2010 sei ein Umsatz von 42 Millionen Euro angepeilt. Produziert werde nur noch in Schmieheim, im Werk in Hessen und im Burgenland. Die Fertigungstiefe, die vor fünf Jahren bei 40 Prozent gelegen habe, sie inzwischen auf 74 bis 77 Prozent gestiegen. Inzwischen sei das Unternehmen breit aufgestellt, der Kundenkreis habe sich erheblich erweitert. Neben gemeinden zählen nun auch Hotels, Kongresszentren, Hallen, Stadien und Hotels zum Kundenkreis. Eine wesentlicher Faktor für den Erfolg sei die permanente Entwicklung, die im Schmieheimer Schloss konzentriert wird.
Dreher kündigte an, dass Hiller vom 1. Februar mit einer Flotte von zehn Lastwagen mit 20 Mitarbeitern auch die Produkte zu den Kunden bringen werde. Des weiteren ist von 2010 an auch eine kleine Schule gedacht, in der analog zu den Racing Students – dem inzwischen erfolgreichsten Amateur-Radsportteam in Deutschland – auch Sportler aus dem Handwerksbereich Sport und Beruf in Einklang bringen können.
Autor: Theo Weber
