Architektonisch überzeugend

Wulf Rüskamp

Von Wulf Rüskamp

Di, 02. Januar 2018

Kunst

HUGO-HÄRING-PREIS 2: Der Neubau der Winzergenossenschaft Buchholz-Sexau in Waldkirch.

In einer kleinen Textreihe stellt die Badische Zeitung fünf der 14 Bauten vor, die in der Region Freiburg mit dem Hugo-Häring-Preis ausgezeichnet worden sind. Der Architekturpreis für vorbildliche Bauwerke in Baden-Württemberg wird seit 1969 in dreijährigem Rhythmus vom Landesverband des Bundes Deutscher Architekten verliehen.

Was benötigt eine Winzergenossenschaft an Raum, wenn sie selbst den Wein nicht ausbaut? Das ist schnell zusammengestellt: Lager, ein, zwei Büros, eine mittelgroße Halle zur Traubeneinlieferung – und vor allem einen attraktiven Verkaufsraum. Mehr bietet auch der Neubau der Winzergenossenschaft Buchholz-Sexau in Waldkirch nicht – weil sie nicht mehr Geld hatten, wie die Bauherren meinen.

Wenn dem so war, dann hatten sie genau so viel Geld, wie für ein architektonisch überzeugendes Gebäude nötig war. Entworfen hat es das in Waldkirch ansässige Büro Fuchs Maucher Architekten. Denn gerade wenn es um Repräsentation geht, ist nur zu oft viel Geld kein guter Ratgeber. Zugleich aber belegt dieser Neubau, dass sorgfältiger Umgang mit den Materialien keine Frage hoher Preise sein muss: Die Fassade aus Eichenholz, nur durch drei schmale hohe Fenster und das große Rolltor zur Traubenannahme unterbrochen, ist von hoher Qualität auch in der Ausführung.

Im Grunde ist das Genossenschaftsgebäude, von der Straßenseite betrachtet, eine Kombination von Scheune und Betonkubus. Dabei ist der Betonkubus mit dem Verkaufsraum so weit unter die längere Seite des asymmetrischen Dachs geschoben, dass er integriert erscheint. Doch zugleich ragt er um ein Weniges seitlich heraus, um seine besondere Bedeutung anzuzeigen, die ja auch durch die hier verwendeten Materialen – Beton, Glas – unterstrichen wird. Die Aufteilung durchzieht die gesamte Tiefe des Hauses, ist also nicht bloß Fassade, sondern Funktion: "Das neue Gebäude der Winzergenossenschaft", schreibt die Jury in ihrer Preisbegründung, "besticht durch die klare Ablesbarkeit des Nutzungskonzepts" – und das gilt von allen Seiten. Aus der Schlichtheit entsteht schließlich die Eleganz, mit der dieses Gebäude sich bestens gegen seine Umgebung behauptet.

Im Inneren des sehr offen gehaltenen Verkaufsraums wird ebenfalls auf Gradlinigkeit und Materialtreue geachtet, quasi ein Versprechen auf Ehrlichkeit auch im Umgang mit dem Wein, der auf den Hängen wächst, die sich hinter dem Gebäude erheben. Das war es dann aber auch mit dem repräsentativen Aufgebot. Bescheiden, geradezu eng sind dagegen die Büro- und Lagerräume, eben von nüchterner, kostenbewusster Nützlichkeit.

Genau für diese Eigenschaft wurde das Haus auch im Wettbewerb Baukultur Schwarzwald 2016 gelobt: "Optimale Funktionsabläufe und maximale Werbewirksamkeit bei minimalem Budget".